Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens (Shaun David Hutchinson)

Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens (Shaun David Hutchinson)

Klappentext:

Am Ende dieses Buches ist Oliver Travers tot. Doch dies ist die Geschichte seines Lebens und es werden die perfektesten 1440 Minuten seines Lebens. Denn Olli folgt einer Liste mit den ultimativen Dingen, die man getan haben muss: im hohen Flug von einer Brücke springen, ein Tattoo stechen lassen, ein Graffiti als bleibende Spur sprayen und – natürlich ein Mädchen küssen und das kann nur eine sein: Ronnie.

Ein Buch für alle, die es verstehen, aus jedem Tag den perfektesten Tag ihres Lebens zu machen.


Rezension:

Es ist ein Todestagbrief.
Scheiße.
Unverwechselbar. Ein langer weißer Umschlag mit diesem idiotischen Regenbogen in einer Ecke, als ob das bisschen Farbe der schlimmsten aller Nachrichten den Stachel nehmen könnte. Echt jetzt – ein stinkender Scheißhaufen bleibt ein stinkender Scheißhaufen, auch wenn du ihn in hübsches Geschenkpapier mit rosa Schleifchen verpackst.
[…] „16. Oktober
Mister Oliver Aaron Travers
Es ist unsere Pflicht, Sie zu informieren, dass Ihr Tod planmäßig in den frühen Morgenstunden des 17. Oktober eintreten wird.
Wir wären Ihnen für Ihre uneingeschränkte Mitwirkung in dieser Angelegenheit dankbar. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Todestag!“
(Seite 14 / 17)

Als Ollie an diesem Morgen vom Rufen seiner Mutter aus dem Schlaf gerissen wird, ist er der letzte, der in die Küche kommt – und sehr überrascht, als er dort die komplette Familie versammelt am Esstisch vorfindet. Auf diesem liegt unverkennbar ein sogenannter Todestagbrief, doch entgegen seiner ersten Annahme ist dieser nicht für seine Großmutter oder seine Eltern, sondern an ihn selbst adressiert. Und darin wird im prophezeit, dass er in genau 24 Stunden sterben wird. Das Problem dabei: Ollie ist noch total jung und obwohl sein Leben nicht besonders aufregend ist, hat er eigentlich noch lange nicht vor zu schlafen. Doch gegen die Todestagbriefe kann man keinen Widerspruch einlegen, man kennt nicht einmal den Absender dieser Briefe. Also beschließt Ollie, diesen Tag wie jeden anderen zu leben. Doch da hat er die Rechnung ohne seinen besten Freund Shane gemacht, der erst geschockt von der Nachricht ist, dann aber alles daran setzt, Ollies letzten Tag zu einem ganz besonderen zu machen. Gemeinsam mit ihrer ehemals besten Freundin Ronnie kramen sie die Listen mit den Dingen raus, die sie in ihrem Leben unbedingt machen und erleben wollen, bevor sie sterben. Ihnen bleiben 24 Stunden, um Ollies Leben endlich einen wirklichen Sinn zu geben – und die gilt es sinnvoll und lebensbejahend zu füllen.

Nur noch 24 Stunden zu leben und keinen Plan, was man mit dieser Zeit anstellen soll – Shaun David Hutchinson hat sich für sein Debüt ein wirklich interessantes Thema ausgesucht, das vor allem für einen Jugendroman enorm schwierig ist. Doch die Umsetzung, nicht zuletzt durch die Darstellung seiner Charaktere, ist ihm gut gelungen, sodass Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens nicht nur zu unterhalten wissen, sondern den Leser – sowohl jung als auch alt – auch dazu aufrufen, das Leben nicht einfach so vor sich hin zu leben, sondern ganz bewusst wahrzunehmen. Dabei bedient sich der Autor einem erfrischenden jugendlichen Sprachstil und lässt seinen Charakteren freie Hand, was ihre Wortwahl ausmacht. Dadurch wird der Geschichte sehr viel Authentizität verliehen und der Leser verfolgt mit Spaß die Abenteuer des sterbenden Ollie und seiner Freunde. Doch neben den spaßigen und wirklich amüsanten Szenen gibt es auch ernsthafte Momente, in denen der Leser die Möglichkeit bekommt, die Protagonisten und ihre Hintergründe besser kennen zu lernen. So entsteht ein ausgewogener Mix aus netter Unterhaltung und nachhaltigen Gedankengängen.

Gemixt wurden auch die Genreeinflüssen, die Shaun David Hutchinson für sein Debüt ausgewählt hat. Während der Grundplot in die Jugendbelletristik gehört und eher in die biographische Richtung tendiert, mutet der Todestagbrief ziemlich dystopisch an. Inhaltlich scheinen Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens auch deutlich auf das männliche Publikum abzuzielen, doch eine zumindest angedeutete Liebesgeschichte könnte auch weibliche Leser durchaus ansprechen. Dieser Roman kann also, wenn man sich darauf einlässt, nahezu jedes Leserherz erfreuen – und war mit Sicherheit nicht der letzte, den man aus der Feder des Autoren gelesen hat.


Fazit:

Was würdest Du tun, wenn Du nur noch 24 Stunden zu leben hättest? Diese Frage wird öfter mal gestellt und sicherlich gibt es auch zahlreiche Bücher, in denen dieses Thema behandelt wird. Doch wahrscheinlich keines kann dabei Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen unterhalten wie Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens. Shaun David Hutchinson erschafft einen Helden, der eigentlich keiner ist, und ist mutig genug, ein Buch ohne Happy End zu konzipieren und bis zum Ende durchzuziehen. Ein Buch, das Mut macht und den Sinn dafür weckt, jeden Tag ganz bewusst zu (er)leben.


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