Falling Skye (Lina Frisch)

Falling Skye (Lina Frisch)

Klappentext:

Nach einer großen Katastrophe sind die USA zu den Gläsernen Nationen geworden. Endlich ist Schluss mit Diskriminierung, Populismus und impulsiven Entscheidungen! Die Menschen werden in Ratio oder Senso eingeteilt – und zu ihrem eigenen Schutz unterliegen die Emotionalen strengen Auflagen. Als die 16-jährige Skye zu ihrer Testung einberufen wird, ist sie überzeugt, als mustergültige Rationale erkannt zu werden, der eine glänzende Zukunft bevorsteht. Doch die Prüfungen sind verstörend, und Skye fragt sich immer häufiger, welchem Zweck sie in Wahrheit dienen. Wer ist der mysteriöse Testleiter, der ihr auf Schritt und Tritt folgt? Und wohin verschwinden die Mädchen, die im täglichen Ranking abfallen? Zu ihrem Entsetzen muss Skye erkennen, wer in den Gläsernen Nationen den Preis für die neue Ordnung zahlen soll: sie selbst …


Rezension:

Im Amerika der Zukunft werden die Menschen in Rationale und Emotionale eingeteilt. So soll Diskriminierung vermieden werden und alle Menschen sollen die bestmöglichen Chancen auf Karriere und Familie bekommen. Skye arbeitet schon ihr ganzes Leben darauf hin, bei den großen Testungen als Rationale eingestuft zu werden. Da ihr Vater einen der wichtigsten Posten bekleidet, kommt kein anderer Weg für sie in Frage. Doch schon auf der Fahrt zur Testungsstation, wo Jungen und Mädchen getrennt werden, passieren seltsame Dinge, und je länger der Aufenthalt dauert, desto mehr Zweifel werden in Skye wach. Immer öfter beschleicht sie das Gefühl, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht, und irgendwann kann sie nicht länger die Augen verschließen. Gemeinsam mit ein paar wenigen Vertrauten macht sie sich auf die Suche nach Antworten und stellt dabei fest, dass ihr bisheriges Leben auf Lügen aufgebaut ist.

Auf den ersten Seiten deutet alles darauf hin, dass Falling Skye wieder nur eine weitere klassische Jugend-Dystopie ist, perfekt abgerundet mit einem „Mädchen ist Heimlich in den besten Freund verliebt“-Szenario und inclusive Stutenbissigkeit anderer Mädels, alleinerziehendem Vater in extrem wichtiger Position und einigen Heimlichkeiten. Nach dem klischeehaft wirkenden Einstieg zeichnet sich jedoch sehr schnell ab, dass Lina Frisch zwar ansatzweise auf bekannte Elemente zurückgreift, aber eine überraschend neue, brandaktuelle und aufregende (im Sinne von sich über etwas aufregend) Geschichte geschaffen hat – trotz möglicher Parallelen zu anderen Dystopien. Schon die ersten 100 Seiten liefern verschiedene Spannungsbögen ganz unterschiedlicher Intensität, man lernt die Charaktere immer besser kennen und auch ein gewisser Rätselfaktor bleibt nicht aus. Vor allem eine gesichtslose Stimme aus dem Off weckt ganz besondere Neugier und lässt den Leser verschiedene Theorien über ihre Identität in seinem Kopf umherwälzen.

Die Frage, wer hinter der Stimme aus dem Off steckt, ist nicht das einzige Thema, über das der Leser nachzudenken hat. Erschreckend real und gleichzeitig sehr faszinierend ist auch die Technik, die Lina Frisch für den Aufbau ihrer Welt nutzt. Jeder noch so kleine Aussetzer von Herz und Puls kann registriert werden, und die Ahnung, dass die Technologie irgendwann tatsächlich so weit sein könnte, ist ziemlich beängstigend – ein Gefühl, dass in Falling Skye sehr gut zu transportieren weiß. Dazu schwebt die ganze Zeit die Frage nach Gleichberechtigung und Vertrauen, Macht und Machtgefüge zwischen den Seiten durch den Raum, und mehr als einmal muss der Leser sich fragen, wie man selbst in verschiedenen Situationen handeln oder entscheiden würde. Und ja, auch die Gefühle kommen nicht zu kurz. Ungefähr nach der Hälfte deuten sich erste zarte, eindeutige Liebesbande an. Auch vorher gab es schon Hinweise, wohin die Geschichte führen könnte, doch man muss Lina Frisch ganz klar zugutehalten, dass der Liebesplot nur eine Nebenrolle spielt.

Was aufgrund der anderen thematisierten Punkte auch durchaus sinnvoll ist, denn sowohl Skye als auch der Leser müssen sich im Laufe der letzten 200 Seiten auf jede Menge Action gefasst machen. Ein Ereignis jagt das nächste, eine Erkenntnis erschüttert vor der anderen und nicht nur Skyes Weltbild wird erschüttert. Im Leser wüten verschiedene Emotionen und so manches Mal muss das Buch sprachlos zugeklappt werden, weil man gar nicht weiß, wohin mit den Gedanken. Zwischendurch gibt es zwar immer mal wieder kleinere Atempausen, an denen das Lesetempo ein wenig rausgenommen wird, doch alles in allem ist Falling Skye ein echter Pageturner, der den Leser am Ende schließlich sehr aufgewühlt, wütend und vor allem unbefriedigt zurücklässt – denn die Wartezeit bis zum zweiten Teil Rising Skye dauert(e) wie immer nach einem wirklich guten Buch viel zu lange. Am 19. Oktober hat das Warten aber endlich ein Ende und die Vorfreude ist enorm.


Fazit:

Obwohl Jugend-Dystopien normalerweise immer nach dem gleichen Schema aufgebaut sind und auch Falling Skye sich gewissen bekannten Komponenten bedient, schafft Lina Frisch es, etwas Neuartiges auf den Markt zu bringen. Der Auftakt der Dilogie befasst sich mit wichtigen Themen und kann mit interessanten, nicht stereotypischen Charakteren sowie einem spannenden Setting auffahren. Ein Pageturner für Dystopie-Fans und solche, die es werden wollen.


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