Backstage: Somewhere over the rainbow

Man kämpft nicht nur mit dem Schwert, sondern auch mit dem Herzen.
(Gustav Stresemann)

Luka, mein kleiner Kämpfer,

es war im Mai 2005. Mein damaliger Freund und ich hatten nicht geplant, so schnell neuen Nachwuchs zu bekommen. Doch dann wuselten auf einmal fünf weitere kleine Kätzchen durch unsere Wohnung. Und wir beschlossen, zusätzlich zu unserem Pärchen zwei der Kitten zu behalten – Dich und Deinen wunderschönen Bruder Tarabas.

Nach der schlimmen Trennung bliebt ihr gemeinsam mit eurer Mutter Samira bei mir und halft mir, all das irgendwie zu überstehen, ohne einen größeren bleibenden Schaden davon zu tragen. Zu viert haben wir zwei anstrengende Umzüge überstanden, und ihr habt euch nie über die neue Umgebung beschwert. Immer gabt ihr mir das Gefühl, dass nur eine Sache zählt: Dass wir weiterhin zusammenbleiben würden.

Knapp zweieinhalb Jahre nach unserem Umzug nach Hamburg nahm Tari im November 2010 nach wochenlangem Kämpfen und einem Aufenthalt in der Tierklinik als erster von euch dreien den Weg über die Regenbogenbrücke. Mit fünfeinhalb Jahren viel zu jung, und er hinterließ ein großes Loch in unseren Herzen – ich habe euch angemerkt, dass es auch für euch ein Verlust war. Im Januar 2013 wurde dann durch einen Zufall Pauli Teil unserer kleinen Familie und hielt uns alle ganz schön auf Trab. Aber gerade mit seiner quirligen Art war er genau das, was wir brauchten.

Im Oktober 2014 schlief völlig überraschend auch Mira eines Nachmittags einfach ein. Es traf mich wie ein Schlag, meine zehneinhalb Jahre alte Katzenlady so plötzlich gehen lassen zu müssen. Auch das Wissen, dass sie nicht gelitten hat, sondern nur die Augen schloss und nicht wieder öffnete, hat damals nicht geholfen. Nach ihrem Tod wollte ich nicht, dass eine neue Fellnase ihren Platz einnimmt, also blieben wir von nun an zu dritt. Und es ging uns gut.

Bis Du vor einigen Monaten unmerklich immer weiter abgebaut hast. Immer mal wieder hattest Du Schwierigkeiten beim Atmen, doch Du hast nicht aufgegeben, sondern Dich immer wieder aufgerappelt. Selbst in dieser einen Nacht, in der ich mit Dir wachblieb und auf dem Wohnzimmerboden lag und Dir immer wieder zuflüsterte, dass ich Dich liebe und dass es okay ist, wenn Du jetzt gehen musst, wolltest Du einfach nicht loslassen. Wolltest Du mich nicht verlassen. Vielleicht weil es mir zu diesem Zeitpunkt gerade schlecht ging und Du gemerkt hast, dass ich Dich brauche.

Dein Kämpferherz hat Dich lange durchhalten lassen und mich letztendlich dazu gezwungen, die bisher wahrscheinlich schwerste Entscheidung in meinem Leben zu treffen. Nachdem Du anderthalb Tage lang wieder schlimme Atemprobleme hattest, dieses Mal aber auch nicht fressen wolltest und fast gar nicht auf Zärtlichkeiten reagiert hast, blieb nur der Gang zum Tierarzt. Natürlich in der Hoffnung, dass ich Dich mit Medikamenten wieder mit nach Hause nehmen und aufpäppeln könnte. Die Tierärztin war jedoch anderer Meinung – es wäre für Dich nur noch ein qualvolles Spiel auf Zeit gewesen, und das wollte ich Dir nicht mehr antun. Nicht nachdem Du schon so viele Jahre so viele Kämpfe mit mir durchgestanden hast.

