Schlaflos durch die Nacht – oder wie man gemeinsam einen Thriller liest …

Als jemand, der regelmäßig auf Bahn- oder Busfahrten seine Nase in ein Buch steckt, laufe ich ständig Gefahr, meine Haltestelle zu verpassen. In letzter Zeit passiert das ziemlich selten, da ich meist unterwegs schnell noch eMails lese oder ohnehin nicht mehr aufnahmefähig genug bin, um das Gelesene tatsächlich im Kopf zu behalten. Doch gerade vor ein paar Tagen haben es die beiden deutschen Thriller-Talente Ursula Poznanski und Arno Strobel gleich zweimal geschafft – auf dem Nachhauseweg nach einem langen Arbeitstag war ich derart in ihr Gemeinschaftsprojekt „Fremd“ vertieft, dass ich nicht nur meine Um-, sondern (viel) später (als geplant) auch die endgültige Ausstiegshaltestelle verpasst habe. Schlichtweg auch die Ansage ausgeblendet habe, weil ich so sehr von der Geschichte gefesselt war.

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Und als ich dann schließlich doch irgendwann nach Hause kam und die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fiel, wartete schon eine Facebook-Nachricht auf mich – die liebe Stef von den Schlunzen Büchern hat meine entsprechende Statusmeldung gelesen und brauchte dringend jemanden zum Austauschen. Vielleicht kennt ihr das, wenn ihr gerade ein Buch lest und unbedingt darüber reden müsst, aber einfach niemand in greifbarer Nähe ist und ihr kurz vorm Verzweifeln steht. Ich jedenfalls konnte das in dem Moment sehr gut nachvollziehen, und da meine reguläre Arbeitszeit immer erst nachmittags beginnt und auch die schlimme Erkältung wieder so weit unter Kontrolle war, dass ich nicht mehr den Drang hatte, den ganzen Tag zu schlafen, haben wir kurzerhand „zusammen“ weitergelesen – und uns zwischendurch immer mal wieder kurze Nachrichten geschickt.

Mit freundlicher Genehmigung von Stef möchte ich euch an diesem Dialog teilhaben lassen, denn auch jetzt im Nachhinein könnte ich mich an einigen Stellen immer wieder scheckig lachen. Aber Achtung, mancher Satz kann eventuell als Spoiler verstanden werden. Weiterlesen also auf eigene Gefahr ;)

Ich will das Gespräch trotz Spoilergefahr lesen!
Stef, 00:02 Uhr: Wo bist du dran bei fremd?

Jess, 00:07 Uhr: Starte gleich Kapitel 29.

Stef, 00:07 Uhr: Sehr gut. Hab Grade 30 angefangen. Hast du eine Tendenz wer wie wo was wann? Ich muss dringend drüber reden und keiner liest es mit mir

Jess, 00:11 Uhr: Hm, ich weiß noch nicht so recht. Habe aber irgendwie den Chef, die Ex und Joannas Vater im Verdacht grad. So ein Bauchgefühl.

Stef, 00:11 Uhr: Ha! Genau die hab ich auch im Gefühl. Aber ich hatte von Anfang an den Vater im Verdacht und ich glaube auf den hab ich mich eingeschossen

Jess, 00:12 Uhr: Wenn es nachher wer ganz anders ist, haben Arno und Ursula alles richtig gemacht xD

Stef, 00:12 Uhr: Ja

Jess, 00:12 Uhr: Vielleicht hängt Ela da auch irgendwie mit drin. Eifersucht und so. Mal sehen.

Stef, 00:13 Uhr: Die hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm, aber wäre möglich

Jess, 00:30 Uhr: Seite 238 – eine erste, klare Spur *weiterlesen*

Stef, 00:31 Uhr: Wahhh Mist ich muss weiter lesen, bin Grade mit was anderem beschäftigt

Jess, 00:35 Uhr: Alter. Ich mach das Internet jetzt aus, sonst spoiler ich Dich noch ^^ lies so schnell wie möglich weiter – wir tauschen uns morgen wieder aus, ja? ;)

Stef, 00:36 Uhr: Ja, hau rein. Bin Seite 230, lese gleich weiter. Wir müssen unbedingt schreiben morgen. Hab redebedarf bei dem Buch

Jess, 00:36 Uhr: Deal xD

Stef, 00:47 Uhr: Noch online? Ach nein vergiss es

Jess, 01:22 Uhr: Bin noch wach und fürchte, ich muss das Buch noch fertig lesen. Komme kaum zum Luftholen xD

Stef, 01:22 Uhr: Willkommen im club. Ich fürchte meine Nacht ist auch noch nicht so schnell zu Ende

Jess, 01:23 Uhr: Sind ja nur noch 90 Seiten. Um drei bin ich durch ^^

Stef, 01:24 Uhr: Meine Theorie ist ja dass der Vater dem Chef ziemlich viel Geld geboten hat um den Erik um die ecke zu bringen damit Jo halt doch mit dem reichen Typ da anbendelt. Ich hab noch 130 eBook Seiten

Jess, 01:34 Uhr: Seite 312 und 313. Huiuiui *rote Ohren* Starte jetzt Kapitel 42.

