Der Herr der Tränen (Sam Bowring)

Der Herr der Tränen (Sam Bowring)

Klappentext:

Ein alter Krieger darf nicht auf Frieden hoffen.

Rostigan ist des Kämpfens müde. Den Ruhm, den er in zahlreichen Schlachten erworben hat, hat er nie gewollt. Dennoch weicht die Bardin Tarzi, die ein Lied über seine nächste Heldentat verfassen möchte, nicht von seiner Seite. Da erreichen sie das einst so prächtige Silberstein, doch die Stadt mit den weißen Türmen wurde vollständig vernichtet. Rostigan erkennt, dass Tarzis Wunsch erfüllt werden wird. Er wird sich einer neuen Gefahr stellen müssen, der größten überhaupt vorstellbaren. Die Wächter sind zurückgekehrt!


Rezension:

“Einst“, sagte sie, “lebte ein mächtiger Fadenwirker, den man Regret, den Herrn der Tränen nannte. Er herrschte über das Tal des Friedens. Zu jener Zeit war es noch ein einladender Ort mit guten Menschen, wie ihr es seid.“
(Seite 25)

Als der alternde Krieger Rostigan und die zauberhafte Bardin Tarzi quasi Zeuge davon werden, wie die Stadt Silberstein einfach vom Erdboden verschwindet und sich währenddessen der Himmel kurzzeitig verdunkelt, befällt sie eine dunkle Vorahnung. Denn es gab in der ganzen Geschichte des Landes nur eine Person, die zu solchen Dingen fähig war: Die Diebin, eine Wächterin. Gemeinsam mit einer ausgewählten Gruppe weiterer Wächter wurde sie seinerzeit dazu ausgewählt, dem gefährlichen Herrn der Tränen das Handwerk zu legen und ihn zu vernichten. Dies ist gelungen, doch seine, zum Teil leider auch negativen, Kräfte sind danach auf die Gefährten übergesprungen, ohne dass sie es wollten. Für Rostigan, der eigentlich keine Lust mehr aufs Kämpfen und große Schlachten hat, steht völlig außer Frage, seine ehemalige Gefährtin ein weiteres Mal zu vernichten, um einer neuerlichen Katastrophe aus dem Weg zu gehen. Schnell stellt sich heraus, dass nicht nur die Diebin nach ihrem Tod vor dreihundert Jahren zurückgekehrt ist, sondern auch die anderen Wächter wieder zum Leben erwacht sind. Und so kommt Rostigan gar nicht drum herum, seine früheren Freunde erneut suchen und sich ihnen in den Weg stellen zu müssen. Denn die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist zu groß, um sich einfach gewähren und ihnen die Welt Aorns, in der sich trotz der grausigen Überbleibsel des Herrn der Tränen endlich ein wenig Frieden entwickelt hat, kampflos zu überlassen.

Kaum ein anderes Genre bietet eine derart große Bandbreite an Themen wie die Fantasy. Leider sind die meisten Romane aus diesem Genre in den letzten Jahren immer mehr einem Einheitsbrei verfallen, in dem es immer wieder um die gleichen Gestalten und Geschichten geht, sodass das Lesen nur noch wenig Spaß macht. Sam Bowring geht diesem Ganzen aus dem weg und schafft in seinem Debüt eine ganz andere fantastische Welt, in welcher der Leser eintauchen und sich nach einigen Startschwierigkeiten schnell wohlfühlen kann. Zwar bietet die erste Hälfte noch nicht sehr viel Spannung, sondern plätschert eher vor sich hin, doch schon hier merkt man recht früh, dass der Autor etwas von seinem Handwerk versteht. Obwohl die Handlung noch etwas mager bleibt, fällt es dem Leser nur schwer, sich von den Seiten loszureißen – Der Herr der Tränen hat eine ganz eigene Magie inne, die fasziniert und fesselt. Spätestens mit dem Auftauchen weiterer Wächter verdichtet sich die Geschichte und wird zu einem echten Lesegenuss. Dass man hierbei manchmal über seltsame und verwirrende Satzkonstruktionen stolpert, tut dem Vergnügen keinen Abbruch, es dauert nur seine Zeit, bis man sich ganz in den Schreibstil fallen lassen kann und auch die Hintergründe sich ein wenig klären. Der Schreibstil Bowrings ist genauso speziell wie die von ihm erzählte Geschichte, und beides wird zusammen mit den Charakteren und der gezeichneten Welt zu einer überaus gelungenen Mischung.

Teilweise bleiben die Charaktere zwar ein wenig eindimensional, doch durch die Bank weg haben sie alle etwas Besonderes an sich, sodass der Leser sich jedes Mal darauf freut, wenn einer von ihnen wieder auf der Bildfläche erscheint. Allen voran sind da Rostigan, der sich als zurückgezogener Krieger ziemlich wohlfühlt, und die quirlige, aber auch sehr liebenswerte Bardin Tarzi, die nicht aufhören kann, immer wieder Lobeshymnen über ihren Begleiter zu singen und jedem von seinen Abenteuern zu berichten, der davon hören möchte. Doch auch die anderen Wächter, die nach und nach eingebunden werden, sind in ihrer Einzigartigkeit mehr oder weniger sympathische Wegbegleiter. Es bleibt nun abzuwarten, was Sam Bowring im zweiten Band noch aus seinen Protagonisten und ihrer Geschichte holen kann, denn einige Fragen bleiben in diesem ersten Teil noch unbeantwortet und lassen den Leser ein wenig ratlos und unbefriedigt zurück. Eins ist jedoch gewiss: Fantasy erhält mit Der Herr der Tränen ein neues Gesicht und man freut sich schon jetzt aufs Weiterlesen und hofft auch noch viele weitere Romane aus der Feder dieses Autors. Wenn man über kleine Schwächen hinwegsehen kann, darf man hier mit guter Unterhaltung rechnen, die sich fernab vom Einheitsbrei bewegt. Nicht nur für Genre-Liebhaber ist dieses Debüt daher eine echte Leseempfehlung.


Fazit:

High Fantasy abseits von den üblichen Gestalten – Der Herr der Tränen kommt gänzlich ohne Trolle, Zwerge, Drachen, Elfen und ähnlichen Wesen aus und schafft es genau aus diesem Grund, dem Leser endlich mal wieder saubere, lesbare und fesselnde Fantasy zu liefern. Sam Bowring bringt in seinem Debüt eine andere Art der Magie zu Tage, die nicht weniger faszinierend ist, und zeigt somit, dass Fantasy nicht nur mit alten Mustern sehr erfolgreich sein kann. Ein gelungener Einstieg und eine tolle Grundlage für weitere Romane!


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2 Kommentare
  1. DerHausmeister sagt:

    Ha! Kaufempfehlung :) Danke

    • Schattenkämpferin sagt:

      War ja klar :D
      Mal schauen, ob der zweite mich auch überzeugen kann. Hab schon gelesen, dass er nicht ganz so gut sein soll, aber mal sehen.

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