Backstage: Jetzt beginnt mein (Lese)Wochenende …

sw_bs01Gerade habe ich meine letzte Schicht für diese Woche im Museum beendet, auf dem Weg nach Hause wird gleich noch eine Kleinigkeit eingekauft und jetzt werde ich den Rest des Wochenendes nicht mehr viel machen. Nur noch in meinem warmen Bett lümmeln, viel Schlaf nachholen, vielleicht ein paar weitere Folgen meiner aktuellen DVD-Serien-Sucht-Befriedigung schauen und in jedem Fall endlich mal wieder ausgiebig lesen. Denn Lesen kommt in letzter Zeit viel zu kurz, obwohl so viele tolle Bücher auf mich warten.

Früher sahen alle meine Wochenenden so aus. Und jeder einzelne Abend in der Woche. „Früher“ war vor zwei oder drei Jahren. Damals habe ich in einer Woche durchschnittlich drei bis fünf Bücher gelesen. Bücher mit vielen Seiten, keine 100 bis 200 Seiten starken Hefte, die man einmal aufschlägt, inhaliert und dann wieder zuschlägt. Doch dann lernte ich viele tolle Menschen in Hamburg kennen und auf einmal hatte ich einen so großen Bekannten- und Freundeskreis, dass ich lieber draußen unterwegs war. Und obwohl ich mir regelmäßig „Lesewochenenden“ vorgenommen habe, kam immer irgendwas dazwischen – und das war gut so, denn wie sehr ich mich eigentlich eingeigelt hatte, habe ich erst in dieser Zeit gemerkt.

Fehlt mir das? Fehlen mir diese Stunden des puren Versinkens in einem ausgedachten Leben? Wenn ich ehrlich bin, dann tun sie das. Doch ich habe dieses Versinken so exzessiv gelebt, dass ich mich selbst gleichzeitig einsam gemacht habe. Zum Teil bewusst, zum Teil unbewusst. Ich habe diese Zeit damals sehr genossen, aber ich weiß auch, dass ich nie wieder dorthin zurück möchte. Bücher waren für mich immer sehr angenehme Begleiter und eine wundervolle Möglichkeit, vor meinem eigenen Leben und Problemen, vor meinen Erinnerungen und Ängsten zu fliehen. Heute bin ich in der Lage, mich mit alldem angemessen auseinander zu setzen. Und trotzdem ertappe ich mich hin und wieder bei dem Gedanken, so einen Tag mal wieder auszuprobieren. Mich in meiner Wohnung einzuschließen, für niemanden erreichbar zu sein und einfach nur den schwindelerregend hohen Bücherstapel (eigentlich ist es inzwischen eine ganze Büchermauer) neben meinem Bett wegzulesen.

lesesonntagFür den Rest des Wochenendes habe ich nun also einmal mehr den Plan gefasst, mich ausschließlich meiner Leseleidenschaft hinzugeben. Da die letzten Wochen in vielerlei Hinsicht recht anstrengend waren, nehme ich mir auch nicht allzu viel vor. Aber drei Bücher sind nun in der engeren Auswahl – zwei von ihnen möchte ich morgen lesen und das dritte wenigstens endlich fortsetzen, nachdem es nun so lange pausieren musste. Wie viele Seiten es dann letztenendlich morgen Abend beim Lichtausschalten tatsächlich geworden sind, wird man sehen. Ich habe in Bezug darauf auch keine unrealistischen Vorstellungen, hoffe aber darauf, dass ich zumindest ein wenig voran komme.

