Der Nachtwandler (Sebastian Fitzek)

Der Nachtwandler (Sebastian Fitzek)

Klappentext:

Wer bist Du, wenn Du schläfst?

Wegen massiver Schlafstörungen wurde Leon in seiner Jugend psychiatrisch behandelt. Seit langem glaubte er sich geheilt. Doch als eines Nachts seine Frau unter mysteriösen Umständen verschwindet, keimt ein schrecklicher Verdacht in ihm: Ist er, wie damals, im Schlaf gewalttätig geworden?

Um seinem nächtlichen Treiben auf die Spur zu kommen, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn – und entdeckt beim Betrachten des Videos Unfassbares: Sein schlafwandelndes Ich steigt durch eine ihm unbekannte Tiefe seines Zimmers hinab in die Dunkelheit


Rezension:

Seine Alpträume, in denen er unglaublich schreit und aus denen er sich selbst nicht aufwecken kann, sind für Leon nichts Neues. Auch seine Frau hat sich damit abgefunden und bemüht sich jedes Mal, ihn irgendwie aus dem Schlaf und damit auch aus seinem Alptraum zu reißen. Doch in dieser Nacht ist irgendwas ganz schrecklich schief gelaufen, denn als Leon aufwacht, packt seine Frau gerade ihren Koffer und hat ganz schreckliche Angst vor ihm. Ihr blaues Auge zeugt davon, dass sie ganz offensichtlich geschlagen wurde, und da sie die Nacht neben Leon verbrachte, lässt diese Tatsache nur einen Schluss zu: Leons persönlicher Alptraum aus Jugendzeiten ist zurückgekehrt und droht nun, seine Ehe zu zerstören. Er sucht Kontakt zu seinem damaligen Psychiater, der ihn jedoch zu beruhigen versucht und Leon nicht weiterhelfen kann. In seiner Verzweiflung kommt Leon die Idee, sich selbst im Schlaf zu filmen und so herauszufinden, ob seine Ängste berechtigt sind. Doch was die Videoaufzeichnungen tatsächlich ans Licht bringen, ist weitaus schlimmer, als er sich jemals hätte ausmalen können: Ist Leon in seinem tiefsten Inneren ein brutaler Sadist, der sich nur dann zeigt, wenn er schläft?

Knapp ein halbes Jahr nach der großartigen Zusammenarbeit Abgeschnitten mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos haut Sebastian Fitzek mit einer großen Werbeaktion pünktlich zur Leipziger Buchmesse den nächsten schauerlichen Roman rund um menschliche Abgründe raus: Der Nachtwandler gehört zu den Büchern, mit denen man sich erst eine Nacht um die Ohren schlägt und in den folgenden Nächten kaum ein Auge zumacht, weil man viel zu viel Angst davor hat, welche Anwandlungen man selbst evtl. im Schlaf entwickeln könnte. Wieder wird der Leser in einen Strudel menschlicher Abgründe gezogen und kann sich auch nach Ende nur schwer von diesem Sog befreien. Im Hinterkopf bleibt immer die kleine Frage: Was mache ich eigentlich, wenn ich schlafe? Denn so genau weiß das wohl niemand, nicht einmal die forschenden Schlafmediziner. Wie bei all seinen anderen Thrillern hat der Autor auch für Der Nachtwandler wieder hervorragende Recherchearbeit geleistet und baut diese sogar in den letzten Kapiteln ein – auch wenn das etwas ist, was dem einen oder anderen Leser weniger gefällt, weil es mögliche Erklärungen und Auflösungen liefert, wo man lieber keine gehabt hätte. Doch spätestens im Epilog dürften dann auch diese Leser wieder milde gestimmt sein, denn Sebastian Fitzek versteht es auch dieses Mal wieder glänzend, auf der wirklich letzten Seite (abseits der wie immer lesenswerten Danksagung) noch mal mit der Rundumkeule auszuholen und einen Volltreffer zu landen.

Ein ums andere Mal begeistert Sebastian Fitzek die Leser und mit jedem neuen Buch werden neue Leser in seinen Bann gezogen. Wie er das schafft, weiß er wahrscheinlich selbst nicht, aber es sind sich wohl alle einig, dass er gerne und unbedingt noch sehr viele Bücher schreiben darf. Die Frage, ob man irgendwann genug von ihm haben könnte, erscheint selbst unausgesprochen ziemlich lächerlich, denn sämtliche Kritiken sprechen für sich: Dieser Mann ist einfach ein Könner. Und selbst wenn ein Thriller doch mal kleine Schwachstellen ausweisen sollte, blickt man über diese gerne hinweg, weil man einfach gut unterhalten wurde. Auch Der Nachtwandler bietet wieder Nervenkitzel von den Haar- bis in die Zehenspitzen und obwohl das Buch durch seine raffinierte Umschlaggestaltung etwas unhandlich ist, wird es wieder in einem Rutsch durchgelesen – um den Leser anschließend wie auf glühenden Kohlen sitzen und sich fragen zu lassen, wie viel Wartezeit wohl jetzt verstreichen wird. Schließlich muss auch ein Sebastian Fitzek mal was anderes machen als immer nur zu schreiben. Trotzdem an dieser Stelle die dringende Bitte: Nicht zu lange Zeit lassen!


Fazit:

Für viele Thriller-Leser ist der Name Sebastian Fitzek inzwischen fester Bestandteil von Gesprächen über ihr Lieblingsgenre und seine Bücher sind unter Garantie in ihren Bücherregalen zu finden. Mit Der Nachtwandler reiht sich trotz einiger Schwächen ein weiterer Titel in die Reihe seiner Erfolge ein und Herr Fitzek beweist ein weiteres Mal, dass er völlig zu Recht der deutsche Psycho-Thriller-Autor ist. Für Genre-Anhänger ein definitives Lesemuss, für alle anderen eine klare Leseempfehlung!




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