Backstage: Wenn Alpträume nicht nur den Schlaf rauben.

sw_bs01Es gab lange keinen „richtigen“ Backstage-Artikel. Doch nachdem mich ein richtig fieser Alptraum nun nach ebenfalls langer Zeit mal wieder für einen ausführlichen Eintrag zu meinem analogen Tagebuch greifen ließ, habe ich mir gedacht, dass dieser Alptraum einen gesonderten Beitrag in dieser speziellen Kategorie wert ist. Insgeheim erhoffe ich mir, dass vielleicht einige meiner Leser ein bisschen was von Traumdeutung verstehen und mir dazu etwas sagen können. Und wie immer weiß ich, dass schon das bloße Aufschreiben meiner Gedanken hilfreich für die Verarbeitung sein wird. Ihr seid trotzdem wie immer herzlich eingeladen, eure Gedanken hierzu zu äußern.

Seit ich aus den USA zurück bin, ist mein Schlafrhythmus ziemlich durcheinander. Natürlich hing das anfänglich mit der Zeitverschiebung zusammen und auch in den Wochen nach dem schlimmsten Jetlag war mein Tagesablauf durch den häufigen Kontakt zu meinen dortigen Freunden sehr verschoben. Doch inzwischen sind knapp sechs Wochen vergangen und meine Schlafgewohnheiten bleiben weiterhin „messed up“, wie der Amerikaner sagen würde. Zusätzlich zu diesen Nachwirkungen meiner Reise, die vorhersehbar waren, kommen nun seit etwa drei Wochen regelmäßig zu den schlaflosen Nächten Alpträume hinzu. Das heißt, entweder schlafe ich so gut wie gar nicht und nur sehr unruhig oder aber ich schlafe sehr fest und träume schlecht.

Generell bin ich jemand, der viel und oft träumt. Doch ich weiß immer, dass ich mich gerade in einem Traum befinde, völlig egal, wie schlimm der Traum ist. Auch beim Aufwachen kann ich immer mit Klarheit sagen, dass es nur ein Traum war. Nicht so bei meinem letzten Alptraum. Und eigentlich auch schon bei dem Alptraum davor. Beide sind unabhängig voneinander zu betrachten und haben auch grundsätzlich nichts miteinander zu tun, auch wenn es eine Person gibt, die in beiden Träumen eine Rolle spielte. Und auch wenn der erste der beiden Träume auf einer tatsächlich passierten Begebenheit basiert. Nach beiden Träumen wachte ich mit einem sehr seltsamen Gefühl der Realität auf und konnte vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben nicht sicher sein, ob es wirklich nur ein Traum war. Und das macht mir ehrlich gesagt ziemliche Angst.

Um dieser Angst entgegen zu wirken, möchte ich daher versuchen, zumindest den zweiten Traum genauer unter die Lupe zu nehmen und in seine einzelnen Bestandteile zu gliedern. Über den ersten Traum mache ich mir gar nicht so viele Gedanken, weil mein Unterbewusstsein hier wahrscheinlich nur eine echte Situation mit meinen aktuellen Sehnsüchten und Wünschen gemischt hat. Der zweite hingegen beschäftigt mich nahezu pausenlos, weshalb ich ihn mit euch teilen möchte.

nightmare(Nightmare. Paul Bielaczyc. charcoal, 2005.)

Eigentlich startete der Traum sehr angenehm. Ich war zurück in meiner Unterkunft in Downtown Los Angeles, um die Leute, die ich dort kennen und lieben gelernt habe, zu überraschen, und tatsächlich war die Freude auf allen Seiten groß. Ich verbrachte etwas Zeit mit den mir dort wichtigsten Menschen und hatte besonders mit einer bestimmten Person (über die ich noch gesondert berichten werde) ein paar ruhige und schöne Momente, während draußen der Regen vom Himmel prasselte. Irgendwann sah ich mich dann genauer in dieser Unterkunft um, da sich ein paar Dinge seit meiner Abreise verändert hatten, und nahm natürlich auch die neuen MitbewohnerInnen in Augenschein. Vor allem die in meinem alten Zimmer. Klar, dass die neuen Mädels mir nicht das Wasser reichen konnten, das habe ich allein schon an der Atmosphäre gemerkt – sofern man denn in einem Traum von Atmosphäre sprechen kann. Tatsächlich waren es, wie auch während meiner Zeit dort schon, ganz unterschiedliche Charaktere. Es gab ein paar nette Gesichter und ein paar, bei denen mein Bauchgefühl gleich die Alarmglocken hat klingeln lassen. Doch gerade meine Zeit in L.A. hat mich gelehrt, mich nicht von den Fassaden blenden zu lassen, sondern die Menschen dahinter erst einmal kennen zu lernen, bevor ich mir ein Urteil bilde.

Einer meiner ehemaligen Mitbewohner ist dann auf der Couch in der Küche/im Wohnzimmer eingeschlafen und ich beschloss, mich zu ihm zu legen, da ich unangekündigt aufgetaucht war und für diese Nacht kein Bett mehr zur Verfügung stand. Aus irgendeinem Grund hatte ich so eine Peel-Off-Maske im Gesicht, die ich vorher natürlich erstmal loswerden wollte. Also bin ich in mein altes Zimmer, das über ein eigenes Bad verfügt, und begann mit meinem Ritual zum Bettfertigmachen. Warum auch immer, sprach mich eines der Alarmglocken-Mädchen an und bot mir ihre Hilfe an. Sie machte mir die Haare und schminkte mich (zum Schlafen?!), allerdings nicht nur im Gesicht – ich bekam auch ein echt hübsches Ganzkörper-Bodypainting, das sich bei jeder kleinsten Bewegung veränderte. Und irgendwann war da eine Kamera, weil anscheinend an diesem Abend noch ein Musikvideo oder sowas gedreht werden sollte. Und ich sollte darin mitspielen. Zu diesem Zweck bekam ich neben dem Bodypainting auch falsche Zähne von diesem Mädel angeklebt.

