Julis Schmetterling (Greta Milán)

Julis Schmetterling (Greta Milán)

Klappentext:

Als die attraktive Julietta dem zurückhaltenden Bastian begegnet, spürt sie ihn ganz deutlich, den Schmetterling in ihrem Bauch.

Aber Bastian verbirgt ein Geheimnis: Seit seiner Geburt leidet er an einer sehr seltenen Hautkrankheit, aufgrund derer er sich außergewöhnlich schnell verletzt. Sein Leben ist geprägt von Schmerz und Zurückweisung, seine Gedanken werden beherrscht von Selbstzweifeln und Misstrauen.

Juli will ihm helfen, seine Befangenheit abzulegen und sich ihr zu offenbaren. Doch sie ahnt nicht, wie tief seine Wunden tatsächlich sind.


Rezension:

Bei einer Vernissage von ihrer besten Freundin lernt Julietta den aufstrebenden Fotografen Bastian kennen. Zwischen den beiden knistert es sofort, doch Bastian gibt sich kühl und zurückhaltend. Der Zufall will, dass die beiden sich bei einem Auftrag von Julis Mutter zwangsläufig wieder über den Weg und sehr viel Zeit miteinander verbringen müssen. Begeistert sind von dieser Tatsache beide nicht, denn Bastians abweisendes Verhalten geht Juli an die Nieren, weshalb sie sich um eine professionelle Zurückhaltung bemüht. Gleichzeitig fasst sie aber auch den Entschluss, Bastian aus seinem Schneckenhaus zu locken und den Grund für seine Kälte herauszufinden. Womit sie dabei nicht gerechnet hat, ist die Tragweite seines Geheimnisses – denn Bastian ist ein Schmetterlingskind und muss seit seiner Geburt mit einer schwerwiegenden und sehr seltenen Hautkrankheit leben. Seine Haut ist sehr leicht verwundbar, sodass selbst die kleinste Berührung zu einer Verletzung und schlimmen Schmerzen führen kann. Daher ist Bastians Körper mit Narben übersät, weshalb er schon oft auf Ablehnung und Zurückweisung gestoßen ist. Gerade bei zwischenmenschlichen Beziehungen, die auch auf die körperliche Ebene gehoben werden, tut er sich aus Erfahrungsgründen sehr schwer. Doch Juli gibt nicht auf, sie möchte ihm zeigen, dass er nicht abstoßend, sondern genauso liebenswert und attraktiv wie andere Männer ist.

Epidermolysis bullosa – diese seltene Erbkrankheit, bei der die Haut so fragil ist, dass selbst kleinste Berührungen ausreichen, um sie zu verletzen, ist der Hauptbestandteil von Greta Miláns Debütroman, in welchen sie auch autobiographische Erfahrungen einfließen lässt. Da sie selbst die Liebe zu einem Schmetterlingskind und die damit verbundenen Schwierigkeiten kennen gelernt hat, ist vor allem Juliettas Rolle besonders gut gelungen. Als Leser fällt es daher leicht, sich in Julis Situation hineinzuversetzen und gemeinsam mit ihr hinter Bastians Geheimnis zu kommen. Einfühlsam und nachvollziehbar gelingt es der Autorin, dem Leser ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie hart es sein kann, an ein Schmetterlingskind heranzukommen und wirklich zu ihm durchzudringen. Auf der anderen Seite kann auch der kühle Bastian trotz seiner schroffen und abweisenden Art schnell Sympathiepunkte sammeln, denn auch hier fällt es dem Leser relativ leicht, eine Position zu beziehen. Dies ist auch Greta Miláns eigenen Erfahrungen geschuldet, denn ihre eigene Geschichte fließt wohl oder übel natürlich ein – und so zeigt sich, dass man zwar behutsam, aber nicht überfürsorglich oder übervorsichtig mit den Menschen, die an dieser Hautkrankheit leiden, umgehen muss. Julis Schmetterling zeigt, dass es sich um ganz normale Menschen handelt, die sehr viel bewusster durchs Leben gehen müssen, deshalb aber nicht besser oder schlechter sind. Sie haben einfach eine andere Achtsamkeit – sich selbst und anderen gegenüber. Es wird deutlich, dass die abweisende Art nur ein Schutzmechanismus ist, denn natürlich sich die sichtbaren Verletzungen im ersten Moment ein Schock. Doch wenn man die Hintergründe der Narben kennt, kann man auch lernen, damit umzugehen – Greta Miláns Roman ist hier kein erhobener Zeigefinger, sondern vielmehr ein offen dargelegter Weg für einen möglichen Umgang mit diesen fragilen Persönlichkeiten.

