Der Atem der Angst (Alexa Hennig von Lange)

Der Atem der Angst (Alexa Hennig von Lange)

Klappentext:

Von Ferne hörte Louis das Rauschen des Wasserfalls. Der Wald schien ihm mit einem Mal wie ein alles verschlingendes Ungeheuer. Die Kieferzweige breiteten sich wie schweres, schwarzes Gefieder über ihn. Die Baumwurzeln legten sich wie Eisenfesseln um seine Knöchel. Es roch nach aufgeweichter Erde und nach Farn. Und es roch nach Tod.

Louis’ Freundin Michelle ist verschwunden. Und vorher bereits deren kleine Schwester Leonie. Etwas Böses scheint erwacht zu sein in der verschlafenen Kleinstadt, in der Louis lebt, und in den weiten angrenzenden Waldgebieten. Dort begegnet Louis Maya, einem rätselhaften verwilderten Mädchen, das mehr zu wissen scheint über das perfide Spiel, in das Louis geraten ist – und über eine alte, ungesühnte Schuld.

Meisterhaft erzählt, atemlos spannend – ein Psychothriller, den man nicht mehr vergisst!


Rezension:

„Als junger Mensch hast du kein Gefühl für die Zerbrechlichkeit des Lebens. Du überschreitest alle Grenzen. Doch wenn du Pech hast, geht einer von euch drauf. Erst wenn du erwachsen bist, erkennst du, was passiert ist. Das ist der Charakter der Jugend.“
(Seite 117)

Vor sieben Jahren wurde Louis’ kleine Schwester entführt und später tot im Wald aufgefunden. Kurz vor dem Entdecken ihrer Leiche nahm sich sein Vater das Leben, seitdem ist nichts mehr, wie es mal war. Seine Mutter ertränkt ihren Kummer in Unmengen von Bier und sucht Trost in körperliche Nähe zu Männern, die sich nach nur einer Nacht sofort wieder aus dem Staub machen. Sein einziger Halt ist seine Freundin Michelle, mit der er seit fast einem Jahr zusammen ist, auch wenn ihre Eltern mit der Beziehung eher weniger einverstanden sind. Doch als Michelles kleine Schwester beim Training entführt wird und kurz darauf auch Michelle spurlos verschwunden ist, kann Louis nicht untätig rumsitzen und darauf warten, dass sich die Geschichte von damals wiederholt. Denn der Täter wurde vor sieben Jahren nicht gefasst und nun deutet alles darauf hin, dass er wieder zugeschlagen hat. Bei seiner Suche stößt Louis in den umliegenden Wäldern auf Maya – sie scheint etwas über den Täter zu wissen und ist somit Louis einzige Hoffnung, seine Freundin wiederzufinden und dem beängstigenden Spiel endlich ein Ende zu setzen.

Alexa Hennig von Lange ist im belletristischen Bereich schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit Der Atem der Angst legt sie nun ihren ersten Jugend-Thriller vor, und der hat es wirklich in sich. Den Leser erwartet nicht nur ein spannender Plot, sondern auch ausgereifte Charaktere, eine düstere Atmosphäre und die eine oder andere Lektion für das eigene Leben. Die Autorin greift immer aktuelle Themen auf und verdichtet sie zu einer umfassenden Story, ohne dass man sich von der Präsenz belästigt fühlt, obwohl immer wieder Hinweise eingestreut werden. Hier zeigt sich deutlich, dass Alexa Hennig von Lange etwas von ihrem Handwerk versteht und wirklich mit Herzblut an ihren Geschichten arbeitet. Die gleiche Aufmerksamkeit, die sie den kleinen Details zukommen lässt, erfahren auch ihre Charaktere. Für den Leser abwechslungsreich gestaltet wird die Geschichte aus der Sicht von vier verschiedenen Personen erzählt, was die Möglichkeit gibt, unterschiedliche Sichtweisen und Beweggründe kennen zu lernen. Obwohl diese Sprünge zahlreich passieren, fällt es allerdings nicht schwer, dem Storyverlauf ohne Probleme zu folgen – im Gegenteil, die wechselnden Perspektiven scheinen den rasanten Verlauf sogar noch zu fördern. Man lernt dadurch nicht nur die jeweils erzählenden Charaktere sehr viel besser kennen, sondern erfährt auch über andere eine ganze Menge.

Was auch immer Alexa Hennig von Lange dazu bewogen hat, ins Thriller-Genre zu wechseln, man kann ihr dazu nur gratulieren. Der Atem der Angst bringt alles mit, was ein unterhaltsamer und spannender Thriller haben muss, um sich ins Gedächtnis zu brennen. Ihr Sprachstil ist perfekt an die Zielgruppe angepasst, kann aber auch Erwachsene bei Laune halten, ohne dass man sich sprachlich unterfordert fühlt. Spannungsbögen wechseln sich mit ruhigeren Szenen ab und so manches Mal muss mal auch als Leser den Atem anhalten, weil jedes Blinzeln die Gefahr mit sich bringt, etwas zu verpassen. Die Themen, die die Autorin in ihrer Story verarbeitet, sind solche, die jederzeit Aufmerksamkeit verdienen und über die nicht genug gesprochen werden kann. Eine wunderbare Mischung aus all diesen Punkten und ein spannendes Ende, das von einem möglicherweise als überflüssig angesehenen Epilog ein wenig abgemildert wird, machen dieses Thriller-Debüt zu einer ganz klaren Leseempfehlung.


Fazit:

Der Atem der Angst fällt schon durch sein schlichtes Cover sofort ins Auge und kann auch inhaltlich voll überzeugen. Alexa Hennig von Lange wagt sich auf neues Gebiet und meistert diese Herausforderung mit Bravour. Ein Thriller, der durch verschiedene Perspektiven förmlich zum Leben erwacht und nicht nur jugendliche Leser in Atem hält – oder vielmehr selbigen raubt. Auch Erwachsene werden mit diesem Buch ihre wahre Freude haben, und vielleicht sogar noch etwas daraus lernen. Eine klare Leseempfehlung für Thriller-Fans!


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