Kind des Bösen (Steve Mosby)

Kind des Bösen (Steve Mosby)

Klappentext:

„Ich weiß nicht, wer zuerst sterben wird.
Ich weiß aber, dass es bald geschehen wird.“

Detective Inspector Andrew Hicks glaubt, alles über Mord zu wissen. Doch sein neuester Fall macht ihn hilflos. In rascher Folge geschehen brutale Morde, offenbar ohne jeden Zusammenhang. Verzweifelt sucht der Detective nach einem Motiv, wo es keines zu geben scheint. Als wolle er ihn verhöhnen, erhält Hicks plötzlich auch noch Briefe des Mörders, in denen dieser ihm sein Prinzip erläutert: völlige Willkür …


Rezension:

Ich hatte das Navigationsgerät eingeschaltet, dessen pulsierender blauer Pfeil mir bedeutete, dass ich das Ziel fast erreicht hatte, was mir aber wohl ohnehin nicht entgangen wäre. Entweder durch das Band, das die Polizei ein Stück weiter über die Straße gespannt hatte, oder durch das Schreien der Frau, das mir schon von weitem ans Ohr drang.
(Seite 13)

Zwei grausam zugerichtete Leichen an einem Tag. Detective Hicks steht vor einem Rätsel, denn seine bevorzugte Denkweise scheint hier nicht zu fruchten. Hicks verlässt sich normalerweise immer auf die Logik, doch der Fall, der mit diesen beiden Toten erst seinen Anfang nimmt, bringt ihn an seine Grenzen. Denn es ergibt sich kein Muster, obwohl Hicks zu jedem einzelnen Toten seine hieb- und stichfesten Vermutungen hat. Und schließlich wird seine so feste Überzeugung, dass hinter jedem Mord ein logisches Motiv steckt, erschüttert – denn der Täter schickt an ihn adressierte Briefe. Und in diesen verrät er, dass hinter dieser Mordserie überhaupt kein Motiv steckt: Weder die Opferwahl noch die Art der Tötung oder die Fundorte. Alles geschieht aus reiner Willkür und purem Zufall, und gerade das macht diesen Mörder so gefährlich, denn seine Taten sind überhaupt nicht vorhersehbar. Jeden Tag kann ihm an jedem Ort in der Stadt jeder Mensch zum Opfer fallen. Die Recherche und ein weiterer Mord, der am helllichten Tag von zwei Zeugen beobachtet werden konnte, führt Hicks schließlich an einen Ort, den er längst hinter sich gelassen haben will. Und mit einem Mal muss sich der logisch denkende Detective nicht nur mit den aktuellen Morden beschäftigen, sondern auch mit seiner ganz persönlichen Vergangenheit auseinandersetzen – und einem Geheimnis, das er viele Jahre gehütet hat.

Steve Mosby ist auf dem Gebiet des Psychothrillers schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr und alles andere als unbekannt. Mit Kind des Bösen erschien nun bereits sein fünfter ins Deutsche übersetzte Roman und wahrscheinlich kann er auch mit diesem Thriller wieder ein paar Genreliebhaberherzen mehr erobern. Denn Story und Umsetzung können selbst Viellesern durchaus ein paar neue Aspekte liefern. Der Autor hat eine ganz eigene Erzählart, die schon allein zu fesseln weiß. Dazu kommen eine ausgereifte Idee und ein nicht immer sympathischer, dafür aber sehr authentischer Detective mit einigen persönlichen Problemen – ein Komplettpaket also, das gut zu unterhalten versteht. Obwohl manches etwas wirr ist und auch die eine oder andere Vorhersehbarkeit mitgetragen wird, kann der Autor den Leser auf eine ganz eigene Art gefangen nehmen. Besonders interessant ist das Ideenkonzept, das sich dem Leser erst nach einigen hundert Seiten offenbart und das sich vor allem mit der Frage beschäftigt, ob das Böse mit den Genen vererbbar ist. So stürzt der Autor seinen Protagonisten nicht nur in einen extrem schwierigen Fall, sondern lässt ihn auch privat ein riesiges Gedankenchaos erleben. Und tatsächlich kann auch der Leser so manche Überlegung und Angst nachvollziehen.

Sich einer einfachen Sprache bedienend versteht Steve Mosby es, unterschwellig Psychoarbeit zu betreiben. Vor allem die letztendliche Auflösung des Falles überrascht den Leser und man stellt fest, dass hier genau das eigentlich hätte zum Tragen kommen müssen, worauf der ermittelnde Detective so großen Wert legt. Denn logisch betrachtet ist klar, dass alle Vermutungen zwischendurch noch so einleuchtend sein können – trotzdem waren sie unmöglich die richtigen Schlussfolgerungen. In diesem Punkt hat der Autor, obwohl nach dem Lesen nicht unbedingt viel im Kopf hängen bleibt und man sich schon nach weiteren, anderen Büchern umschaut, einen ganz klaren Treffer gelandet. Und auch wenn man das Kind des Bösen recht schnell wieder vergisst, so hat man doch ein paar wirklich unterhaltsame und spannende Lesestunden verbracht, und ganz sicher wird man Steve Mosby noch viele weitere Male zur Hand nehmen, wenn man auf der Suche nach gut durchdachter Unterhaltung ist.

Das Hässliche lässt sich leichter definieren – und die Welt ist voll davon. Manchmal sieht man nichts anderes als das.
(Seite 292)


Fazit:

Eine gut durchdachte Hintergrundidee und sympathische Charaktere mit Ecken und Kanten machen Kind des Bösen zu einem kurzweiligen Spannungsroman, der dem Leser unterhaltsame Stunden bietet. Leider kann Steve Mosby trotzdem nicht genug Tiefe erreichen, um lange im Gedächtnis des Lesers zu bleiben, sodass schon kurz die Geschichte schon kurz nach dem Zuklappen wieder in Vergessenheit gerät. Schnelle Unterhaltung, die Fragen des vererbbaren Bösen aufwirft, aber nichts Bleibendes.



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