Wär mein Leben ein Film, würde ich eine andere Rolle verlangen (Cornelia Franke)

Wär mein Leben ein Film, würde ich eine andere Rolle verlangen (Cornelia Franke)

Klappentext:

Jess‘ große Leidenschaft sind Filme und seit dem Tod ihrer Mutter ist das Kino ihr zweites Zuhause. So scheint es ein Leichtes, für ein Schulprojekt einen Blog über ihr Lieblingsthema ins Leben zu rufen. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Und dann ist da auch noch Marvin, der plötzlich mehr von ihr will, als nur der hilfsbereite Freund zu sein. Langsam merkt Jess, dass sich das Leben durchaus nicht immer wie im Film abspielt …


Rezension:

Nachdem Jess vor einigen Jahren ihre Mutter verloren hat, verbringt sie nahezu jede freie Minute im Kino oder zumindest mit Filmen. Dadurch fühlt sie sich irgendwie noch immer mit ihrer Mutter verbunden. Ihr Vater ist davon nicht besonders begeistert, wobei er aus den Gründen ein ziemliches Geheimnis macht, und versucht mehr oder weniger erfolglos, das ganze Filmzeug von seiner Tochter fernzuhalten. Oder es wenigstens einzudämmen. Dass ihm dabei ausgerechnet ein Schulprojekt weitere Steine in den Weg legt, damit hat wohl niemand gerechnet – denn jetzt hat Jess die begründete Möglichkeit, einen eigenen Blog zu starten und dort über Filme zu schreiben, Kritiken zu verfassen und sich einfach noch mehr in ihre Filmwelt fallen zu lassen. Dabei kommt es natürlich auch zu ausgiebigen Diskussionen in ihrer Clique, und vor allem Marvin, ihr bester Freund, legt plötzlich Seiten an den Tag, die Jess völlig überraschen und überfordern. Anscheinend läuft das Leben nicht nach Drehbuch, sondern nach ganz eigenen Regeln …

Ein Blick aufs Cover verspricht dem Leser ein Buch mit Filmbezug und zuckersüßer Thematik. Durch das viele Rosa und die Popcorn-Applikationen freut man sich auf eine kinoreife Geschichte, die auch eine gehörige Dosis Liebe enthält. Leider kann Wär mein Leben ein Film, würde ich eine andere Rolle verlangen dieses Versprechen nur bedingt einhalten, denn obwohl sowohl Filme als auch die Liebe eine Rolle in der Story spielen, will nichts wirklich beim Leser hängen bleiben. Dafür werden noch ein paar weitere Themen wie das Bloggen, Freundschaft, Verlust und Geheimnisse angerissen, finden aber genauso wie die beiden Hauptthemen kaum genug Substanz. Cornelia Frankes Debüt zeigt verschiedene interessante Ansatzpunkte auf, doch es scheint, als hätte die Autorin selbst nicht so recht gewusst, in welche Richtung ihr Buch gehen soll. Einzig die Liebe zum Film kristallisiert sich sehr deutlich heraus, denn der Leser kann sich vor unterschwelligen und offensichtlichen Anspielungen kaum retten. Zeitweilig ist dies ziemlich anstrengend, weil man nicht immer wirklich folgen kann – gerade als jemand, der zwar gerne mal einen Film schaut, aber nicht so sehr in diesem Thema zu Hause ist.

Ein wenig Auflockerung in das ganze Film-Wirrwarr bringen zum Glück die Charaktere, zumindest vereinzelt. Zwar bleiben auch sie größtenteils ohne Substanz und recht oberflächlich, können den Leser aber von Zeit zu Zeit durch schlagfertige Diskussionen und Wortwechsel durchaus auch mal zum Schmunzeln bringen. Dass die Liebesgeschichte zwischen Jess und Marvin im Buch eine zentrale Rolle spielen soll, kommt leider auch nur bedingt rüber. Vielmehr wirkt es so, als würde Cornelia Franke zwischen den vielen Filmanspielungen einfach noch eine andere Thematik unterbringen wollen, ebenso wie den Verlust der Mutter und das dunkle Geheimnis, das ihr Vater mit sich herumträgt. Das Finale in Sachen Liebe wirkt gehetzt und überstürzt, das Lüften des Geheimnisses ist an sich geschickt gelöst – insgesamt hätten die einzelnen Komponenten aber alle weitaus mehr Spiel- und Entfaltungsfreiraum verdient.

Im Großen und Ganzen kann man Wär mein Leben ein Film, würde ich eine andere Rolle verlangen wohl als lockere Lektüre für die entsprechende Zielgruppe von 12 bis 14 Jahren ansehen. Die angerissenen Themen sind durchaus wichtig, kommen aber nicht so richtig zum Tragen. Einfache Sprache und ein flüssiger Schreibstil machen das Lesen angenehm, durch die fehlende Substanz der Geschichte allerdings auch etwas zäh und langweilig. Liebe Cornelia, beim nächsten Buch – und das wird es ganz sicher geben – bitte nicht so viele Themen mixen, sondern lieber auf zwei oder drei konzentrieren und diese dann richtig ausarbeiten und sich entfalten lassen.


Fazit:

Mit Wär mein Leben ein Film, würde ich eine andere Rolle verlangen legt Cornelia Franke ein leider eher durchschnittliches Debüt vor, in dem viele Themen angerissen, aber nicht vertieft werden. Der einzige erkennbare rote Faden ist tatsächlich die Liebe zum Film, wobei sich mancher Leser damit durchaus überlastet fühlen könnte. Ein bisschen Kummer, ein bisschen Liebe, ein bisschen Bloggen, ein bisschen Freundschaft und jede Menge Filmanspielungen – für Filmliebhaber, jüngere Jugendliche und als lockere Unterhaltung für zwischendurch.



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