Dancing Jax – Zwischenspiel (Robin Jarvis)

Dancing Jax – Zwischenspiel (Robin Jarvis)

Klappentext:

An die, die noch immer um jeden Preis Widerstand leisten (ich weiß, ein kleiner, verstreuter Haufen existiert noch), entweder weil ihr einen eisernen Willen habt oder einfach das Glück, so wie ich immun gegen diesen Wahnsinn zu sein: Ich rate euch dringend, das Land zu verlassen! Verschwindet von da. Ihr könnt nichts mehr ausrichten.

Vor einigen Monaten tauchte ein merkwürdiges altes Buch in einer britischen Kleinstadt auf und zog all jene, die es lasen, in seinen Bann. Inzwischen wurde das Buch in großem Stil veröffentlicht und ganz Großbritannien ist ihm verfallen. Diejenigen, die sich seinem Einfluss widersetzten, wurden getötet.
Doch es gibt einige, auf die das Buch keine Wirkung hat. Sie werden Abtrünnlinge genannt, werden verfolgt und gejagt, auch von ihren eigenen Familien und Freunden. Dies ist ihre Geschichte.


Rezension:

„Es ist mein Leben“, sagte ein vornehm gekleideter Mann in einem blauen Anzug vor dem Parlamentsgebäude. „Ebenso könnten Sie fragen, was es für mich bedeutet zu atmen. Es ist absolut lebenswichtig. Ich muss das Buch jederzeit bei mir tragen, denn ich halte es nicht aus, zu lange von Mooncaster getrennt zu sein. Ich habe sogar noch fünf weitere Exemplare, verteilt an verschiedenen Orten, nur für den Notfall.“
(Seite 22)

Nahezu ganz Großbritannien befindet sich unter dem Bann von Dancing Jax, dem alten Kinderbuch, das eine unglaubliche Macht ausstrahlt und jeden Leser nach Mooncaster entführt – der wahren Welt, in der im Gegensatz zum grauen Traum jeder seinen festen und angestammten Platz hat. Martin Baxter, einer der wenigen Immunen, ist weiterhin auf der Flucht und hat sich an einem unbekannten Ort verschanzt, wo ihn niemand finden kann. Er ist lediglich per Mail und über seinen regelmäßig aktualisierten Blog erreichbar und trifft sich auch nicht mit der amerikanischen Nachrichten-Sprecherin Kate Kryzewski, die live aus London berichtet und direkt vor Ort einen ausführlichen Bericht erstellen möchte, der die Hintergründe der sektenähnlichen Zustände in Großbritannien aufdecken die ganze Welt wachrütteln soll. Sie nimmt das Thema ernst und steht dem Ganzen angemessen skeptisch gegenüber, wird sogar vom sogenannten Ismus für ein ausführliches Interview empfangen. Gemeinsam mit ihrem Kameramann Sam wird sie von ihm zu einem besonderen Wochenende eingeladen, bei welcher für alle Kinder und Jugendlichen, die bisher noch nicht in die Welt Mooncasters aufgenommen wurden, ein riesiges Spektakel veranstaltet werden soll, um auch ihnen endlich Zugang gewähren zu können. Kate vermutet hinter all dem eine enorme kriminelle Gewalt und ist festentschlossen, alles genau aufzuzeichnen und ihrer Regierung zukommen zu lassen. Sie ahnt nicht, in welche Gefahr sie und die Kinder sich an diesem Wochenende begeben und dass die ganze Sache eigentlich nur einem Zweck dient: Weitere Abtrünnlinge von der Straße zu holen und nach Mooncaster überzuführen.

Die Dancing Jax sind zurück und der Leser ist voller Spannung, wie die Geschichte um Mooncaster, den Ismus und seinen Widersache Martin Baxter weitergeht. Doch die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit den bekannten Gesichtern aus Auftakt wird relativ schnell enttäuscht, denn Martin Baxter kommt in diesem zweiten Band eigentlich nur auf den ersten Seiten vor, und zwar in Form eines Blogartikels, in dem er zu all denen spricht, die sich dem Bann des alten Kinderbuches bislang noch widersetzen konnten oder wie er immun dagegen sind. Stattdessen wird im Zwischenspiel eine andere Geschichte erzählt und der Leser bekommt einen noch besseren Eindruck über die Wirkung und über die Verfolgung derer, die sich widersetzen. Neben dem auch dieses Mal wieder beeindruckenden Ismus und dem ebenfalls bereits bekannten Jangler sowie einigen anderen Mooncaster-Figuren lernt der Leser hier völlig neue Charaktere kennen – Charaktere, mit denen er sich vielleicht sogar noch besser identifizieren kann als im Vorband. Denn dieses Mal geht es um Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Art, die für ein gemeinsames Wochenende aus allen Teilen Großbritanniens zusammengebracht werden. Robin Jarvis baut hier also auf einem anderen, aber genauso relevanten Aspekt auf und zieht den Leser so noch tiefer in seine Geschichte.

