Saeculum (Ursula Poznanski)

Saeculum (Ursula Poznanski)

Klappentext:

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter – ohne Strom, ohne Handy –, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?


Rezension:

Der Medizinstudent Bastian Steffenberg kommt über seine vielleicht zukünftige Freundin Sandra in Kontakt mit der Rollenspiel-Gruppe „Saeculum“, was so viel wie „Jahrhundert“ heißt. Um dem Alltagstrott inklusive Lernwahnsinn und vor allem seinem herrschsüchtigen Vater zu entkommen, lässt er sich nur allzu gern auf die ihm bis dahin unbekannte Welt der Mittelaltermärkte ein, die jedoch schnell ihren Reiz auch auf Bastian zu übertragen weiß. Fernab von neumodischen Erfindungen wie Brillen und Handys, hellen Taschenlampen oder warmen Schlafsäcken macht die Gruppe eine gemeinsame Reise in die Vergangenheit – und zwar ins Mittelalter. Als Schauplatz wurde eine sagenumwobene und sehr abgelegene Lichtung mit verbrannten Überresten einer Burgruine ausgewählt – ein Platz, der bereits im vergangenen Jahr Angst und Schrecken bei einigen Anwesenden verbreitet hat. Denn auf dieser Burgruine liegt ein uralter Fluch, der von den meisten Teilnehmern erst einmal als Unfug und zusätzlichen Spaß ab. Bis mit Warze der erste Mitspieler auf unbekannte – jedoch zum Fluch sehr passende – Weise spurlos verschwindet. Und er soll nicht der einzige bleiben …

Nach Erebos weiß jeder Leser, dass ihn mit einem neuen Roman aus der Feder von Ursula Poznanski eines garantiert ist: Spannende Unterhaltung mit überraschenden Wendungen, kaum vorhersehbaren Auflösungen und jeder Menge Gänsehaut. Und auch mit ihrem zweiten Thriller, dieses Mal in einer etwas höheren Altersklasse als der Vorgänger, weiß die Autorin den Leser zu fesseln und zu überzeugen – auch wenn man nach dem Riesenerfolg doch einige Abstriche machen muss. Denn leider haben die Charaktere der Saeculum-Rollenspielgruppe nur wenige individuelle Züge, sodass der Leser nur schwer eine Verbindung zu ihnen aufbauen kann und Zugang zu ihnen findet. Im Verlauf der Geschichte lernt man zumindest einen kleinen Teil der Gruppe besser kennen, ein erstaunlicher, jedoch nicht unbedingt unvorhersehbarer Wechsel des weiblichen Hauptcharakters bringt ein wenig Lockerheit in den ansonsten scheinbar sehr festen Ablauf der Story. Auch die Hintergrundgeschichten der einzelnen Protagonisten sind auf die Situation abgestimmt – auch wenn sich teilweise das Gefühl leichter Überlastung breitmacht, weil alles zu gut zu passen scheint, fügt sich am Ende ein Faden zum anderen und ein stimmiges Gesamtbild bleibt über.

Womit Ursula Poznanski bereits in ihrem Debüt deutlich punkten konnte, setzt sie auch im zweiten Buch problemlos um: Die düstere Atmosphäre und die kleinen – wenn auch dieses Mal leicht Überhand nehmenden – Details, die liebevoll eingebunden erneut ein erstaunlich echtes Lesevergnügen bereiten. Von diesem Talent dürfen sich gerne so manche Horror- und Mystery-Schreiberlinge eine kleine Scheibe abschneiden. Schon während des Lesens wird möglicherweise der eine oder andere vom Geschriebenen Gefesselte ein Browserfenster mit dem Internet-Suchanbieter seines Vertrauens geöffnet haben und nach Bildern des Schauplatzes suchen, um die durch die Worte ohnehin schon sehr angeregten Kopfbilder Wirklichkeit werden zu lassen. Denn die Autorin schafft es erstaunlich, die Lichtung und die Burgruinen zum Leben erwachen zu lassen – als stünde der Leser selbst mittendrin. Gepaart mit den Entbehrungen der Gruppe, dem quasi eingepflanzten Unwohlsein, dem Zusammenspiel mehrerer Hintergründe und der nicht aufdringlich eingebundenen Liebesgeschichte wird Saeculum erneut zu einem Lesevergnügen, das wie sein Vorgänger mit einem in sich abgeschlossenen, aber doch offenen Ende auf mehr hoffen lässt.


Fazit:

Leider kann Saeculum nicht so sehr überzeugen wie sein Vorgänger. Zu ausschweifend sind hier die Beschreibungen der Umgebung gestaltet, zu stereotyp die Charaktere, zu erzählerisch die Geschichte an sich. Trotzdem ist die etwas andere Sichtweise des Rollenspiels das Lesen auf jeden Fall wert – denn was das Gänsehautfeeling angeht, hat Ursula Poznanski einen einfach unvergleichlichen Stil.




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