Sannah & Ham (Tom Ellen / Lucy Ivison)

Sannah & Ham (Tom Ellen / Lucy Ivison)

Über das Buch:

Genau einen Sommer lang brauchen Hannah und Sam, um ein echtes Liebespaar zu werden.
Dabei ist bereits die erste Begegnung für beide unvergesslich. Wer verliebt sich schon auf dem Klo? Aber bevor das Schicksal sie endlich zueinander führt, müssen sie peinliche Situationen überstehen und die gutgemeinten, aber hirnrissigen Ratschläge ihrer Freunde umsetzen. Und dann können sie sich – hurra! – vom schrecklichsten aller schrecklichen Albträume verabschieden: womöglich NIEMALS ihre Jungfräulichkeit zu verlieren.

Romantisch, komisch, authentisch – eine herzzerreißende Liebesgeschichte.


Rezension:

Als ich aus der Toilette kam, stand ein Typ dort, der mich komisch anschaute. Wahrscheinlich hielt er mich für eine arme Irre, die sich selbst Mut zusprach. O Gott, womöglich hatte der Typ durchs Schlüsselloch geguckt. Oder er dachte, dass mir schlecht war und ich die ganze Zeit wie eine Blöde geredet hatte, um nicht kotzen zu müssen. Der Gedanke versetzte mich in Panik. „Ich hab nicht gekotzt!“, stieß ich hervor.
(Klappentext)

Hannah ist gerade achtzehn geworden, hat ihre letzten Prüfungen hinter und einen aufregenden Sommer vor sich, große Pläne für die Zukunft und ist noch Jungfrau. Doch natürlich gibt es einen Plan, den letzten Punkt vor dem College auf jeden Fall noch zu ändern. Deshalb blickt sie mit Aufregung der Hausparty bei ihrer besten Freundin Stella entgegen, denn an diesem Abend wird sie ihre Jungfräulichkeit Freddie schenken, mit dem sie schon länger immer mal wieder was am Laufen hat. Bevor der große Moment allerdings kommt, verschließt sie sich für ein paar ruhige Augenblicke im Bad, um ungestört zu sein. Das klappt leider nicht so ganz, denn als Hannah das Badezimmer wieder verlässt, steht Sam vor ihr, den sie bislang noch nie in der Schule oder in der Stadt gesehen hat. Die beiden kommen irgendwie ganz locker ins Gespräch und verbringen zehn intensive, völlig jugendfreie Minuten miteinander, verlieren sich danach aber wieder aus den Augen. Obwohl beide irgendwie ein gewisses Interesse aneinander spüren und das Knistern zwischen ihnen nicht abstreiten können, gehen sie getrennte Wege, ohne dass ihre Gedanken voneinander lassen können. Während der Sommerferien laufen sie sich zufällig öfter über den Weg und es gibt einige Schwierigkeiten und Missverständnisse zu überwinden, bevor sie endlich zueinander finden.

Die erste Liebe, der erste richtige Blick in Richtung Zukunft, der erste Sex – in Sannah & Ham dreht sich alles um das große erste Mal. Für viele Jugendliche ist die Zeit, die das Autorenduo in seinem Roman beschreibt, die wichtigste auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Ein wichtiges Thema also, das mit Sicherheit viel Stoff für Geschichten und Unterhaltung liefern kann. Tom Ellen und Lucy Ivison haben sich für ihr Gemeinschaftsprojekt viele kleine Anhaltspunkte herausgesucht, aber grundsätzlich wird vor allem eins sehr deutlich: Welche Rolle von Sex in diesem Alter tatsächlich spielt. Wenn es nach den beiden geht, nämlich eine wirklich große – sehr überspitzt und oftmals übertrieben wird dargestellt, was so in den Köpfen von Achtzehnjährigen los ist, die gerade die letzten wichtigen Prüfungen hinter sich haben, auf ihre Abschlussnoten und die davon abhängigen Collegezulassungen warten, für die aber trotzdem irgendwie nur ein Thema wirklich vorherrschend ist. Nämlich die noch immer anhaltende Jungfräulichkeit und wie man sie am schnellsten und am besten vor dem Wechsel aufs College loswerden kann. Es ist erschreckend und vor allem aus Sicht erwachsener Leser auch ziemlich unglaubwürdig, dass sich so viele Gedanken tatsächlich nur um das Eine drehen sollen. Denn obwohl hier eine authentische, humorreiche und romantische Liebesgeschichte im Klappentext angekündigt wird, ist es eigentlich eher peinlich, wie sich die Protagonisten geben und in welche Rollen sie sich selbst drängen. Für die vorgesehene Zielgruppe von 14- bis 17-Jährigen werden in Sannah & Ham eindeutig zu viel Alkohol und Drogen konsumiert, es werden ständig Partys gefeiert und für ihr Alter – nämlich siebzehn bis neunzehn – verhalten sich die Charaktere durch die Bank weg sehr unreif. Das größte Ekel ist wahrscheinlich Stella, Hannahs eigentlich beste Freundin, die sich jedoch wie eine Diva aufführt und ein ziemliches Miststück ist, sodass man sich als Leser öfter fragen muss, warum die Mädchenclique eigentlich immer um Stella schwirrt statt ihre eigenen Wege zu gehen.