Wer Zwischenspiel nicht direkt im Anschluss an den ersten Band oder zumindest sehr zeitnah danach liest, der könnte anfänglich ein paar Probleme haben, sich wieder in der Geschichte einzufinden. Denn der Autor hat einen unverkennbaren, aber auch sehr speziellen Sprachstil, mit dem man erst wieder zurechtkommen muss. Wenn man die Zähne zusammen- und sich durchbeißt, kommt man jedoch sehr schnell wieder in den Lesegenuss, dem man sich schon im Auftakt nur schwer entziehen konnte. Die Story verdichtet sich mit jeder Seite, man freundet sich mit den neuen Charakteren an und lernt weitere Züge an bekannten Figuren kennen, die einen tatsächlich immer noch überraschen können. Und Robin Jarvis hält so einige Überraschungen parat, auch wenn man mit der einen oder anderen sicher insgeheim schon gerechnet hat. Trotzdem kann auch der zweite Band seinen Unterhaltungswert voll ausspielen und dem Leser ein weiteres Mal beweisen, dass er hier einen echten Könner in den Händen hält. Noch mehr Tiefe, noch mehr Hintergrundwissen, noch mehr Schrecklichkeiten – man muss auf alles gefasst sein und sich am besten ein paar Tage freinehmen, damit man nicht ständig von lästigen Alltäglichkeiten abgelenkt wird und in aller Ruhe diese erneut großartige Geschichte genießen kann. Auch hier bleibt einem nichts anderes übrig, als wieder eine ganz klare Leseempfehlung auszusprechen – die Dancing Jax sind jede einzelne ins Lesen investierte Minute wert.

„Hoffnung strahlt am stärksten, wenn man es am wenigsten erwartet.“
(Seite 504)


Fazit:

Wie sein Vorgänger kann auch Dancing Jax – Zwischenspiel auf ganzer Linie überzeugen – der Leser wird sofort wieder ins Geschehen gezogen und, obwohl die Geschichte nur wenig mit dem Auftakt gemeinsam hat, ab der ersten Seite mitgerissen. Robin Jarvis beweist ein weiteres Mal, dass Bücher mehr als ein Hobby sind und dass manche von ihnen sogar süchtig machen können und gefährlich sind. Auf den Spuren des Ismus lernt man hier eine andere Seite der Story kennen, die jedoch genauso gut ausgearbeitet ist und schlichtweg von jedem Mystery- und Phantastik-Fan gelesen werden muss. Wer an diesen Büchern vorbeigeht, ist selbst schuld, denn hier entgeht jedem Nichtleser definitiv ein umfangreiches Lesevergnügen!




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2 Kommentare
  1. Sternenkind sagt:

    Omg du magst es *______*
    Ich fand den zweiten ja fast noch besser als den ersten oder einfach viel intensiver…
    Und ich sag nur ‚Würstelchen‘ ist und bleibt das krasseste überhaupt…
    Naja nun kann es ja endlich losgehen im Kampf gegen den Ismus =)
    Castlekeeper for the Win !!!!!!

    Tolle Rezi btw ;D

    • Schattenkämpferin sagt:

      Natürlich mag ich es – ich fand ja den ersten Band schon grandios :)
      Auch wenn dieses Zwischenspiel so ganz anders war als der Auftakt, habe ich doch jede Seite genossen (nachdem ich wieder reingefunden habe) und freue mich jetzt auf das Finale, das nur großartig werden kann.
      Auf dass der CastleCReeper (;P) endlich richtig zum Zuge kommt und uns alle ein entsprechendes Happy End erwartet.

      Danke btw :-*

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