Backstage: Eine Zugfahrt, die ist lustig …

sw_bs01… oder auch nicht. Oder vielleicht doch, denn rückblickend gesehen kann ich tatsächlich ein wenig darüber schmunzeln. Nach all den Rezensionen in der letzten Zeit (keine Sorge, weitere folgen bald) möchte ich euch heute endlich mal wieder einen kleinen Artikel schreiben und euch von einem Erlebnis mit der Deutschen Bahn erzählen, wie es sich letzte Woche Montag tatsächlich ereignet hat.

Am vorhergehenden Freitag erhielt ich eine Art Hilferuf von einer sehr engen Freundin. Dieser brachte mich dann dazu, mich Montag nach der Arbeit in den Zug nach Berlin zu setzen, um am Abend bei einer Lesung dabei zu sein und für den Wortrückhalt zu sorgen und der wunderbaren Lilly ein wenig von ihrer Angst zu nehmen. Ich fuhr nicht allein, eine liebe Seele entschied sehr spontan, mich zu begleiten. Auf der Hinfahrt lief alles reibungslos, am Berliner Hauptbahnhof wurden wir von einer weiteren lieben Seele eingesammelt, und so saßen wir schließlich in der zweiten Reihe und waren einmal mehr gefesselt von den Worten, die wir inzwischen fast auswendig kennen.

Leider mussten wir nach der Lesung ein wenig überstürzt verschwinden, weil unser Zug zurück nach Hamburg planmäßig um 22:55 Uhr vom Hauptbahnhof abfahren sollte. Schon bei der Ankunft am Gleis informierte uns die elektronische Anzeige, dass der Zug ca. 25 Minuten Verspätung haben würde. Ganz toll, ich verabschiedete mich also von dem Gedanken, in dieser Nacht wenigstens fünf Stunden Schlaf zu bekommen, schließlich musste ich am Folgetag wieder um sechs aufstehen und ins Büro fahren.
Seltsamerweise fuhr der Zug dann aber pünktlich vor und ließ die Fahrgäste aus- und einsteigen.
Und dann standen wir dort auf dem Gleis im Berliner Hauptbahnhof. Fast eine ganze Stunde lang. Es wurde unter den Fahrgästen diskutiert, Vermutungen wurden aufgestellt – die Deutsche Bahn selbst hielt es nicht für nötig, uns irgendeine Information darüber zukommen zu lassen. Warum denn auch, es war ja schließlich nur spät am Montagabend und wir saßen im letzten Zug nach Hamburg, mit dem man ganz eventuell noch die letzte U-Bahn in Richtung nach Hause bekommen würde.

bahnfahren-zug-ice

Nun ja, irgendwann setzte sich der Zug in Bewegung und endlich, endlich sollten auch die Fahrgäste mal erfahren, was nun zu einer knapp einstündigen Wartezeit im Berliner Hauptbahnhof geführt hatte: Es gab einen Wildunfall. Auf dem Weg zum Ziel ist der Zug nämlich in eine Horde Rehe gerauscht und der Aufprall hatte anscheinend den Zugwaggon beschädigt, sodass der ICE nur noch mit einer unglaublichen Geschwindigkeit von ganzen 50 km/h nach Berlin weiterfahren konnte. Seltsamerweise war er trotzdem pünktlich zur angekündigten Zeit da – anscheinend musste er wohl erstmal repariert werden, denn weitergefahren ist er jedenfalls nicht. Einfach den Zug auszutauschen wäre ja auch völlig weit hergeholt gewesen … und wie es den Rehen geht, hat uns auch keiner gesagt. Nur der Chef vom Bordrestaurant musste ein wenig bei seiner Ansage schmunzeln, auch wenn es kein Wildgulasch und kein Rehragout als Tagesempfehlung gab.

Am Ende dieses Abenteuers lag ich erst gegen 02:00 Uhr in meinem Bett, nachdem mich eine sehr nette Taxifahrerin vom Hamburg Hbf für mein letztes Bargeld nach Hause gebracht hatte, und freute mich darauf, dass der Wecker um 06:00 Uhr wieder total unbarmherzig an meinen Nerven kratzen würde. Trotzdem würde ich jederzeit wieder so handeln, denn die Courage, der Zusammenhalt und der Wortrückhalt sind alle Anstrengungen immer wieder wert und der „Lohn“ unbezahlbar.

