Es ist niemals vorbei (Kate Pepper)

Es ist niemals vorbei (Kate Pepper)

Klappentext:

Nichts ist schlimmer als die Wahrheit.

Drei Jahre sind vergangen, seit der gefürchtete «Domino-Killer» Karin das Liebste genommen hat: ihren Mann und ihre Tochter. Inzwischen hat die ehemalige Polizistin sich ein neues Leben aufgebaut. Sie ist mit ihrem Expartner Mac verheiratet und hat einen Sohn bekommen.

Doch dann werden Macs Eltern brutal ermordet. Kurz darauf ist Mac spurlos verschwunden. Die Polizei ist überzeugt: Es war Selbstmord. Nur Karin spürt, dass er noch lebt. Sie will ihre Familie retten – doch die ganze, grausame Wahrheit rollt unaufhaltsam auf sie zu …


Rezension:

Ehepaare brüten selten über Kleinigkeiten. Wenn man Kinder hat, fehlt einem dazu schlichtweg die Zeit. Manchmal kommuniziert man mit dem Ehepartner wie über Satellit und muss sich mit der zeitlichen Verschiebung abfinden. Oder man sendet die Informationen in einer Art Morsezeichen und hofft, dass der andere etwas damit anfangen kann. Dass Mac sich auf meine Nachricht nicht meldete, nahm ich deshalb kaum zur Kenntnis. Ich kannte ihn und wusste, dass er seine Nachichten regelmäßig abhörte. Und er zählte zu den zuverlässigen Menschen, die immer erschienen, wenn sie irgendwo erwartet wurden.
(Seite 51)

Vor drei Jahren hat der JPP – Just Plain Psycho – Karin Schaeffer alles genommen, woran ihr Herz hing. Nach dem Verlust von Ehemann und Tochter bestand ihr kompletter Lebenssinn nur darin, den sogenannten Domino-Killer erneut dingfest zu machen und hinter Gitter zu bringen. Danach hängte sie ihren Job als Polizistin endgültig an den Nagel und baute sich zusammen mit ihrem Expartner Mac ein neues Leben auf. Noch immer ist ihr die Abwesenheit ihrer „alten“ Familie nur zu bewusst, umso mehr ist sie darauf bedacht, in ihrem „neuen“ Leben alles richtig zu machen und sicher zu gestalten. Ihr Sohn Ben, inzwischen fast zwei Jahre alt, ist dabei ihr Ein und Alles, nebenher hat sie ein Studium in Psychologie begonnen und alles scheint endlich wieder in normalen Bahnen zu verlaufen.
Aber dann kommen Macs Eltern bei einem brutalen Raubüberfall ums Leben, woraufhin Mac erst in schwere Depressionen zu fallen scheint und dann spurlos verschwindet. Als wenig später ein leerer Wagen gefunden wird, der mit seiner Kreditkarte bezahlt wurde, ist für die ermittelnden Beamten klar, dass es sich hier um Selbstmord handelt. Doch Karin spürt noch immer eine Verbindung zu Mac und ist sicher, dass ihr zweiter Ehemann am Leben ist. Sie macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach Mac und bringt dabei unwissentlich ganze Felsbrocken ins Rollen, die nicht nur ihre Familie in Gefahr bringen, sondern auch lang gehütete und verdrängte Geheimnisse aufdecken. Und plötzlich muss Karin sich fragen, wie gut sie ihren Ehemann eigentlich tatsächlich kennt …

Kate Pepper hat inzwischen einige Jahre Schreiberfahrung sammeln können und mit jedem neuen Buch hofft der Leser, endlich mal wirklich das geboten zu bekommen, was der Klappentext verspricht: Spannenden Thrill. Doch wie bei den Vorgängern plätschert auch die Geschichte in Es ist niemals vorbei träge vor sich hin – nur wenige Passagen können mit rasantem Tempo auffahren und den Leser für eine kurze Weile aus dem gemächlichen Lesefluss reißen. Und dieses Mal hat sich der Klappentext einen wirklich groben Fehler erlaubt, denn dem Leser wird indirekt eine Fortsetzung des Domino-Killers schmackhaft gemacht, was leider eine gänzlich falsche Botschaft ist. Lediglich die Protagonistin Karin Schaeffer und ihre gemeinsame Vergangenheit mit dem JPP wird zwischenzeitlich aufgegriffen, um ein paar Hintergründe glaubhaft zu gestalten, auch wenn das nur selten gelingt. Denn bis auf wenige Highlights scheint der Roman mit nur durchschnittlichen, aber sicher nicht herausragenden Thriller-Komponenten vor allem eins zu sein: Die Zwangsfortsetzung einer Lebensgeschichte, die den Leser fesseln soll, ihn aber auf weiten Strecken mehr langweilt als unterhält.

Haarsträubende Zusammenhänge, nicht nachvollziehbare Handlungen und ziemlich unglaubhafte Wendungen sind die Hauptzutaten, die Kate Pepper in diesem Buch zusammengemixt hat. Die zeitlichen Abstände seit Macs Verschwinden werden durch eingestreute Nebensätze abgetan und lassen beim Leser den Eindruck entstehen, als sei sowas in Karins Leben alltäglich und nicht weiter der Rede wert. Sicherlich sollte dem Jungen Ben zuliebe auf Normalität geachtet werden, zumal der Kleine die Zusammenhänge wahrscheinlich noch nicht begreift, doch die stoische Ruhe, mit der Karin „erzählt“, stößt so manches Mal auf Unverständnis beim Lesenden. Dazu kommen Verflechtungen, die nicht immer ganz deutlich werden, sodass Fäden zusammengeführt werden, die nicht zusammen zu passen scheinen, aber auf Teufel komm raus miteinander verbunden werden müssen. Zeitweilig verstärkt sich der Eindruck, dass Kate Pepper während des Schreibens die Lust verloren und einfach irgendwas geschrieben hat, um die Geschichte fortzuführen.

Leser, die Lust auf unspektakuläre und seichte Unterhaltung ohne großen sprachlichen oder inhaltlichen Anspruch haben und auf eine gesunde Portion Thrill verzichten können, sind mit Peppers siebten übersetzen Buch in jedem Fall gut bedient. Ohne Höhen liest sich der Roman relativ schnell runter und bleibt anschließend auch kaum im Gedächtnis hängen, was das abschließende Weglegen leicht gestaltet. Echte Thriller-Fans, die genau das auch geboten haben möchten, sollten jedoch nach anderen Titeln greifen, denn hier würden sie auf herbe Enttäuschungen treffen.


Fazit:

Mit Es ist niemals vorbei bekommt der Leser einmal mehr einen typischen Roman mit Thriller-Effekten aus der Feder Kate Peppers, der jedoch entgegen aller Annahmen nicht auf seinen Vorgänger aufbaut, sondern eine eigenständige Geschichte mit wenigen Rückblenden ist. Schade, denn die Story um den JPP hätte weitaus mehr Potential gehabt als die düstere Vergangenheit Macs und deren wirre Auswirkungen auf die Gegenwart. So bleibt auch Peppers siebtes ins Deutsche übersetzte Buch nur durchschnittliches Lesefutter für zwischendurch.


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