Metamorphose am Rande des Himmels (Mathias Malzieu)

Metamorphose am Rande des Himmels (Mathias Malzieu)

Klappentext:

Ein phantastisches Meisterwerk über die Überwindung des Todes durch die Wandlungskraft der Liebe

Tom Cloudman, Hobby-Stuntman mit Leidenschaft fürs Fliegen, ist unheilbar erkrankt. Doch den Traum vom Fliegen gibt er nicht auf. Nachts schleicht er sich aufs Krankenhausdach und begegnet dort Endorphina, einer geheimnisvollen Frau, die federn trägt und fliegen kann. Sie macht Tom einen einzigartigen Vorschlag, um ihn von seiner tödlichen Krankheit zu befreien …


Rezension:

Ich heiße Tom »Häma-Tom« Cloudman. Man sagt, ich sei der schlechteste Stuntman aller Zeiten. Ganz falsch ist das nicht. Ich bin außergewöhnlich ungeschickt und laufe ständig überall gegen. Ich beneide die Vögel um ihre Freiheit, vielleicht schaue ich zu oft zu ihnen hoch. Schon auf dem Schulhof zog ich Rollschuhe an, um fliegen zu üben. Ich raste auf einem alten Skateboard das Schuldach hinunter und wedelte dabei heftig mit Pappflügeln. Aber ich flog nicht hoch, sondern immer nur auf die Nase.
(Seite 9)

Schon als kleiner Junge hat Tom Cloudman immer davon geträumt, sich wie ein Vogel in die Lüfte zu schwingen und alles hinter sich zu lassen. Er findet seine Berufung im Dasein eines Stuntmans, auch wenn er dabei eine eher schlechte Figur macht. Doch er kann die Menschen, wohin er auch kommt, immer bestens unterhalten, und so schlimm sind seine Verletzungen auch nicht, dass er damit aufhören würde. Stattdessen baute er sich einen fahrbaren Sarg, der gleichzeitig Fortbewegungsmittel und Schlafplatz für ihn ist, und begann, die Welt zu bereisen. Denn arbeiten konnte er schließlich überall, als Stuntman braucht man keine Festanstellung, sondern nur Möglichkeiten zum Runterspringen.
Als Tom sich jedoch eines Tages so schwer verletzt, dass er tatsächlich ins Krankenhaus muss, ist es schlagartig vorbei mit seiner Karriere als Stuntman, denn die Ärzte stellen eine unheilbare Krankheit fest und Tom ist für den Rest seines voraussichtlich nur noch kurz andauernden Lebens förmlich ans Bett gefesselt. Doch auch das hindert ihn nicht daran, weiterhin seiner Berufung nachzukommen, und so lernt er eines Nachts Endorphina kennen – eine zauberhafte Vogelfrau, die auf dem Dach des Krankenhauses lebt. Sie hat die Möglichkeit, Tom das Leben zu retten und ihm gleichzeitig seinen größten Traum zu erfüllen. Doch dieser Deal ist an Bedingungen geknüpft und dadurch mit Entscheidungen verbunden, die nicht leichtfertig zu treffen sind …

Nach Die Mechanik des Herzens, das den Leser schon enorm verzaubern konnte, folgt nun mit Metamorphose am Rande des Himmels der lang ersehnte Nachfolger von Mathias Malzieu. Und auch dieses Mal versteht der Autor es, eine sanfte Liebesgeschichte in poetische und anspruchsvolle Sprache zu packen. Wie auch schon in seinem ersten Roman wird das Hauptaugenmerk hier ebenfalls auf die romantische Seite der Story gelegt, doch auch die zu übermittelnde Botschaft für das Leben kommt wieder nicht zu kurz. Dieses Mal geht es im Grundsatz um die Kernaussage, dass kein Traum zu unrealistisch und schon gar nicht unerreichbar ist – der Autor macht aber auch deutlich, dass man manchmal auch Risiken eingehen und Abstriche machen muss, um sich Träume zu erfüllen. Für den Leser ist der Genuss von Malzieus Büchern also gar nicht unbedingt so sehr der Unterhaltung geschuldet, sondern darf gerne auch darüber hinaus beschäftigen.