Ich muss dazu sagen, dass ich noch nie wirklich Probleme mit der Deutschen Bahn hatte *auf Holz klopf* Sicher gab es hier und da mal ein wenig Verspätung, aber so gravierend war es noch nie. Und ich hoffe, dass das so bleibt, denn ich liebe es, im Zug zu sitzen und ein wenig zu lesen oder zu schreiben oder mich einfach in meinen Gedanken zu verlieren, während die Landschaft am Fenster vorbei- und die Musik in meinen Ohren rauscht. Deshalb saß ich auch gerade erst vor zwei Tagen wieder im Zug und werde bereits morgen nach der Arbeit erneut auf den Gleisen reisen.

Wenn ihr mögt, lasst doch mal eure schrägste, ärgerlichste oder auch schönste Zugfahrgeschichte in den Kommentaren :)

Dieser Beitrag ist Teil 14 von 29 aus der Serie: Backstage | Zeige alle Teile

Teil 1: Neue Artikel-Kategorie: „Backstage“

Teil 2: Backstage: Wie viel Glück kann ein Mensch haben?

Teil 3: Backstage: Einmal und nie wieder!

Teil 4: Backstage: Warum mein Herz für Hamburg schlägt

Teil 5: Backstage: Shoppingwahn am Vor-Welttag des Buches

Teil 6: Backstage: Hamburger Nächte

Teil 7: Backstage: Draußen lesen

Teil 8: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht …

Teil 9: Backstage: A Question Of Lust – oder nicht?

Teil 10: Backstage: … Sonntagsgedanken …

Teil 11: Backstage: Jetzt beginnt mein (Lese)Wochenende …

Teil 12: Backstage: Gehaime vor- und nachwhainachtliche Überraschungspost

Teil 13: Backstage: Manchmal gibt’s so Momente …

Teil 14: Backstage: Eine Zugfahrt, die ist lustig …

Teil 15: Backstage: … durch Raum und Zeit und Worte …

Teil 16: Backstage: Interessante Jobangebote im richtigen Moment

Teil 17: Backstage: Wenn Schweigen zur Gewohnheit wird …

Teil 18: Backstage: Wenn eine gemeinsame Reise zu früh endet …

Teil 19: Backstage: „Ich muss mich leider über Dich beschweren.“

Teil 20: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 2)

Teil 21: Backstage: Wenn Alpträume nicht nur den Schlaf rauben.

Teil 22: Backstage: Der etwas andere Liebesbrief

Teil 23: Backstage: Warum Schwäche auch eine Stärke sein kann

Teil 24: Backstage: Somewhere over the rainbow

Teil 25: Backstage: Hi, my name is Chase!

Teil 26: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 3)

Teil 27: Backstage: Warum ich dieses Mal nicht am #litnetzwerk teilnehme

Teil 28: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 4)

Teil 29: Backstage: Sechs Monate, ein Jahr und zwei Leben


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2 Kommentare
  1. Hihi, mein lustigstes Zugerlebnis ist schon einige Jahre her. Ich bin in Hannover in einen ICE gestiegen, der aus Hamburg kam und nach Basel fuhr und absolut überfüllt war, sodass viele Leute stehen oder auf dem Boden sitzen mussten.
    Nachdem der Zug pünktlich aus dem Bahnhof rausgerollt war, kam die erste Ansage: Herzlich Willkommen an Board des ICE xyz, meine Damen und Herren, auf dem Weg nach Hamburg.“
    Erst war einen Moment Stille und keiner bewegte sich. Dann sagte eine Frau ganz laut: Ich will aber in die Schweiz! Und eine andere sagte: Ich komme gerade aus Hamburg!
    Und dann brach die große Panik aus, die erst durch die Schaffnerin beruhigt werden konnte, die ca. 5 Minuten später die Ansage brachte, dass sie noch nicht ausgeschlafen sei und sich vertan hätte, dieser Zug würde natürlich nach Basel fahren.
    Aber das waren lustige 5 Minuten und die bisher einzige fast eskalierte Massenpanik meines Lebens :-)

    • Schattenkämpferin sagt:

      Haha, auch sehr schön. Sowas passiert öfter mal in der Hamburg S- und U-Bahn, wenn der Zugführer eine oder manchmal auch zwei Stationen „hinterher hinkt“ ^^

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