julis-schmetterling-altAufgelockert wird die nicht immer einfache Geschichte durch liebenswerte Nebencharaktere wie zum Beispiel Julis beste Freundin Isabelle, die jedes Mal wieder mit ihrem vorlauten Mundwerk ein Lächeln hervorruft, und die Inhaberin der Galerie – Elena –, in welcher die Vernissage stattfindet. Denn Elenas Bruder leidet, wie auch Bastian, ebenfalls an der Erbkrankheit, allerdings in einer anderen Form. Trotz dieses Schicksalsschlags hat sich Felix ein sonniges Gemüt behalten und schafft es, allem etwas Positives abzugewinnen. Seine sehr deutlichen Meinungsäußerungen unterstützen Juli unbewusst im Kampf um Bastians Vertrauen und sein Herz, und für den Leser ist es bewundernswert, wie er mit seiner Krankheit umgeht. Auch Julis Schwester Hanna und ihre Familie kann den Leser zwischendurch immer wieder erheitern, auch wenn sie keine so große Rolle übernehmen. Vielleicht denkt Greta Milán ja darüber nach, noch weitere Romane im Schmetterlingsuniversum zu schreiben und Hanna eine eigene Geschichte zu geben. Gerade im Hinblick auf die Eltern und das Verhältnis der Schwestern könnte das ein sehr interessanter Lesestoff sein. Doch vielleicht ist dieser Roman auch eines der seltenen Exemplare, die ohne Fortsetzung bleiben sollten, um ihre wirkungsvolle Aussage komplett entfalten zu können.

Im Juli 2014 hat Julis Schmetterling nun im Zuge der Neuauflage auch ein neues Gesicht bekommen – im wahrsten Sinne des Wortes. Über das neue Cover lässt sich sicherlich streiten, es wird einige Stimmen geben, denen die alte Aufmachung besser gefällt, weil sie einfach besser zum Inhalt passt. Doch dem Wandel der Zeit muss man sich manchmal zwangsläufig anpassen, und so sollten diejenigen, die ein Exemplar der weltweit nur 100 Stück umfassenden Erstauflage im Regal stehen haben, ihre Ausgabe in Ehren halten. Inhaltlich dürfte sich nichts geändert haben, sodass einige kleine Fehlerchen möglicherweise überlebt haben. Doch über die kann man gerne hinwegsehen, denn gerade in solchen Geschichten liefern sie eine zusätzliche Bestätigung dafür, dass nichts und niemand im Leben perfekt ist. Eine schöne Botschaft und eine lesenswerte Geschichte, die hoffentlich noch viele Leser erreicht und viele Augen öffnen wird.


Fazit:

Ein Roman, der zum Teil autobiographische Züge hat und neben der erzählten Geschichte auch einige Aufklärungsarbeit leistet – Julis Schmetterling ist eine wunderschöne Möglichkeit, Betroffenen eine Stimme zu geben und Unwissenden aufzuzeigen, womit sie es mit einem Schmetterlingskind im engeren Umfeld zu tun haben. Greta Milán verbindet ihre eigenen persönlichen Erfahrungen mit einer fiktiven Story und schafft es dabei, dem Leser einen Einblick ins Leben eines Schmetterlingskindes zu liefern, ohne dabei zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken, sondern stattdessen den Alltag darlegt und Möglichkeiten für den Umgang darlegt. Ein Buch, das nicht nur von Interessierten oder passiv Betroffenen gelesen werden sollte, sondern möglichst breitflächig für Aufklärung sorgen könnte.


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