„Der Gottbettler“ von Michael M. Thurner liegt schon seit einiger Zeit bei mir auf dem „read next“-SuB und ich habe bisher nur gute und begeisterte Stimmen zu dem Buch gehört. Daher war ich von Anfang an sehr gespannt, aber wie es so ist, kommt immer wieder ein anderes Buch per Postboten angeflogen und muss dann ganz schnell noch zwischengeschoben werden. Genau das passierte mit meiner aktuellen Lektüre und so ging es letzte Woche auch mit „Edelherb“ von Gabrielle Zevin, auf das ich mich schon seit seinem Vorgänger extrem freue. Diese beiden stehen nun für mein kurzes Wochenende an oberster Stelle, gleich nachdem ich „Rette mich vor dir“ in knapp 50 Seiten beendet habe. Und schließlich das arme „Todeskind“ von Karen Rose, das direkt nach der Buchmesse sofort angefangen und danach ganz stiefmütterlich auf die zweite Seite meines Doppelbettes gelegt wurde, anderen Büchern weichen musste, und seitdem darauf wartet, dass ich endlich weiterlese. Vielleicht klappt es dieses Wochenende endlich, dass ich zurück in dieses wunderbar verzweigte Netzwerk von Roses Geschichten finde.

So werden also die nächsten Stunden und der ganze morgige Tag aussehen. Und ehrlich gesagt freue ich mich schon darauf, wieder einmal ausgiebig zu lesen und in fremden Welten zu versinken. Denn ja, das fehlt mir, dieses Aus- und Abschweifen und alles andere dabei zu vergessen. Doch komplett verlieren werde ich mich dabei wohl nicht mehr – dafür genieße ich mein „neues“ Leben einfach viel zu sehr und bin zu dankbar für all die wunderbaren Menschen, mit denen ich tolle – literatur-bezogene, aber auch literatur-unabhängige – Momente teilen kann.

Dieser Beitrag ist Teil 11 von 29 aus der Serie: Backstage | Zeige alle Teile

Teil 1: Neue Artikel-Kategorie: „Backstage“

Teil 2: Backstage: Wie viel Glück kann ein Mensch haben?

Teil 3: Backstage: Einmal und nie wieder!

Teil 4: Backstage: Warum mein Herz für Hamburg schlägt

Teil 5: Backstage: Shoppingwahn am Vor-Welttag des Buches

Teil 6: Backstage: Hamburger Nächte

Teil 7: Backstage: Draußen lesen

Teil 8: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht …

Teil 9: Backstage: A Question Of Lust – oder nicht?

Teil 10: Backstage: … Sonntagsgedanken …

Teil 11: Backstage: Jetzt beginnt mein (Lese)Wochenende …

Teil 12: Backstage: Gehaime vor- und nachwhainachtliche Überraschungspost

Teil 13: Backstage: Manchmal gibt’s so Momente …

Teil 14: Backstage: Eine Zugfahrt, die ist lustig …

Teil 15: Backstage: … durch Raum und Zeit und Worte …

Teil 16: Backstage: Interessante Jobangebote im richtigen Moment

Teil 17: Backstage: Wenn Schweigen zur Gewohnheit wird …

Teil 18: Backstage: Wenn eine gemeinsame Reise zu früh endet …

Teil 19: Backstage: „Ich muss mich leider über Dich beschweren.“

Teil 20: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 2)

Teil 21: Backstage: Wenn Alpträume nicht nur den Schlaf rauben.

Teil 22: Backstage: Der etwas andere Liebesbrief

Teil 23: Backstage: Warum Schwäche auch eine Stärke sein kann

Teil 24: Backstage: Somewhere over the rainbow

Teil 25: Backstage: Hi, my name is Chase!

Teil 26: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 3)

Teil 27: Backstage: Warum ich dieses Mal nicht am #litnetzwerk teilnehme

Teil 28: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 4)

Teil 29: Backstage: Sechs Monate, ein Jahr und zwei Leben


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eine Kommentar
  1. Nana sagt:

    ein wunderbarer Beitrag :) ich hab mich (und tue es manchmal noch) auch selbst isoliert, in dem ich Bücher oft den Menschen vorgezogen habe :) Das betreibe ich nun auch nicht mehr derart exzessiv – aber wenn,ich Gelegenheit dazu habe, dann genieße ich es in vollen Zügen!

    In diesem Sinne: genieße dein wohlverdientes Lesewochenende! :)
    Nana

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