Spiegelriss (Alina Bronsky)

Spiegelriss (Alina Bronsky)

Klappentext:

Sie sagen, der Wald ist verboten.
Sie fürchten, er rückt immer näher.
Aber du tust alles, um hineinzukommen.

Sie nennen sich das Rudel und keiner traut dem anderen. Doch Juli ist froh, dass die abgerissenen Gestalten, die am Rand der Normalität leben, sie überhaupt aufgenommen haben. Nachdem ihr der Zugang zur Welt der Pheen verwehrt wird, hat sie keine Heimat mehr. Schlimmer noch, innerhalb der Normalität wird sie als letzte lebende Phee und gefährliche Mörderin gejagt. Verzweifelt versucht Juli die Brücken zu ihrem früheren Leben wiederherzustellen. Doch bald muss sie erkennen, dass die Freunde von einst zu Feinden geworden sind und Verrat in der neuen Welt an der Tagesordnung ist …


Rezension:

Nachdem Juli den Wald im Quadrum in Brand gesetzt hat und aus der Pheen-Welt geworfen wurde, ist sie plötzlich ganz allein und auf der Hut. Im Rudel aufgenommen hält sich Babyfuss, wie dort alle Neuankömmlinge genannt werden, sehr im Hintergrund und im Abseits, um bloß nicht aufzufallen. Aus gutem Grund, denn überall in der Stadt hängt ihr Gesicht auf Plakaten, das sie als gesuchte Mörderin darstellt. Doch lange kann Juli nicht im Rudel bleiben, und als der Wald die Stadt immer mehr einkreist und auch das Rudel gesprengt wird, muss sie fliehen. Sie macht sich auf die Suche nach ihren alten Freunden Ksü und Ivan, die beiden Freaks, die vor dem Quadrum-Abenteuer ihre engsten Vertrauten waren und von denen sie nicht einmal weiß, ob sie überhaupt noch am Leben sind. Auf ihrer Suche muss sie ständig aufpassen, nicht erwischt zu werden, und stellt außerdem fest, dass die Welt, wie Juli sie kannte, nicht mehr existiert, sondern das absolute Chaos ausgebrochen ist und nicht mehr die Normalen das Oberhaupt der Stadt sind, sondern inzwischen die Freaks das Kommando übernommen haben …

Viel zu lange mussten die Fans der Spiegel-Trilogie auf die Fortsetzung warten, die Julis Geschichte endlich weiter erzählt. Nun endlich ist Spiegelriss erschienen und erfreut sich großer Beliebtheit, denn schon der erste Teil konnte nicht nur jugendliche Leser begeistern, sondern hat auch zahlreiche Erwachsene in seinen Bann ziehen. Wie die Vorfreude war auch die Erwartung entsprechend hoch und Alina Bronsky schafft es zu großen Teilen, die Begeisterung auch im zweiten Band zu schüren und den Leser unmittelbar wieder ins Geschehen zu ziehen. Während Spiegelkind jedoch zum größten Teil eher zart gehalten war, kommt es im Nachfolgeband zu deutlich heftigeren Unruhen – wie auch das Cover schon sehr deutlich macht. Das ist möglicherweise auch der Grund, warum es zwischendurch ein wenig schwer fällt, sich auf die Geschichte zu konzentrieren, denn den Leser erwartet hier vor allem eins: Julis Flucht vor allem und jedem, auch vor sich selbst, das sie nicht mehr weiß, wer sie eigentlich ist. Diese Getriebenheit liest man in jedem einzelnen Wort mit und die Zwiegespalten- und Unsicherheit ist manches Mal recht anstrengend, weil der Leser keine Ahnung hat, in welche Richtung es nun gehen soll. Die Autorin kommt hier stellenweise scheinbar selbst ins Trudeln, schafft es aber auch immer wieder, das Ruder wieder herum zu reißen und alles wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.

Überraschende Entwicklungen und Wiedersehen mit alten Bekannten bringen an einigen Stellen mit drohenden Längen frischen Wind in die Story und bewirken, dass der Leser letztlich doch dran bleibt und weiter mit Juli durch die Straßen irrt. Besonders stechen hier die Szenen hervor, in denen Juli im Traum einem kleinen Mädchen begegnet, von dem sie vermutet, dass sie es selbst im Kindesalter ist. Anfangs verwirren diese Szenen, da es keinen deutlichen Umbruch gibt, aber mit Fortschreiten der Seitenzahlen bekommt man als Leser ein Gefühl für Traum und Wahrheit, sodass das Unterscheiden etwas leichter fällt. Trotzdem bleiben diese Momente bis fast zum Schluss verwirrend und stören, wenn auch nur geringfügig, doch den Lesefluss, sodass es zeitweilig ein wenig ermüdend und sogar anstrengend wird, der Geschichte zu folgen. Die Grundidee dieser Traumsprünge hingegen ist wieder so toll, dass man über die Schwierigkeiten der Umsetzung gerne hinweg sieht.

Wenn man Spiegelriss als Gesamtpaket und mit Bezug auf seinen Vorgänger Spiegelkind betrachtet, ist Alina Bronsky eine gute, aber nicht überragende Fortsetzung gelungen, die sich sprachlich wieder auf einem für die Zielgruppe angemessenen Sprachniveau bewegt und eine Menge Potential für den Abschlussband mitbringt. Im Vergleich beider Teile schneidet Band 2 etwas schlechter ab, ergänzt den ersten Band jedoch auf eine wirklich passende Weise. Es bleibt nun abzuwarten, was die Autorin sich für den abschließenden dritten Band überlegt hat und wie es mit Julis Welt weitergehen wird.


Fazit:

Mit Spiegelriss setzt Alina Bronsky endlich ihre Trilogie um die junge Phee Juli fort und erlöst ihre Fans von der quälenden Warterei. Im zweiten Teil geht es sehr viel actionreicher zu, sodass sehr viel auf den Leser einstürmt und ihm davon so manches Mal der Kopf schwirrt. Ein leichter Abwärtstrend macht sich deshalb nicht nur in der Seitenzahl bemerkbar, doch noch immer bietet die Idee und Julis Geschichte genug Potential für einen mitreißenden Abschlussband, auf den man gespannt sein darf und hoffentlich nicht wieder so lange warten muss.


Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3,5/5




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