Wir drehten also dieses Video und ich fühlte mich schön. Ja, an dieses Gefühl kann ich mich noch sehr gut erinnern, ich hatte hübsche, ziemlich knappe Wäsche an und trug eigentlich mehr Farbe als Stoff auf meiner Haut, und ich fühlte mich begehrenswert und schön. Dann war der Dreh zu Ende, ich schlüpfte nach einer Dusche in bequemere Sachen und wollte abschließend noch die falschen Zähne rausnehmen. Was nicht ging. Keine Ahnung, ob dieses Mädel einen speizellen Klebstoff genutzt hatte, auf jeden Fall bekam ich die Zähne einfach nicht raus. Anfangs zumindest nicht. Als es dann klappte, war ich komplett zahnlos. Zusammen mit den Fake-Zähnen habe ich im Traum auch meine eigenen gezogen. Ich stand ohnehin schon kurz vorm Durchdrehen, aber als das – entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise – Miststück dann auch noch hysterisch und richtig böse zu lachen anfing, war es mit meiner Beherrschung vorbei. Ich brach schrecklich weinend zusammen, irgendwann nahm mich dann ein Typ in den Arm – ich glaube, es war mein Bruder im Herzen, der erst an meinem letzten Abend einzog – und versuchte, mich irgendwie zu beruhigen.

Und das war dann der Moment, in dem ich aufwachte, mit einem unheimlich beklemmenden Gefühl. Es war kein schnelles Aufwachen, mehr so ein Vom-Schlaf-ins-Wachsein-Gleiten, und für bestimmt fünf Minuten war ich nicht sicher, dass ich nur geträumt habe. Auch weil sich mein Mund seltsam anfühlte in diesem Zustand zwischen Schlafen und Wachsein. mein kompletter Kiefer schmerzte und das Gefühl der Beklemmung wollte und wollte einfach nicht nachlassen. Erstaunlicherweise schlief ich danach recht schnell wieder ein, anders als in anderen Nächten, in denen ich ohne ersichtlichen Grund aufwache und mich stundenlang hin und her wälze.

Inzwischen ist fast eine Woche seit diesem Traum vergangen und es geht mir, nachdem ich die ersten ein, zwei Tage ziemlich viel darüber nachgedacht und auch mit Traumdeutung beschäftigt habe, deutlich besser. Trotzdem ist der Traum weiterhin sehr präsent und macht mir doch etwas Angst. Die vielen unterschiedlichen Komponenten sind sicherlich schwer zu deuten, jedes kleine Detail kann für viele verschiedene Dinge stehen. Vielleicht findet sich unter meinen Lesern ja jemand, der sich ein bisschen besser mit Traumdeutung auskennt und mir ein paar Worte dazu sagen kann – entweder in den Kommentaren oder privat per Mail oder per PN über Facebook. Ich bin für alles dankbar, denn obwohl ich mir selbst sage, dass es nur ein Traum wahr und ich normalerweise nicht viel auf meine Träume gebe, spüre ich doch ganz deutlich, dass dieser Traum irgendwie anders war. Anders ist.

Einmal mehr möchte ich mich an dieser Stelle bei euch bedanken.
Für eure aufmerksamen Augen und eure Zeit.

Dieser Beitrag ist Teil 21 von 29 aus der Serie: Backstage | Zeige alle Teile

Teil 1: Neue Artikel-Kategorie: „Backstage“

Teil 2: Backstage: Wie viel Glück kann ein Mensch haben?

Teil 3: Backstage: Einmal und nie wieder!

Teil 4: Backstage: Warum mein Herz für Hamburg schlägt

Teil 5: Backstage: Shoppingwahn am Vor-Welttag des Buches

Teil 6: Backstage: Hamburger Nächte

Teil 7: Backstage: Draußen lesen

Teil 8: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht …

Teil 9: Backstage: A Question Of Lust – oder nicht?

Teil 10: Backstage: … Sonntagsgedanken …

Teil 11: Backstage: Jetzt beginnt mein (Lese)Wochenende …

Teil 12: Backstage: Gehaime vor- und nachwhainachtliche Überraschungspost

Teil 13: Backstage: Manchmal gibt’s so Momente …

Teil 14: Backstage: Eine Zugfahrt, die ist lustig …

Teil 15: Backstage: … durch Raum und Zeit und Worte …

Teil 16: Backstage: Interessante Jobangebote im richtigen Moment

Teil 17: Backstage: Wenn Schweigen zur Gewohnheit wird …

Teil 18: Backstage: Wenn eine gemeinsame Reise zu früh endet …

Teil 19: Backstage: „Ich muss mich leider über Dich beschweren.“

Teil 20: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 2)

Teil 21: Backstage: Wenn Alpträume nicht nur den Schlaf rauben.

Teil 22: Backstage: Der etwas andere Liebesbrief

Teil 23: Backstage: Warum Schwäche auch eine Stärke sein kann

Teil 24: Backstage: Somewhere over the rainbow

Teil 25: Backstage: Hi, my name is Chase!

Teil 26: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 3)

Teil 27: Backstage: Warum ich dieses Mal nicht am #litnetzwerk teilnehme

Teil 28: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 4)

Teil 29: Backstage: Sechs Monate, ein Jahr und zwei Leben


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