Backstage: Wie viel Glück kann ein Mensch haben?

Letzte Woche hatte ich eine echte Glückssträhne. Na ja, ob es wirklich eine „Strähne“ war, darüber lässt sich sicherlich streiten, schließlich waren es „nur“ zwei aufeinanderfolgende Tage. Wenn man sich aber die grundlegenden „Umstände“ und das daraus resultierende Ausmaß der Freude (nicht nur meinerseits) anschaut, dann kann man wohl ohne Bedenken sagen: Ja, ich hatte eine Glückssträhne!

Alles begann eigentlich Montagabend, als ich mit Entsetzen feststellen musste, dass die am Dienstag stattfindende Auftaktveranstaltung zum Hamburger Krimifestival ausverkauft ist. An sich keine große Sache, hat mich in den letzten Jahren auch nicht weiter gestört. Aber: Dieses Jahr haben sich die Herren Sebastian Fitzek und Michael Tsokos die Ehre gegeben, und nachdem ich zweiteren auf der Buchmesse FFM (Messebericht steht noch aus, ich weiß …) aus triftigen Gründen (wichtiger Kreißsaaltermin seinerseits) leider verpasst habe, war für mich klar, dass ich unbedingt dort hin muss, um mein „Abgeschnitten“-Exemplar vollständig signieren zu lassen (es gab natürlich noch einen zweiten Grund, aber dazu komme ich später). In meiner Verzweiflung fuhr ich nachts, schlaflos wie ich war, meinen Laptop noch mal hoch und schrieb Sebastian eine Nachricht.

Damit ging dann das große Warten los. Meine Nacht war kurz, unruhig und voll wirrer Träume. Meine Facebook-Liker wurden dazu genötigt aufgerufen, den ganzen Tag die Daumen für mich zu drücken, dass ich doch noch ein Plätzchen im ausverkauften Kampnagel bekommen würde, und ich checkte alle zehn Minuten meine Nachrichten in der Hoffnung, positive Antwort von Sebastian zu bekommen. Erst kurz vor Feierabend kam ich auf die Idee, doch direkt beim Veranstaltungsort mal zu fragen, ob und welche Möglichkeiten es gibt. Die verwiesen mich recht schnell an den Veranstalter, die Heymann-Buchhandlung – ich hätte sogar auf einen Sitzplatz verzichtet, nur um dieser Lesung beiwohnen bzw. im Anschluss mein Buch signieren lassen zu können. Und knapp zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn dann die erlösende Nachricht: „Ein Ehrengast hat gerade abgesagt.“ Was im Klartext hieß, dass ich nachrücken konnte. Das Ende vom Lied: Ich bekam ein „VIP“-Armband, saß auf einem reservierten Platz in der zweiten Reihe und habe keinen Eintritt bezahlt. Glück muss man haben und ich war an diesem Abend so glücklich, dass ich direkt nachts noch meine Rezension online gestellt habe, deren Schreiben mir die hibbelige Wartezeit bis zur erlösenden Nachricht unglaublich erleichtert hat.

Doch all die Aufregung kam nicht nur mir selbst zu Gute, eigentlich habe ich das alles mit dem Hintergedanken gemacht, eine Freundin aus der Heimat zu überraschen. Die Idee entsprang irgendwann kurz nach der Messe, als sie mich nach einem mitgebrachten Autogramm fragte und ich verneinen musste. Ich hatte gesehen, dass sie sich „Abgeschnitten“ gern zu Weihnachten wünschen würde, und aus Gesprächen wusste ich, dass es ihr als alleinerziehende Mutter nur schwerlich möglich sein würde, in nächster Zeit selbst mal auf eine Lesung von Sebastian zu gehen. Also kaufte ich kurzerhand das Buch, um es auf der Lesung von beiden Autoren signieren zu lassen und ihr anschließend per Post zukommen zu lassen. Anfang dieser Woche kam es nun an und bis auf ein kurzes Facebook-Posting habe ich seitdem nichts mehr von ihr gehört oder gelesen – scheint sie also genauso zu fesseln wie mich ;)

