You don’t look gay (Julius Thesing)

You don’t look gay (Julius Thesing)

Klappentext:

Du siehst gar nicht schwul aus.
Mit Schwuchtel meine ich ja nicht dich.
Wer von beiden ist denn die Frau?

Na, wiedererkannt?
Homophobie versteckt sich im Alltag oft hinter unbedachten Phrasen und ist im Grunde nie so gemeint. Wie fühlt es sich aber an, solche Sätze immer wieder hören zu müssen? Und wird sich das noch ändern?

Eine illustrierte und sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Weg zum Coming-Out, mit Geschichten aus dem Sex-Shop, solchen von Wut und Enttäuschung, Mut und Zuversicht, doch vor allem eine Auseinandersetzung mit der alltäglichen Homophobie.

Ein Buch, das gleichzeitig nachdenklich und manchmal sogar wütend macht und Anlässe zum Schmunzeln gibt; das informiert, die Augen öffnet und helfen kann.


Rezension:

Obwohl die Welt mit jedem Tag ein wenig aufgeklärter ist, gibt es noch viel zu tun. Viel zu oft werden im Alltag Aussagen getroffen, die unbedacht sind und unbeabsichtigt Menschen verletzt. Manchmal steckt aber auch Kalkül dahinter und Personen, die nicht in das allgemein anerkannte Gesellschaftsbild passen, ganz bewusst beschimpft und körperlich angegriffen. In You don’t look gay befasst sich Julius Thesing mit genau diesem Thema und berichtet über seine eigenen Erfahrungen. Die Texte sind sehr persönlich gehalten und haben einen emotionalen Touch, ohne dabei weinerlich zu sein. Auch Anschuldigungen und Vorwürfe sucht man hier vergeblich, denn trotz der teilweise sehr privaten Details schafft der Autor es, auf einer sachlichen Ebene zu bleiben. Interessant sind auch die Statistiken und einige historische Zusammenhänge, die zeigen, in welchem Umfang die Diskriminierung homosexueller Menschen tatsächlich passiert.

Ursprünglich als Bachelorarbeit konzipiert, hat You don’t look gay inzwischen einen wichtigen Platz in der Aufklärungsliteratur eingenommen. Die autobiographischen Erzählungen werden von starken Illustrationen unterstrichen, die teilweise an bekannten Gemälden angelehnt sind und teilweise tiefe Einblicke in private Momente geben. Auf diese Weise bekommt der Leser einen Eindruck, was auch unbedachte Sprüche auslösen können. Julius Thesing hatte das Glück, in einem stabilen Elternhaus aufzuwachsen und mit seinem Outing keine allzu großen Wellen zu schlagen, doch sein Buch zeigt, dass die Unsicherheiten trotzdem viel ausmachen. Dass andere Homosexuelle noch schlimmere Erfahrungen machen, wird hier zwar nur angerissen, lädt den Leser jedoch zum weiteren Nachdenken ein und ebnet ein Stück weit den Weg für offenere Augen.

Durch die farbige Gestaltung und die optische Aufmachung hat You don’t look gay eine enorme Signalwirkung, die einfach gehaltene Sprache lässt auch jugendliche Leser verstehen und die klaren Aussagen bringen einige wichtige Punkte aufs Tablett – so wird zum Beispiel auch die Diskriminierung innerhalb der diskriminierten Gruppe thematisiert. Persönlich und faktenreich ist dieses Buch eine Empfehlung für jeden – ob jung oder alt, ob bereits aufgeklärt oder noch völlig unbedarft, ob in irgendeiner Form betroffen oder komplett außerhalb der Filterblase. Hier kann jeder noch etwas lernen – und wenn eins in dieser Welt wichtig ist, dann ist es die Arbeit an der eigenen Wahrnehmung und dem eigenen Auftreten.


Fazit:

You don’t look gay ist eine Art Sammelsurium der klassischen Sprüche, die sich homosexuelle Menschen anhören müssen. Julius Thesing greift das Thema Alltagshomophie auf und erzählt in kurzen, knackigen Texten von seinen persönlichen Erfahrungen. Untermalt von eindrucksvollen Illustrationen ist dieses Buch ein wichtiger Bestandteil für die Aufklärung gegen die Diskriminierung von Menschen, die nicht in das allgemein akzeptierte Gesellschaftsbild passen.


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