Die Verratenen (Ursula Poznanski)

Die Verratenen (Ursula Poznanski)

Über das Buch:

Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich – Rias Leben könnte nicht besser sein. Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.


Rezension:

Wenn wir uns nicht beizeiten wehren, werden sie eines Tages einen Weg in die Sphären finden und uns im Schlaf die Kehlen durchschneiden. Manchmal bedeutet sich wehren auch, zuerst zuzuschlagen. Solange noch Zeit ist.
(Seite 17)

Für Ria könnte es nicht besser laufen: Sie gehört zur Elite unter den Studenten, steht kurz vor ihrem Abschluss und ist außerdem wahnsinnig verliebt. Alles in perfektem Rahmen, denn innerhalb der Sphären – durch Kuppeln vor der bitterkalten Außenwelt geschützte Lebensräume – wird großen Wert auf Ideale gelegt. So werden perfekte Kinder mit perfekten Voraussetzungen „in vitro“ gezeugt und dann in ihren mit Bedacht ausgewählten Fähigkeiten ausgebildet, um später hohe Positionen in der Regierung auszufüllen. Für Ria ist es daher fast schon vorherbestimmt, ihre enorme rhetorische und wortgewandte Begabung nach Ende ihrer Ausbildung an der Seite von Aureljo einzusetzen – der nicht nur ihr fester Freund und ihr Rückhalt ist, sondern als Nummer-1-Student aller Voraussicht nach einen wichtigen Regierungsposten übernehmen wird. Doch ihre heile Welt zerbricht mit einem Schlag, als sie ungewollt ein geheimes Gespräch belauscht, in dem es um eine Verschwörung geht, an der auch einige Studenten aus ihrer Sphäre beteiligt sein sollen. Aus diesem Grund sollen diese Studenten auf schnellstem und möglichst unauffälligem Wege eliminiert werden – was deshalb so erschreckend ist, weil unter anderem auch Ria und Aureljo auf der Liste der Verschwörer stehen …

Als erfolgreiche Jugend-Thriller-Autorin wagt sich Ursula Poznanski mit Die Verratenen auf für sie neues Terrain – die Dystopie. Nicht nur sie selbst blickte der Veröffentlichung des Trilogie-Auftaktes etwas ängstlich entgegen, auch begeisterte Leser waren bei Bekanntgabe des Genres vom neuen Buch wahrscheinlich recht skeptisch und stellten sich zudem die Frage, ob die Autorin es wirklich nötig hat, auf den aktuellen Erfolgszug dieses Genres aufzuspringen. Doch die Sorge war von beiden Seiten unbegründet, denn Ursula Poznanski schafft es auch in einer Dystopie, ihre tollen Thriller-Elemente einzubauen, und schreibt sich mit einer sehr gut durchdachten, in sich schlüssigen Geschichtenidee erneut in die Herzen ihrer Leser – die durch den Genrewechsel mit Sicherheit großen Zuwachs erfahren (haben) dürften. Obwohl es sich auch hier um eine klassische Dystopie handelt, kann die Autorin sich ganz deutlich von der Masse abheben. Nicht nur optisch macht das Buch einen untypischen Eindruck, auch der Inhalt unterscheidet sich durch kleine Details von bereits viel zu oft gelesenen und immer gleichen Geschichten. Gerade die Erfahrungen als Thriller-Autorin kommen Ursula Poznanski hier extrem zugute, denn ohne die, teilweise nur unterbewusst bemerkbaren, spannungsgeladenen Szenen würde die Story nicht wirklich viel hermachen und genauso untergehen wie viele Genrekollegen.

Einen enormen Pluspunkt schafft Ursula Poznanski vor allem durch die Gestaltung ihrer Charaktere. Ria ist zwar deutliche Protagonistin, drängt sich jedoch zu keiner Zeit dem Leser auf. Durch die ihr bestimmte Aufgabe ist sie in erster Linie immer im Hintergrund und beobachtet von dort aus die Menschen, die sich um sie herum bewegen, analysiert deren Verhalten und zieht daraus in den meisten Fällen die richtigen Schlüsse. Ihre Stellung als zukünftige Beraterin und Vermittlerin bietet ihr eine tolle Ausbildung und gibt ihr so die Möglichkeit, zwar präsent, aber nicht vordergründig zu sein. Dadurch bekommen die großartigen Nebencharaktere mehr Platz zum Agieren und können ebenfalls eine Bindung zum Leser aufbauen – was für den Verlauf der weiteren Geschichte von ungeheurer Bedeutung ist. Während Ria gezwungenermaßen immer mehr in ihre Rolle hinein wächst, beginnt auch der Leser, die Handlungen und Aussagen der verschiedenen Charaktere aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, sodass das Miträtseln schließlich doch stark an einen Poznanski-Thriller erinnert. Neben den Charakteren, die irgendwie keine stereotypische Schwarz-Weiß-Kultur haben und gerade deshalb so angenehm erfrischend sind, kann daher auch die Geschichte vollends überzeugen und schürt sogar durch kleine Verwicklungen diverse Wünsche in Bezug auf den weiteren Verlauf.

Viel zu früh ist leider auch dieser Trilogie-Auftakt ausgelesen und man bleibt als Leser wieder einmal ungeduldig zurückgelassen. Leise Enttäuschung macht sich jedoch nur breit, weil es noch keinen Termin für den Nachfolger gibt und man doch unbedingt wissen will, wie es weitergeht und ob sich vielleicht ganz persönliche Wünsche vielleicht im nächsten Teil erfüllen werden. Zwar wird die Wartezeit zumindest für Erwachsene voraussichtlich im April durch einen weiteren Thriller ein wenig versüßt, doch gerade die jugendlichen Dystopien-Anhänger müssen sich wohl erst einmal auf eine längere Durststrecke einstellen. Im Zweifelsfall wird sonst einfach auf einen der anderen Poznanski-Romane zurückgegriffen, denn da ist gute und spannende Unterhaltung auf jeder Seite garantiert.


Fazit:

Nach überaus erfolgreicher Veröffentlichung eines Erwachsenen- und zweier Jugend-Thriller beweist Ursula Poznanski mit Bravour, dass sie sich auch dem zeitaktuellen Interessenfeld ihrer Zielgruppe anpassen kann. Die Verratenen ist eine rasante Mischung aus bedrückender Zukunftsvision und spannendem Thriller, auch die Liebe findet dezent ihren Platz. Dieses Dystopie-Debüt bietet somit alles, was das Herz begehrt – nicht zwingend innovativ, dennoch sich von der Masse abhebend. Eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Poznanski-Fans und Dystopie-Anhänger!




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