Very First Time – Mein Masterplan in Sachen Liebe (Cameron Lund)

Very First Time – Mein Masterplan in Sachen Liebe (Cameron Lund)

Klappentext:

Die 18-jährige Keely steht kurz vor ihrem Highschool-Abschluss, und sie freut sich schon riesig auf das Collegeleben. Doch eins ist für sie klar: Bevor es so weit ist, will sie endlich ihr erstes Mal hinter sich zu bringen. Auf keinen Fall kann sie sich am College als Anfängerin in Sachen Sex outen. Ein Plan muss her, und Keely beschließt, dass für das erste Mal niemand besser geeignet ist als ihr bester Freund Andrew. Immerhin kennen die beiden sich schon ewig, also werden ihnen bestimmt keine Gefühle im Weg stehen. Oder etwa doch?


Rezension:

Nachdem Keely auf einer Party mitten in das erste Mal ihrer Freundin platzt, wird ihr klar, dass sie die letzte in der Clique ist, die noch keinen Sex hatte. Für die meisten Jungs in ihrem Alter ist sie eher der Kumpeltyp und keiner zeigt Interesse an ihr. Deshalb beschließt sie, dass sie das letzte Highschool-Jahr auf jeden Fall dafür nutzen möchte, ihre Unschuld zu verlieren und so auf die Collegezeit vorbereitet zu sein. Jetzt fehlt nur noch ein Kerl für die Umsetzung ihres Plans, und wer käme da besser in Frage als ihr bester Freund Andrew? Immerhin hatte der schon viele Freundinnen und bringt daher jede Menge Erfahrung mit. Als Keely bei ihrem neuen Nebenjob Dean kennen lernt, wird die Sache ernst, denn Dean ist hinreißend. Jetzt muss nur noch Andrew in Keelys Plan eingeweiht werden, und irgendwie finden sich dafür nicht die richtigen Worte. Doch Keely ist fest entschlossen, ihren Plan in die Tat umzusetzen.

Ist das Liebe? Wenn sich eine Person in deinen Kopf drängt, Stück für Stück an deinem Herzen knabbert, an deiner Seele, und dich am Ende voll und ganz verschlingt? Liebe ist nur ein Parasit.
(Seite 282)

Cover und Klappentext versprechen eine klassische Coming of Age-Story und der Einstieg gelingt gut. Man lernt Keely direkt kennen und wird gleich in ihre Gedankenwelt eingeführt – auch wenn man selbst nicht mehr zur Zielgruppe gehört, fällt es leicht, sich in Keely hineinzuversetzen. Insgesamt ist der Sprachstil sehr jugendlich gehalten, was die Lektüre leichtfüßig und kurzweilig macht. Auch die anderen Charaktere sind Cameron Lund authentisch und sympathisch gelungen, zumindest anfänglich. Mit der Zeit entwickeln sich allerdings sowohl die Geschichte als auch die Charaktere in eine Richtung, die dem Leser immer wieder sauer aufstoßen. Schnell rutscht die Gestaltung ins Klischeehafte ab, und das leider auf eine lehrreiche Art, sondern eher mit dem Eindruck, als würden alle Stereotypen unbedingt mit der Story abgedeckt werden müssen. Das Thema, mit 18 als einzige im Freundeskreis noch Jungfrau zu sein, wird ins Unerträgliche ausgeschlachtet, Jungs sind generell Arschlöcher und nutzen Mädchen nur für Sex aus, und zu viele Formulierungen sind überaus fragwürdig – für die Zielgruppe ist es möglicherweise sogar gefährlich, mit derartigen Botschaften konfrontiert zu werden. Selbst die Charaktere, die anfangs mit einem Lächeln vom Leser begrüßt werden, verlieren schnell Sympathiepunkte.

Cameron Lund hat mit der Umsetzung ihrer Grundidee leider eine Menge Potential verschenkt. Dass Jugendliche ihre Sexualität entdecken und einiges ausprobieren, bietet guten Stoff für eine Geschichte, die der Zielgruppe ein paar wichtige Dinge vermitteln könnte. Zwar greift die Autorin einige wichtige Themen auf und liefert auch diverse Kritikpunkte zum Nachdenken, lässt diese aber viel zu schnell als Nebensächlichkeiten unter den Tisch fallen. Viel zu oft rutscht Keelys Gedankenwelt ins Kitschige und bleibt unreflektiert, auch die Aussagen ihrer Freundinnen und vor allem Deans Umgang mit ihr sind mehr als ein Mal als fragwürdig einzustufen. Ihre innere Zerrissenheit ist zwar gut dargestellt, stößt aber kaum auf Verständnis – wie das bei der eigentlichen Zielgruppe ankommt und welche Botschaften dadurch vermittelt werden, lässt sich nur schwer einschätzen. Gesunder Umgang mit erwachender Sexualität sollte allerdings anders aussehen. Und dass der große Moment nach langem Vorgeplänkel auf nur knapp zwei Seiten abgehandelt wird und überhaupt nichts Besonderes ist, macht die Geschichte vielleicht realistischer, wirft aber auch ein falsches Licht auf die vorher zumindest teilweise, wenn auch unbeholfenen, eingebundenen Lektionen.

Alles in allem ist Very First Time – Mein Masterplan in Sachen Liebe kein schlechtes Buch, vermittelt aber größtenteils die falschen Botschaften für Heranwachsende. Solange man die Geschichte nicht zu ernst nimmt, kann man sich auf ein paar unterhaltsame Stunden freuen. Empfehlenswert ist die Lektüre für die Zielgruppe allerdings nicht unbedingt, die Thematik wird von anderen Büchern angemessener aufgegriffen.


Fazit:

Von der Grundidee her könnte Very First Time ein unterhaltsamer Coming of Age-Roman sein – das letzte Highschool-Jahr, das erste Mal, der sich verändernde Beziehung zum besten Freund, die erste Liebe. Leider schafft Cameron Lund es nicht, das Potential der Geschichte auszuschöpfen. Daher bleibt Mein Masterplan in Sachen Liebe nur eine nette Lektüre mit einigen Schwächen für zwischendurch, aber danach nicht lange im Kopf des Lesers.


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