Das zeigt auch die Gestaltung der Charaktere – Tom scheint von Geburt an ein hoffnungsloser Fall zu sein, doch er hat eine genaue Vorstellung vom Leben und arbeitet in all den Jahren auf nichts anderes hin, als auf die Erfüllung seines Traumes vom Fliegen. Ihm ist dabei egal, dass er sich in den Augen anderer Menschen vielleicht lächerlich machen könnte, diese Tatsache nutzt er stattdessen zu seinem Vorteil und macht sich auf diese Weise einen Namen. Von ihm kann man nicht viel Überraschendes erwarten, doch während des Krankenhausaufenthaltes wird dem Leser schnell klar, dass Tom eine gute Seele hat und es nur gerecht wäre, wenn ihm sein großer Wunsch erfüllt werden würde. Endorphina hingegen erscheint verhältnismäßig spät auf der Bildfläche und der Leser hat kaum Gelegenheit, sie wirklich kennen zu lernen, als sie auch schon die erste Überraschung parat hat. Versteckt scheint Malzieu also vermitteln zu wollen, dass niemand wirklich die Person ist, wie es im ersten Moment den Anschein haben mag, und dass sich ein zweiter Blick immer bezahlt macht. Auch die Darstellung der verschiedenen Lebensbereiche von Tom und Endorphina bieten dem Leser einen tollen Einblick in die Welt, wie sie eben ist. Man entdeckt ganz plötzlich ein zauberhaftes Paradies inmitten eines alltäglichen Gebäudes und stellt fest, dass man der Erfüllung seiner Träume um einiges näher ist, als man zu hoffen wagte. Eine schöne Symbolik, die Malzieu in seinem zweiten Roman verwendet und in eine wundersam anmutige Sprache zu verpacken weiß.

Im Gesamtpaket kann Metamorphose am Rande des Himmels einmal mehr von Mathias Malzieus schreiberischen Fähigkeiten überzeugen und den Leser in seinen Bann ziehen. Liebhabern von Sprachfeinheiten und bildreichen Worten sei dieses Kleinod der Literatur vorbehaltlos ans Herz gelegt und zum genießerischen Schmökern empfohlen. Zwar kann die ausschweifende Sprache des Autors mitunter etwas zu viel sein, doch die mit Worten gezeichneten Bilder entschädigen für jede eventuelle Anstrengung, bevor man wirklich angestrengt ist. Eine Leseempfehlung für all die, die sich an etwas Neuem versuchen möchten und dabei nicht vor ein wenig Kopf-Arbeit zurückschrecken – denn um Malzieu wirklich genießen zu können, muss man sich ihm und seinem Sprachstil öffnen. Doch dieser Schritt lohnt sich in jedem Fall.


Fazit:

In gewohnter Manier kann Mathias Malzieu auch mit seinem zweiten Roman Metamorphose am Rande des Himmels sprachlich auf höchstem Niveau begeistern und verzaubern. Eine zarte Liebesgeschichte mit phantastischen Elementen, die ein wenig wehmütig macht, aber auch beweist, dass Träume sich manchmal erfüllen können. Ein wunderbarer Roman, der nicht nur Sprachliebhabern und Romantikern das Herz wärmen wird und der nachhaltig auch über eigene Träume nachdenken lässt.

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eine Kommentar
  1. Nana sagt:

    Oh wie schön :)) Ich freu mich, dass dir das Buch so gefallen hat. Ich hab „Die Mechanik des Herzens“ wirklich wirklich wirklich gemocht und hatte schone in klein wenig Bammel vor dieser neuen Geschichte :D Und ich freu mich, dass diese Angst unbegründet ist :D

    Wunderbare Rezension :)
    Liebe Grüße und einen schönen Abend!

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