Während ich am Mittwoch dann das kleine Überraschungspäckchen fertig gemacht habe, erreichte mich die zweite großartige Nachricht der Woche. Dazu muss ich, glaube ich, ein wenig ausholen, um die Größe meiner Freude noch deutlicher zu machen. Das kollektiv22 (meine Facebook-Liker wissen ganz genau, von wem ich hier schreibe) hat bei Radio Energy Hamburg in Zusammenarbeit mit der Hamburger Meile einen Newcomer-Bandcontest gewonnen und sich damit einen Platz als Vorband beim Privatkonzert von Jupiter Jones gesichert. Wie weit ein Konzert in einer 1500 Menschen fassenden Location „privat“ sein kann, sei mal dahin gestellt. Jedenfalls konnte man für dieses Konzert keine Karten kaufen, sondern sie nur gewinnen – über Energy oder die Hamburger Meile. Alles, was man tun musste, war eine Registrierung. Na ja, und wie sich rausstellte, musste man bei Energy natürlich auch Radio hören und sich bei Aufruf telefonisch melden, um zu gewinnen. Nun geht Radiohören in einem Schreibbüro etwas schlecht, sodass die Chancen beim Radiosender relativ gering waren.

Gedanklich hatte ich also schon mit diesem Konzert abgeschlossen, außerdem war ich nach Dienstagabend noch völlig euphorisch. Nach welchen Kriterien die Hamburger Meile ihre Gewinner ausgesucht hat, weiß ich nicht, doch Mittwochmorgen fand ich dann eine Mail in meinem Postfach: Ich hätte vier Karten gewonnen. Noch mehr Glück muss man haben! Die Tickets habe ich dann direkt auch noch Mittwochnachmittag abgeholt und bin wahrscheinlich dann völlig verstrahlt durch Hamburg gelaufen. Mein Adrenalinhaushalt war noch vom Vortag völlig überlastet und nun hielt ich auch noch vier Karten für ein Konzert in der Hand, bei dem ich endlich die Jungs vom kollektiv22 wieder auf der Bühne sehen sollte – die letzte Möglichkeit für mich war schon wieder viel zu lange her.

So ging ich selig nach Hause. Nicht nur ich selbst war glücklich, ich konnte durch meine Glückssträhne auch anderen Menschen eine Freude machen. Lesungsbericht und eine Konzertkritik werden noch kommen, sobald ich wieder etwas mehr Ruhe zum Schreiben finde. Nächste Woche stehen erstmal keine Termine an, sodass ich vielleicht abends tatsächlich mal wieder ein bisschen was abarbeiten kann. Für dieses Wochenende steht aber Lesen (und viel schlafen) auf dem Plan – mal sehen, ob nicht auch der eine oder andere Artikel für euch abfällt ;)

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 29 aus der Serie: Backstage | Zeige alle Teile

Teil 1: Neue Artikel-Kategorie: „Backstage“

Teil 2: Backstage: Wie viel Glück kann ein Mensch haben?

Teil 3: Backstage: Einmal und nie wieder!

Teil 4: Backstage: Warum mein Herz für Hamburg schlägt

Teil 5: Backstage: Shoppingwahn am Vor-Welttag des Buches

Teil 6: Backstage: Hamburger Nächte

Teil 7: Backstage: Draußen lesen

Teil 8: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht …

Teil 9: Backstage: A Question Of Lust – oder nicht?

Teil 10: Backstage: … Sonntagsgedanken …

Teil 11: Backstage: Jetzt beginnt mein (Lese)Wochenende …

Teil 12: Backstage: Gehaime vor- und nachwhainachtliche Überraschungspost

Teil 13: Backstage: Manchmal gibt’s so Momente …

Teil 14: Backstage: Eine Zugfahrt, die ist lustig …

Teil 15: Backstage: … durch Raum und Zeit und Worte …

Teil 16: Backstage: Interessante Jobangebote im richtigen Moment

Teil 17: Backstage: Wenn Schweigen zur Gewohnheit wird …

Teil 18: Backstage: Wenn eine gemeinsame Reise zu früh endet …

Teil 19: Backstage: „Ich muss mich leider über Dich beschweren.“

Teil 20: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 2)

Teil 21: Backstage: Wenn Alpträume nicht nur den Schlaf rauben.

Teil 22: Backstage: Der etwas andere Liebesbrief

Teil 23: Backstage: Warum Schwäche auch eine Stärke sein kann

Teil 24: Backstage: Somewhere over the rainbow

Teil 25: Backstage: Hi, my name is Chase!

Teil 26: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 3)

Teil 27: Backstage: Warum ich dieses Mal nicht am #litnetzwerk teilnehme

Teil 28: Backstage: Wenn Bedeutung unter die Haut geht (Teil 4)

Teil 29: Backstage: Sechs Monate, ein Jahr und zwei Leben


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