In Liebe, Brooklyn (Lisa Schroeder)

Loewe-Verlag, 1. Auflage November 2011
Originaltitel: Chasing Brooklyn
Aus dem Amerikanischen von Jessika Komina und Sandra Knuffinke
Hardcover mit LB, 432 Seiten
13,95 € (D) | 14,40 € (A)
ISBN 978-3-7855-7057-9
Leseprobe

Genre: Jugendbelletristik in Lyrikform


Über das Buch:

Trauer, Schmerz, Erinnerungen.
Vor einem Jahr ist Lucca ums Leben gekommen, Brooklyns große Liebe. Seitdem kann sie nicht mehr schlafen. Sie wird von Alpträumen heimgesucht.
Nico dagegen versucht, durch endloses Laufen dem Schmerz zu entkommen, der ihn seit dem Tod seines Bruders Lucca quält. Doch dann erhält Nico Nachrichten von Lucca aus dem Jenseits: Er soll sich um Brooklyn kümmern.
So nähern sich Brooklyn und Nico langsam einander an. Werden sie es gemeinsam schaffen, den Verlust zu überwinden?


Rezension:

Lieber Lucca,

ich vermisse dich.
Ich vermisse deine Augen und
die Liebe darin.
Ich vermisse deine Arme um mich.
Ich vermisse, wie geborgen
ich mich gefühlt habe bei dir.
Ich vermisse dich, Lucca.
Ich werde dich vermissen,
mein Leben lang.

In Liebe,
Brooklyn

(Klappentext)

Brooklyns erste große Liebe kam vor knapp einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben – der Unfallfahrer, Luccas bester Freund Gabe, überlebte und schleppt sich seitdem mit unerträglichen Schuldgefühlen ab. Doch nicht nur Brooklyn hat noch immer mit ihrer Trauer zu kämpfen, auch Luccas Bruder Nico hat den Tod noch nicht verarbeitet. Er lässt seine Trauer in Form von überschüssiger Energie beim Laufen raus, während Brooklyn nach außen hin die perfekte Fassade aufrecht erhält. Doch beiden merkt man anhand ihrer Texte schnell an, dass sie nur für andere stark sind, doch innerlich von ihrem Kummer zerfressen werden. Als Gabe Selbstmord begeht und seinem besten Freund in den Tod folgt, droht die mühsam aufgebaute Fassade zusammenzubrechen. Lucca erscheint Nico im Traum und hinterlässt seltsame, aber eindeutige Nachrichten: Er soll sich um Brooklyn kümmern und auf sie aufpassen. Der Schritt auf Brooklyn zu fällt Nico nicht leicht, da er bisher prima vor seinen Gefühlen weglaufen konnte. Doch der Wunsch seines Bruders geht ihm zu Herzen und auch Brooklyn wird ihm immer wichtiger. Trotz der abwehrenden Haltung näheren sich die beiden schließlich an und merken, dass gemeinsame Trauer nicht weniger schlimm, aber irgendwie doch etwas einfacher ist.

In lockerer und leicht lesbarer Versform gestaltet sich In Liebe, Brooklyn als eine Art Tagebuch, das aus der Sicht von zwei Teenagern geschrieben wird, die denselben Verlust zu verarbeiten haben. Obwohl die angekündigte Poesie im Grunde nur aus „zerhackten“ Sätzen besteht, ist diese textliche Aufmachung einer der Punkte, die dieses Debüt so besonders machen. Daneben weiß Lisa Schroeder sich hervorragend in die Seele der trauernden Teenager zu versetzen und dem Leser die Gefühle mit jedem einzelnen Wort erstaunlich nahe zu bringen. Durch die abwechselnden Perspektiven erhält der Leser die Möglichkeit, sich in den Worten beider Protagonisten zu verlieren und das sich langsam entwickelnde Band zwischen beiden mitzuerleben. Auch diese Besonderheit verdient Lob, denn die Autorin schafft es hier trotz der schlichten Normalität, eine tiefgehende Intensität aufzubauen und so das Gefühl zu vermitteln, die Tagebucheinträge seien tatsächlich gerade erst niedergeschrieben worden. Als sei die Tinte noch nicht trocken, als seien die Gefühle in jenem Moment der Empfindung schriftlich festgehalten worden. Dadurch bekommt der Leser von der ersten Seite an eine Verbindung zum Geschriebenen, zu den Protagonisten und zu den vielseitigen Gefühlen, die vermittelt werden.

In Liebe, Brooklyn besticht also nicht nur mit optischer Besonderheit, sondern auch mit einem emotionalen Inhalt. Von dieser Autorin wird man hoffentlich noch mehr hören und lesen, sofern sie denn an ihrem besonderen Stil festhält und diesen noch weiter ausbaut. Und da es extrem schade wäre, wenn dieses Schmuckstück im Bücherregal zwischen all seinen großen Brüdern und Schwestern unterginge, sei jedem Leser geraten, es an einem gut sicht- und schnell erreichbaren Platz zu legen – denn nur selten findet man ein derart einvernehmendes Buch, das sich immer wieder zwischendurch genießen lässt.


Fazit:

Erstaunlich, wie ein so kleines, eher an ein Notizbuch erinnerndes Büchlein eine solch große und vereinnahmende Wirkung entfalten kann. Trotz Vorhersehbarkeit weiß Lisa Schroeders Debüt In Liebe, Brooklyn in vollem Maße zu überzeugen. Romantisch, poetisch und wunderschön – ein Buch über Liebe und Verlust, Trauer und Hoffnung, Grenzüberwindungen und die Wege des Lebens.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5


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