Nun bist Du also als Letzter der kleinen Familie, die im Jahr 2004 gegründet wurde, über die Regenbogenbrücke gegangen. Ich hoffe, dass Deine Eltern und Dein Bruder Dich angemessen empfangen haben und ihr da oben eine Riesensause mit all den anderen Tieren feiert. Pauli und ich vermissen Dich schrecklich, aber ich weiß auch, dass es die beste Entscheidung war, die ich für Dich treffen konnte. Auch wenn es mir das Herz zerreißt und ich auch die anderen beiden Verluste gerade noch einmal komplett durchlebe.

Du wirst immer einen Platz in meinen Gedanken haben und ein Teil meines Herzens wird für immer Dir gehören. Danke für elf wunderbare Jahre, für all Deine Liebe und Deine ganz besondere Einzigartigkeit.

Ich liebe Dich und werde Dich niemals vergessen! Du wirst immer in meinem Herzen sein.

Dieser Beitrag ist Teil 24 von 29 aus der Serie: Backstage | Zeige alle Teile

Teil 1: Neue Artikel-Kategorie: „Backstage“

Teil 2: Backstage: Wie viel Glück kann ein Mensch haben?

Teil 3: Backstage: Einmal und nie wieder!

Teil 4: Backstage: Warum mein Herz für Hamburg schlägt

Teil 5: Backstage: Shoppingwahn am Vor-Welttag des Buches

Teil 6: Backstage: Hamburger Nächte

Teil 7: Backstage: Draußen lesen

Teil 8: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht …

Teil 9: Backstage: A Question Of Lust – oder nicht?

Teil 10: Backstage: … Sonntagsgedanken …

Teil 11: Backstage: Jetzt beginnt mein (Lese)Wochenende …

Teil 12: Backstage: Gehaime vor- und nachwhainachtliche Überraschungspost

Teil 13: Backstage: Manchmal gibt’s so Momente …

Teil 14: Backstage: Eine Zugfahrt, die ist lustig …

Teil 15: Backstage: … durch Raum und Zeit und Worte …

Teil 16: Backstage: Interessante Jobangebote im richtigen Moment

Teil 17: Backstage: Wenn Schweigen zur Gewohnheit wird …

Teil 18: Backstage: Wenn eine gemeinsame Reise zu früh endet …

Teil 19: Backstage: „Ich muss mich leider über Dich beschweren.“

Teil 20: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 2)

Teil 21: Backstage: Wenn Alpträume nicht nur den Schlaf rauben.

Teil 22: Backstage: Der etwas andere Liebesbrief

Teil 23: Backstage: Warum Schwäche auch eine Stärke sein kann

Teil 24: Backstage: Somewhere over the rainbow

Teil 25: Backstage: Hi, my name is Chase!

Teil 26: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 3)

Teil 27: Backstage: Warum ich dieses Mal nicht am #litnetzwerk teilnehme

Teil 28: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 4)

Teil 29: Backstage: Sechs Monate, ein Jahr und zwei Leben


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3 Kommentare
  1. Yvog sagt:

    Fuck!
    Liebchen, ich sitze hier, heule wie ein Schlosshund und leide mit Dir. Es tut mir unendlich leid für Dich und für Luka und auch für Pauli. Ich drücke dich!

    • Schattenkämpferin sagt:

      Danke, Liebes.
      Ich habe bisher zwei, drei schlimme Weinkrämpfe gehabt. Wahrscheinlich kommt da noch was. Was okay ist, schließlich ist er für mich ein Familienmitglied gewesen.
      Danke für Deine Worte und einen festen Drücker zurück!

  2. Sophia sagt:

    Hey,
    ich denke ganz doll an dich und drücke dich.
    Ich habe auch 2 Fellnasen und möchte mir gar nicht vorstellen, wie es ist wenn sie mal fortgehen.
    Manchmal sollte man nicht viel schreiben .. Einfach jemand lieb umarmen und zeigen, dass man an jemanden denkt.

    Das tue ich in diesem Moment für dich.

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