Zum Glück können die Hauptfiguren Hannah und Sam das Ganze ein wenig ausgleichen, auch wenn sie sich ebenfalls nur selten ihrem Alter entsprechend verhalten. Doch es gibt auch ruhige Momente und tiefgründige Augenblicke, in denen man zumindest ein Stück weit die angekündigte Romantik zu sehen bekommt. In diesen Szenen möchte man als Leser gerne länger verweilen, denn hier erkennt man eindeutig die Besonderheit der Verbindung zwischen den beiden, was das Autorenduo aber leider unmöglich macht, weil sich wieder viel zu schnell alles um Sex, Drugs und Rock’n’Roll drehen muss. Das ist schade, denn auf diese Weise bleibt Sannah & Ham nur ein durchschnittlicher, oberflächlicher Roman, der ein verzerrtes Ansehen von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen zeichnet und den angedachten jungen Lesern ein ziemlich falsches Weltbild von dieser für Heranwachsende so wichtigen Zeit vermittelt. Sicherlich gibt es hier und da auch ein paar amüsante Stellen, die jedoch in den meisten Fällen sehr gekünstelt und zu bemüht wirken, auch wenn sie durchaus gut platziert sind und zum Lachen bringen können. Im Endeffekt sollte man an diesen Lesestoff eher mit Bedacht herangehen, gerade wenn es sich um ein Geschenk für jemanden im Alter der geplanten Zielgruppe handelt. Denn obwohl die Story durchaus authentisch ist, ist die Umsetzung doch mit Vorsicht zu genießen.

Ich dachte immer noch an ihn, als ich einschlief. Es ist so toll, wenn man jemanden hat, an den man denken kann.
(Seite 81)


Fazit:

Sannah & Ham ist eine zuckersüße Jugendkomödie, die allerdings mit Bedacht angeschaut werden muss – denn nahezu alles dreht sich eigentlich nur um Sex, genau genommen um das erste Mal, Drogen- und Alkoholkonsum und Partys. Trotz einiger tiefgründiger Momente und jeder Menge, wenn auch teilweise aufgesetzt wirkendem Humor bleibt die Geschichte von Tom Ellen und Lucy Ivison weitestgehend oberflächlich und einseitig, sodass der Leser sich zwar gut unterhalten fühlt, sich aber auch die Frage stellt, ob es für die angedachte Zielgruppe wirklich die richtige Lektüre ist. Ein Sommerroman, den man gerne mal zwischendurch einschieben kann, der insgesamt aber leider nicht besonders viel Bestand hat.


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2 Kommentare
  1. Deine Rezension ist wie immer toll geschrieben. Man weiß immer auf was man sich bei dem buch einlassen würde.
    So wie du es beschrieben hast, wäre das Buch nichts für mich. Danke dir dafür, denn ansonsten war ich doch am überlegen es zu lesen. Wenn es sich hauptsächlich um Sex und Partys dreht, kann ich damit doch nichts anfangen.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

  2. Sarah sagt:

    Habe mir das Buch mal gemerkt, denn ich finde, es eigentlich sehr interessant.
    Tolle Rezension und sehr gut beschrieben !

    Liebst, Sarah

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