Stef, 01:35 Uhr: WaaH. Bin bei 32

Jess, 01:36 Uhr: Oh. Dann sag ich jetzt nix mehr.

Stef, 01:36 Uhr: :D

Jess, 01:36 Uhr: ;)

Stef, 01:36 Uhr: Ich werde verrückt. Ich kann nicht so schnell lesen wie ich will

Jess, 01:37 Uhr: Warum nicht? Also abgesehen von der Facebook-Ablenkung? ^^

Stef, 01:38 Uhr: Na weils einfach nicht schneller geht :D

Jess, 01:51 Uhr: Verstehe ^^

Stef, 02:10 Uhr: Ich bin ein schisser, ich verfalle gleich in angst starre

Jess, 02:16 Uhr: Herrgottimhimmel. Ich hab noch knapp 20 Seiten und hier überschlägt sich grad alles.

Stef, 02:17 Uhr. Sag doch so was nicht, ich hatte die Hoffnung doch gleich schlafen zu können und morgen zu ende zu lesen

Jess, 02:33 Uhr: Holy … Ich sag jetzt gar nix mehr, sondern gehe schlafen xD

Stef, 02:34 Uhr: Nein nein nein! Du musst mir beistehen

Jess, 02:34 Uhr: Bin gespannt, was mich morgen früh hier erwartet ^^

Stef, 02:34 Uhr: Ich bin Grade am Flughafen. Am „wir nehmen Erik nicht mit“- teil

Jess, 02:35 Uhr: Ach, dann hast Du ja noch ein bisschen vor Dir.

Stef, 02:35 Uhr: Na toll

Jess, 02:35 Uhr: Mach nach dem Kapitel Schluss für heute.

Stef, 02:35 Uhr: Haha warum

Jess, 02:36 Uhr: Danach wird es erstmal wieder ruhiger, der perfekte Einstieg für morgen. Versprochen.

Stef, 02:36 Uhr: Okay. Gute Idee. Mal sehen ob ichs schaffe

Jess, 02:36 Uhr: Wenn Du das nächste oder die nächsten beiden Kapitel noch liest, hörst Du nicht mehr auf.

Stef, 02:36 Uhr: Das fürchte ich jetzt schon

Jess, 02:38 Uhr: Ich kann aber nicht mehr wach bleiben. Ist eh schon wieder viel zu spät für mich xD

Stef, 02:38 Uhr: Okay Schlaf gut. Ich berichte morgen

Jess, 02:38 Uhr: bin gespannt ;) Gute Nacht Dir später auch.

Stef, 02:39 Uhr: WAS schon zwanzig vor drei. Okay, mache nun doch Schluss, ist Grade ruhig

Natürlich haben wir uns am nächsten Tag, nachdem wir dann beide das Buch beendet hatten, weiter ausgetauscht. Da ging es dann allerdings tatsächlich in die inhaltliche Tiefe und direkt um die Auflösung. Daher muss ich euch diesen Teil des Gesprächs vorenthalten, schließlich möchte ich nicht daran Schuld sein, wenn ihr trotz aller Warnungen weiterlest und dann vielleicht die Lust am Buch verliert – denn es zu lesen lohnt sich wirklich!

Im Nachhall dieser gemeinsamen spontanen Lesenacht sind nun einige Ideen entstanden, die in meinem Kopf rumoren und ihre volle Wirkung erst in den nächsten Tagen entfalten werden. Ich kann euch an dieser Stelle allerdings schon versprechen, dass es bald – sehr bald! – etwas Neues auf den Schattenwegen zu finden geben wird. Und vielleicht nicht nur hier, sondern auch anderswo ;)

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 3 aus der Serie: schlaflos durch die nacht | Zeige alle Teile

Teil 1: Schlaflos durch die Nacht – oder wie man gemeinsam einen Thriller liest …

Teil 2: Schlaflos durch die Nacht #1 – „Das Joshua-Profil“

Teil 3: Schlaflos durch die Nacht #2 – „Zerschunden“


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