Sex/Life (BB Easton)

Sex/Life (BB Easton)

Klappentext:

BB ist frustriert. Denn das Sexleben mit ihrem sehr attraktiven, aber leider wenig einfallsreichen Mann ist nach vielen Jahren Ehe alles andere als aufregend. Der Alltag, der Stress, die Kinder … Man kennt es. Um wenigstens in der Fantasie ein wenig Prickeln zu erleben, beginnt sie Tagebuch über die erotischen Erlebnisse mit ihren Verflossenen zu führen. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Was sie nicht weiß: Ihr Ehemann liest heimlich mit, was sie schreibt, und legt sich von da an richtig ins Zeug …


Rezension:

Obwohl BB seit zehn Jahren mehr oder weniger glücklich mit ihrem Mann verheiratet ist und inzwischen auch zwei Kinder mit ihm hat, gibt es etwas, das ihr in ihrem Leben fehlt: aufregender, befriedigender, erfüllender Sex. Um herauszufinden, wie sie das ändern kann, beginnt sie kurzerhand Tagebuch zu führen, um ihre Gedanken zu ordnen und ein Stück weit auch in Erinnerungen an vergangene Liebhaber zu schwelgen. Als ihr dann dezente Veränderungen an ihrem Mann auffallen, ist sie sich sicher, dass er ihr Tagebuch entdeckt und darin gelesen hat. Kurzerhand beschließt BB, nach einem Kriegsrat mit ihrer besten Freundin, ein zweites Tagebuch zu schreiben – das sie explizit als streng geheim betitelt und welches ihr Mann auf gar keinen Fall lesen darf. In diesem verdreht sie die Wahrheit auf sehr pikante Art, um ihn noch mehr aus seinem Schneckenhaus zu locken. Parallel dazu versteckt sie ihr echtes Tagebuch unter einem langweiligen Thema auf dem Laptop und hält in diesem die Entwicklungen ihres ehelichen Sexlebens weiterhin fest. Der Plan geht auf – aber wie weit kann sie das Spiel treiben, bevor alles auffliegt?

Das ist also Familie, dachte ich. Bloß ein Haus voller Leute, die alle an deinen Titten saugen.
Und in deiner Vagina gewesen sind.
(Seite 118)

Dass das Sexleben meistens im Laufe der Ehejahre irgendwann einschläft oder zumindest seinen Reiz verliert und eher zu einer Art Pflichtveranstaltung wird, ist wahrscheinlich kein neues Thema. BB Easton greift in ihrem Tagebuchroman Sex/Life, der inzwischen auch als Serie verfilmt wurde, genau diese Thematik auf und berichtet aus Sicht einer Ehefrau von ihrem sexuellen Frust und ihrem ansonsten perfekten Eheleben. Der Klappentext verspricht amüsante und prickelnde Anekdoten und als Leser freut man sich auf die vergangenen sexuellen Abenteuer, die in der Tat auch sehr explizit beschrieben werden. Neben diesen Berichten, die in Form von streng geheimen Tagebucheinträgen erzählt werden, wird die Autorin allerdings auch nicht müde, immer wieder zu betonen, wie großartig und attraktiv und bodenständig und langweilig, aber eigentlich perfekt der Ehemann ist. Das stößt ein wenig sauer auf, denn man bekommt schnell den Eindruck, dass die BB aus dem Buch vor allem eins ist: nicht im Reinen mit sich selbst. Und um das zu ändern, ist sie der Meinung, ihren Ehemann manipulieren zu müssen, damit er seine Liebe auf eine ganz bestimmte, von ihr gewünschte Art unter Beweis und zur Schau stellt.

Zwischendurch blitzt immer ml wieder ein angenehmer Humor durch und es gibt Abschnitte, die durchaus zum Schmunzeln bringen. Alles in allem wird aber auch viel mit Lückenfüllern und Wiederholungen gearbeitet, die nach den fünften oder sechsten Mal nur noch nerven. Während das streng geheime Tagebuch nur dazu da ist, ihren Mann auf nicht gerade subtile Weise mit sehr großzügig ausgeschmückten Versionen der Wahrheit dazu zu bringen, mehr Initiative beim Sex und in Sachen Komplimenten und Liebeserklärungen zu zeigen, bekommt der Leser parallel in BBs echtem Tagebuch die wahren Geschichten ihrer verflossenen Liebhaber erzählt. Hier offenbart sich erst das volle Ausmaß der Manipulationsabsichten, die moralisch sicherlich nicht immer einwandfrei sind. Aufgelockert durch ebenfalls recht fragwürdige Chatverläufe und eMails zwischen BB und ihrer besten Freundin ist Sex/Life ein Buch, das man durchaus lesen kann, aber nicht unbedingt lesen muss. Es ist eine nette Lektüre ohne großen Anspruch, mit expliziten sexy Szenen und auch der einen oder anderen bestimmt – hoffentlich – bewusst formulierten Spitze.


Fazit:

Spätestens seit der gleichnamigen Serie, die auf Grundlage des Buches basiert, ist Sex/Life in aller Munde. BB Easton hat mit ihren zwei Tagebüchern eine Art besonderes Machtspielchen erschaffen, in dem es vor allem um drei Dinge geht: Manipulation, heißer Sex und mangelnde Kommunikation in der Ehe. Moralisch betrachtet ist die Lektüre so manches Mal eine Grauzone, und leider sind die Anekdoten nur zu einem gewissen Teil amüsant. Insgesamt ein Buch für Zwischendurch, das mit Vorsicht zu genießen ist.


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