Selbstauslöser (Michael Lister)

Selbstauslöser (Michael Lister)

Über das Buch:

Nach seiner Rückkehr ins ländliche Florida erwacht in Remington James eine alte Leidenschaft: die Fotografie. Als er eines Nachmittags in die Wildnis aufbricht, um die Schnappschüsse seiner im Wald installierten Kamerafalle zu kontrollieren, ahnt er nicht, dass die schrecklichste Nacht seines Lebens auf ihn wartet. Schockiert stellt er fest, dass der selbstauslösende Apparat einen bestialischen Mord aufgenommen hat. Und bevor er einen klaren Gedanken fassen kann, steht der Mörder vor ihm. Es beginnt eine atemlose Hetzjagd, während der Remington nicht nur ums Überleben kämpft, sondern sein bisheriges Leben wie einen Film an sich vorbeiziehen sieht. Nur wenn er bis zum Morgengrauen durchhält, gibt es Hoffnung auf Rettung.


Rezension:

Als Remington James nach dem Tod seines Vaters zurück in die alte Heimat geht, um dort das Familiengeschäft weiterzuführen und seine kranke Mutter zu pflegen, entdeckt er seine Liebe zum Fotografieren wieder. Auf dem Land, das seiner Familie seit vielen Generationen gehört, und in den Wäldern, durch die er als Kind oft mit seinem Vater gestreift ist, gibt es viel zu entdecken und so einiges mit der Kamera einzufangen, was zusätzliches Geld in die Familienkasse bringen könnte. Doch Remington geht es nicht um das Geld, sondern vor allem um den Zauber der Natur, die in diesen Wäldern zu finden ist und die durch die Regierung und gierige Hinzugezogene immer mehr zerstört wird. Von seiner Mutter schon immer zum Fotografieren animiert, findet Remington erst mit dem zeitweiligen Verlassen der Großstadt und seiner Frau, mit der es ohnehin kriselt, zurück in die Faszination der Lichtbilder und stellt schließlich fest, dass all seine Unzufriedenheit der letzten Jahre auch damit zu tun hatte, dass er diese Leidenschaft nicht in dem Maß ausgelebt hat, in dem er es hätte tun können.

Bei einem Kontrollgang durch inzwischen seine Länder, bei dem er die zum Zweck von besonderen und seltenen Tieraufnahmen im Wald versteckten Kameras überprüfen und austauschen möchte, erlebt er nicht nur faszinierende Begegnungen mit eher scheuen, aber auch gefährlichen Wildtieren, sondern wird in der Nähe einer Wasserstelle auch bis auf die Grundfesten seiner Selbst erschüttert und schockiert. Denn die dort installierte Kamera hat einen brutalen Mord aufgezeichnet, und als wären die Bilder nicht schrecklich genug, überrascht ihn auch noch der Mörder selbst. Für Remington ist klar, dass er die Bilder und auch sich selbst in Sicherheit bringen muss. Doch sowohl Quad als auch Auto stehen kilometerweit entfernt, außerdem fordert sein unfreiwilliger Widersacher per Funk Verstärkung an. Nur zählt nur noch eins: Die Nacht überstehen, am Leben bleiben und den Mörder durch Meldung bei der Polizei zur Rechenschaft ziehen.

Während der zu erwartenden Hetzjagd taucht der Protagonist mehrfach in seine Vergangenheit ab und nimmt den Leser mit auf eine andere Reise des Kennenlernens. Besonders hervorstechend sind dabei die Rückblenden zu Erlebnissen und Gesprächen mit dem Vater, dem er sich in den Wäldern sehr nahe fühlt, denn dieses Land hat seinem Vater alles bedeutet. Die Mutter, die noch am Leben, aber sehr krank ist, taucht weniger häufig in den Erinnerungssequenzen auf, doch wenn, dann immer in Bezug auf das Fotografieren, denn die Leidenschaft dafür ist etwas, das sie mit ihrem Sohn teilt. Und auch Remingtons Frau ist ein wichtiger Bestandteil dessen, was ihn durch diese schlimme und scheinbar nie enden wollende Nacht trägt.

Und genau diese Rückblenden sind das, was Selbstauslöser hauptsächlich ausmacht. Man erhält Einblicke in das vergangene Leben des Protagonisten, wobei nicht viel Zusammenhang zwischen den einzelnen Momenten besteht. Vielmehr scheint es eine Aneinanderreihung zu sein, die lediglich durch Einschnitte der Gegenwart unterbrochen werden. Diese haben es dafür dann ziemlich in sich, denn obwohl man bis auf wenige Dialoge via Funkgerät nur die Gedanken des Protagonisten und Umgebungsbeschreibungen zu lesen bekommt, wird doch eine gewisse Spannung aufgebaut. Man fiebert und zweifelt und hofft gemeinsam mit Remington und wartet auf das erste Licht des neuen Tages, mit dem alles ein wenig einfacher zu werden scheint. Wirklich gruseln kann man sich während des Lesens jedoch nicht unbedingt, obwohl Michael Lister es gut versteht, eine düstere Atmosphäre zu schaffen.

Auffällig ist vor allem der gewöhnungsbedürftige Sprachstil des Autors, der sehr oft mit einzelnen Worten oder kleinen Wortgruppen arbeitet. Während des Weglaufens ist dies eine sehr geschickte Art, die Kurzatmigkeit und Hektik des Protagonisten zu verdeutlichen, über die gesamte Länge des Buches wird das Lesen dadurch jedoch relativ anstrengend und macht den Leser eher mürbe. Hervorzuheben sind außerdem die wunderbaren Bilder, die Lister zu zeichnen vermag, und die Hintergrundinformationen, mit denen er dem Leser die Landschaft des wahrscheinlich eher unbekannten Teils Floridas näher bringt.

Michael Lister versteht etwas vom Schreiben, ausschließlich zur Unterhaltung ist dieser Roman jedoch nicht gemacht. Nicht einmal vierundzwanzig Stunden eines erwachsenen Mannes, der auf seinem eigenen Land verfolgt wird und ermordet werden soll – mit nicht immer geschickt platzierten Spannungsbögen hält Michael Lister den Leser bei Laune, mit detailreichen und ausschweifenden Landschaftsinformationen zieht er ihn fast in die Welt des Geschehens. Und doch bleibt die satte Zufriedenheit nach dem Lesen aus, ohne dass wirklich festgelegt werden kann, was letztendlich tatsächlich gefehlt hat, um vollends zu überzeugen. Einen tatsächlichen Thriller, der spannungsgeladen und mit jeder Menge Nervenkitzel auffährt, bekommt man jedenfalls nicht geliefert – trotzdem bleibt irgendetwas doch hängen und hallt eine kleine Weile nach.


Fazit:

Ein gewöhnungsbedürftiger Schreibstil, abwechselnd rasante und zähflüssige Passagen, sprachliche Bilder und eine nachtdichte Atmosphäre machen Selbstauslöser zu einem Roman, der das Leserlager gespalten zurück lässt. Trotz aller positiver Aspekte schafft Michael Lister es nicht, den Leser bis in die letzte Faser zu überzeugen.


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