Legend II – Schwelender Sturm (Marie Lu)

Legend II – Schwelender Sturm (Marie Lu)

Klappentext:

Der Zweck heiligt die Mittel, oder? Den einen Menschen loszuwerden, der die Verantwortung für dieses ganze verfluchte System trägt, scheint mir ein ziemlich kleiner Preis dafür zu sein, eine Revolution in Gang zu setzen.

Ein Leben im Untergrund.
Ein Kampf gegen Unterdrückung und Gewalt.
Und eine Liebe, die dem Hass entgegentritt.
Eine Liebe, die Freiheit und Gerechtigkeit verheißt.
Dies ist die Geschichte von Day und June.
Sie sind eine Legende und die Hoffnung der Republik.


Rezension:

Nach Junes großem Einsatz bei der Befreiung Days sind beide auf der Flucht und können im Grunde nirgendwo hin. Da sich Days jüngerer Bruder Eden jedoch immer noch in den Händen der Republik befindet, schließt sich das Paar den Patrioten im Kampf gegen die Regierung an. Umgehend wird June auf raffinierte Weise wieder ins System eingeschleust, um von innen heraus zu agieren, während Day bei den Patrioten bleibt und die neuen Verbündeten dort bei den konkreten Vorbereitungsplänen unterstützt. Dass June der Rebellenvereinigung am meisten in den Kreisen der Regierung dienen kann, liegt vor allem am nächsten Schachzug der Rebellen: Denn sie wollen den neuen Elektor aus dem Weg schaffen. Anden hat verhältnismäßig jung die Nachfolge seines Vaters angetreten und alle sind davon überzeugt, dass er die gleichen Ziele wie sein Vorgänger verfolgt. Doch je mehr June den jungen Elektor kennen lernt, desto bewusster wird ihr, dass er ganz andere Pläne hat, denn für ihn haben sein Vater und dessen Vorgänger nicht für, sondern eher gegen das Volk gearbeitet. Und das möchte er gerne ändern. Doch hierfür benötigt er die Hilfe zweier Menschen, die beim Volk ein hohes Ansehen haben – nämlich June und Day. Und wieder stellt sich die Frage, wem die beiden vertrauen können, denn nicht jeder ist wirklich so, wie zu sein er vorgibt.

Nach einem sehr durchschnittlichen Auftaktband kann Marie Lu mit ihrer Legend-Fortsetzung Schwelender Sturm um einiges mehr überzeugen. Die Handlung ist ein wenig ausgereifter und turbulenter, die Protagonisten können sich noch mehr entfalten und vor allem so mancher Überraschungsmoment bietet dem Leser ein willkommenes Auf und Ab des Adrenalinspiegels. Eine deutlich erkennbare Steigerung des Inhalts liefert daher einen viel mehr Lesespaß bereitenden Mittelteil der Trilogie, die durch mehr Tiefe und einen sehr überraschenden, aber auch erschreckenden Umschwung auf den letzten Seiten zeigt, wie viel Potential wirklich in der Geschichte steckt. Abgesehen von einigen wenigen tatsächlich spannenden und Atem raubenden Szenen bleibt die Story allerdings auch im zweiten Teil um June und Day eher flach, sodass das Tempo als nahezu gleichbleibend beschrieben werden kann. Erst im letzten Drittel schafft Marie Lu es, auch skeptische Leser mitzureißen und auf die Seite ihrer Protagonisten zu ziehen.

Das Hauptaugenmerk ist in diesem Band vor allem auf zahlreiche Actionszenen gelegt worden, die auf Verfolgungsjagden aufbauen und fast immer in einer gewollten oder auch ungewollten Explosion enden. Dies dürfte zwar diejenigen unter den Lesern zufrieden stellen, die es ein wenig turbulenter mögen, doch insgesamt sind auch diese Szenen eher schwach, obwohl sie ihre Höhepunkte haben. Was im Gegenteil definitiv zu kurz kommt, ist die sich anbahnende Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, die irgendwie immer zwischen ihnen schwebt, aber nie wirklich ausgelebt wird. Als Leser fühlt man sich, vor allem durch die vorübergehende Unterbrechung, eher hingehalten – im Grunde wartet man die ganze Zeit, dass endlich etwas Richtiges passiert und jeder (Gute) das bekommt, was er sich wünscht. Natürlich könnte man sagen, dass all das zum Konzept von Legend gehört und sich alle Fäden im dritten Band endlich miteinander verknüpfen lassen. Doch unterm Strich stellt sich die Frage, ob Marie Lu sich hier nicht ein wenig zu sehr zurückgenommen hat und ihren Protagonisten zu viele Steine in den Weg legt, wo doch alle wissen, dass Day und June zueinander gehören.

Eines schafft Schwelender Sturm allerdings in jedem Fall: Er macht Lust auf das Ende der Trilogie und verspricht bei gleichbleibender Steigerung ein wirklich spannendes Finale in vielerlei Hinsicht. Im Vergleich zum Auftakt Fallender Himmel konnte dieser zweite Band mehr Überzeugungsarbeit leisten – doch um komplett zu überzeugen, muss Marie Lu im dritten und letzten Band noch den einen oder anderen Trumpf aus dem Ärmel ziehen.


Fazit:

Legend – Schwelender Sturm ist um einiges rasanter und überraschender als sein Vorgänger und kann daher definitiv mehr überzeugen. Da sich Marie Lu aber auch hier wieder reichlich an Klischees und Standards bedient, bleibt leider auch der zweite Band der Legend-Trilogie nur Mittelmaß. Wenn Marie Lu sich ein weiteres Mal derart steigern kann, könnte der dritte Teil das Ruder jedoch komplett herumreißen – denn der Cliffhanger verspricht einen ziemlich aufregenden und emotionsgeladenen Abschluss.




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