Edelherb (Gabrielle Zevin)

Edelherb (Gabrielle Zevin)

Über das Buch:

Ein Mädchen zwischen High School und Verbrechen, zwischen Liebe und Verantwortung

New York 2083: Wasser und Papier sind knapp, Kaffee und Schokolade sind illegal.
Der Oberstaatsanwalt findet einen Grund, um Anya Balanchine in die Erziehungsanstalt Liberty einsperren zu lassen. Und das nicht zum ersten Mal. Aber diesmal gelingt ihr die Flucht auf eine Kakaoplantage in Mexiko. Dort lernt sie alles über die Geheimnisse der Schokoladenherstellung und des Kakaoanbaus.
Wird Anya ihr Erbe als Kartellchefin etwa doch antreten? Und was ist mit Win? Kann ihre Liebe auch diese Herausforderung überstehen?
Anya ist in tödlicher Gefahr, denn vor den Intrigen der eigenen Familie ist sie nirgendwo sicher.


Rezension:

Erst wenige Tage wieder auf freiem Fuß bringt Anya sich unbewusst direkt wieder in Schwierigkeiten und findet sich viel zu schnell hinter den Mauern Libertys wieder, wo sie eigentlich nie wieder landen wollte. Doch sie erhält unerwartet Hilfe und schafft es, über das Meer zu fliehen. Natürlich kann sie nicht nach Hause, weshalb ihre Flucht sie schließlich nach Mexiko führt – auf die Kakaoplantage einer befreundeten Familie. Hier findet Anya unter fadenscheinigen Gründen nicht nur Unterschlupf, sondern entdeckt auch die bislang gut gehüteten Geheimnisse des Kakaoanbaus. Über mehrere Monate hinweg wird Anya voll in das Leben der Plantagenbesitzer integriert und sammelt auf diese Weise sehr viel nützliches Wissen, mit dem sie in der Lage sein könnte, die Schokolade ihrer Familie wieder zur wichtigsten auf dem amerikanischen Schwarzmarkt zu machen.
Und als sich schließlich abzeichnet, dass ihre Feinde sie selbst auf dieser versteckten Plantage gefunden haben und ein ihr während des Aufenthalts sehr ans Herz gewachsener Mensch bei einem Überfall, der eigentlich ihr galt, schwer verletzt wird, beschließt Anya, dass sie sich nicht länger verstecken kann, darf und will. Sie muss zurück nach New York, zurück zu ihrer Schwester – und zurück zu Win, auch wenn der inzwischen eine neue Freundin hat, die seinem Vater besser in den politisch korrekten Kram passt. Anya weiß, dass sie die Oberhand über ihr Erbe nur dann wiedergewinnen kann, wenn sie mit allen Mitteln dafür kämpft – und dass für Win genau das Gleiche gilt. Doch sie hat ihre Rechnung ohne die vielen Hindernisse gemacht, die ihr Familienmitglieder und vermeintliche Freunde dabei in den Weg stellen. Zum Glück kann sie aber auch mit Unterstützung rechnen – sogar von völlig unerwarteter Seite. Aber wird das ausreichen, um für ihr Geburtsrecht einstehen und es endlich erhalten zu können?

Mit dem Auftaktband der Trilogie um Anya Balanchine Bitterzart hat Gabrielle Zevin den Nerv vieler Schokoladen- und Dystopie-Liebhaber getroffen. Von ebendiesen wurde anschließend sehnsüchtig die Fortsetzung erwartet, die mit Edelherb nun endlich vorliegt. Und die Geschichte geht ähnlich rasant weiter, wenn man in Bezug auf langwierigen, aber nicht unbedingt uninteressanten Aufenthalt auf der mexikanischen Kakaoplantage mal ein Auge zudrückt. Diejenigen, die im ersten Band so fasziniert von der sich anbahnenden Geschichte zwischen Anya und Win waren, kommen nun im Nachfolger nicht ganz so sehr auf ihre Kosten. Denn die Autorin hat das Augenmerk hier ganz deutlich auf das Hintergrundwissen in Bezug auf die Schokolade gelegt und füttert nicht nur Anya, sondern auch den Leser mit zahlreichen, wissenswerten Details. Für Romantikfans, die auf eine ähnlich intensive Liebesgeschichte wie in Bitterzart hoffen, könnte daher die erste Hälfte des zweiten Bandes ein wenig ermüdend und uninteressant sein – doch das ist kein Grund zur Sorge, denn Gabrielle Zevin ist natürlich auch an der Weiterentwicklung dieses Handlungsstrangs sehr gelegen. Und sie versteht es, den Leser hier genau in der richtigen Dosierung auf die Folter zu spannen.

Besonders reizvoll wird Edelherb aber tatsächlich erst durch die gut durchdachten und erst im Nachhinein irgendwie auch offensichtlichen Intrigen, durch die Anya sich kämpfen muss. Hier hat sich die Autorin wirklich große Mühe gegeben, die Fäden für den Leser entsprechend spannend zu gestalten und dabei trotzdem immer logisch zu bleiben. So richtig überraschend sind die Aufklärungen daher nicht, was sie jedoch nicht weniger schockierend macht. Diese Mischung macht den zweiten Band der Schokoladen-Trilogie um einiges actionreicher als seinen Vorgänger, sodass auch hier ebenfalls wieder ein wahrer Pageturner vorliegt. Es bleibt nun abzuwarten, was Anya im dritten und abschließenden Band noch erwartet und welche Ideen Gabrielle Zevin wohl noch einflechten wird. Wenn sie sich nicht einen total abwegigen Ausgang und wirklich grobe Fehler erlaubt, dann dürfte sich auch der letzte Zweifler für die Reihe erwärmen können und seine Skepsis endlich ablegen. All das liegt nun auf den Schultern des bereits jetzt mit Spannung erwarteten Abschlussbandes, der hoffentlich noch mal alles gibt und vollständig an den Lesegenuss anknüpfen kann.


Fazit:

Nachdem der Leser in Bitterzart eine sehr vorsichtige Einführung in die Welt der Balanchine-Schokolade, dafür aber mehr romantische Spanung bekam, erwartet ihn im zweiten Band der Trilogie die volle Breitseite des Hintergrundwissens. Gemeinsam mit Anya lüftet man die Geheimnisse der Schokoladenkunst. Doch Gabrielle Zevin hält sich natürlich nicht nur damit auf – es gibt auch wieder reichlich Romantik und Action, sodass nun mit Hochspannung der Abschlussband erwartet wird, der hoffentlich noch mal richtig auftrumpfen kann.




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