Todesgeil (Bryan Smith)

Todesgeil (Bryan Smith)

Klappentext:

Als Rob seinen Wagen volltankt, taucht dieses sexy Gothicgirl auf und hält ihm eine Knarre an den Kopf. Sie braucht einen Chauffeur, denn sie verfolgt vier Jugendliche, die über sie gelacht haben. Offenbar will sie die abknallen.
Rob kann es nicht fassen. Doch noch weniger versteht er sich selbst: Er will bei ihr bleiben, er will Sex mit ihr, er will ihr beim Morden helfen. Denn es tut gut, endlich seine Wut und Lust zu befriedigen …

Bryan Smith zeigt das einzig echte Monster: den Menschen. Fans von hartem Horror a la Richard Laymon, Jack Ketchum oder Brett McBean können hier bedenkenlos zugreifen.


Rezension:

„Und dann redeten diese Pfleger über mich. Laut dem, was er damals sagte, gehöre ich zu der schlimmsten Art von Verrückten. Zu den hoffnungslosen, den todesgeilen Fällen. Ich stehe aufs Töten. Weißt du, ich mache mir keinen Kopf über Gefühle oder so ’n Scheiß. Es macht mir einfach Spaß, Leuten wehzutun. Man könnte sagen, das Leben hält keinen anderen Reiz für mich bereit. Es ist meine Berufung.“
(Seite 36/37)

Für Rob sollte es ein ganz normaler Tag werden. Ohne einen bösen Gedanken steht er an der Tankstelle gegenüber eines Einkaufzentrums, als ihm gegenüber plötzlich dieses heiße Gothicgirl ins Auge fällt – und er ihr auch aufgefallen zu sein scheint. Doch was für Rob im ersten Moment als schmeichelhaft empfunden wird, kehrt sich schnell ins Gegenteil, denn Roxie hält ihm eine versteckte Pistole vor den Bauch und hat nur eines im Sinn: Das Auto samt Fahrer entführen und diesen vier selbstverliebten Jugendlichen hinterherfahren, die sie nicht gerade nett behandelt haben und dafür bestraft werden müssen. Was für Roxie nichts anderes bedeutet, als dass die Clique, die von Daddys Geld in den Urlaub fährt, sterben muss …
Zeitgleich ist der aus der Haft entflohene Serienkiller Zeb mit seinem Kumpan auf der Straße unterwegs und hinterlässt eine Spur aus Blut und anderen Dingen, ohne die ein Mensch nicht überleben kann.
Und irgendwo im Land schreibt ein junges Teenagermädchen einige sehr kranke Sachen in sein Online-Tagebuch.
Drei voneinander noch unabhängige Fäden, die jedoch unaufhaltsam aufeinander zusteuern und deren Verknüpfung ein unglaubliches Massaker hinterlassen wird.

Oberflächliche Leser würden wahrscheinlich sagen, dieses Buch besteht nur aus Sex und Gewalt. Und auf den ersten Blick stimmt das auch, denn die Handlung an sich gibt tatsächlich nicht viel mehr her. Doch der Leser findet seinen Lesegenuss auf andere Weise – Bryan Smith spielt auf ziemlich kranke Weise mit zwei wichtigen Urtrieben des Menschen und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Zarte Gemüter sollten – und werden – dieses Buch bereits nach den ersten Seiten angewidert von sich schleudern, denn der Autor schreibt ungeschönt von den hässlichsten Gesichtern, die die Erde zu bieten hat. Krankhafte Serienmörder und gefährliche Psychopathen spielen hier eine wichtige Rolle, aber auch nach außen hin unschuldigen Collegestudenten werden in Todesgeil die schönen Masken herunter gerissen. Was irgendwie befreiend und befriedigend ist, weil Bryan Smith wahrscheinlich so manchem Leser aus der Seele schreibt – denn wer hat nicht manchmal den Drang, aufgeblasenen Möchtegerns die Stirn zu bieten? Vielleicht nicht ganz so drastisch wie in diesem Buch, doch so manches Mal kann man sich während des Lesens ein süffisantes Grinsen und dazugehörige Gedanken nicht verkneifen. Man wird auf vielfache Weise unterhalten, denn neben all der Brutalität und den sehr anschaulichen Gewaltszenen bringt der Autor auch wunderbare sprachliche Wortspiele, die zum leisen Schmunzeln einladen.

Auch bei den Charakteren dürfte jeder Leser seinen ganz persönlichen Liebling finden. Roxie ist in ihrer frechen, eher görenhaften Art ein bezaubernd erfrischender Kontrast zum leicht naiven, aber irgendwie auch niedlichen Rob, der hin- und hergerissen wird zwischen seinem Verlangen nach Roxie und seiner Abscheu vor ihren erbarmungslosen Taten. Die sechs Collegestudenten haben jeder für sich ein paar liebenswerte Züge und weniger nette Eigenschaften. Das bloggende Teenagermädchen ist dabei, sich selbst zu entdecken, und geht während dieses Prozesses einige seltsame Wege. Und selbst der psychopathische Serienkiller Zeb schafft es, dem Leser ein paar Sympathien zu entlocken – so seltsam das bei einem derartigen Splatter-Roman klingen mag.

Alles in allem ist Bryan Smith neben den im Klappentext benannten Autoren ein Muss für alle, bei denen es gerne mal „etwas mehr“ sein darf und die genug haben von halbherzigen Weichspüler-Thrillern. Doch auch dieser Autor ist mit Vorsicht zu genießen: Wer einmal angefangen hat, wird nicht mehr aufhören können und will nur noch eins – nämlich mehr, mehr, mehr.


Fazit:

Überwiegend Sex und Gewalt, einige nette Wortspiele und eine gehörige Prise kranker Humor sind die Grundzutaten, aus denen Todesgeil zusammengesetzt ist. Bryan Smith ist ein Könner im Splatter-Thriller-Genre und in jeder Hinsicht eine definitive Empfehlung für einen ausgewählten Leserkreis – selbst so manchem hartgesottene Thriller-Leser dürfte sich hier das eine oder andere Mal der Magen umdrehen. Sehr brutal und mitunter etwas banal, aber alles andere als seicht und langweilig!


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3 Kommentare
  1. Nana sagt:

    Halleluja.. deine Empfehlungen sind ja wirklich Hardcore :D
    Aber deine Rezis schaffen es alle mich furchtbar neugierig zu machen.. (Very well done :P)

    Liebste Grüße! (:
    Nana

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