Leselaunen 2021 #17 – Zum Monatsende noch mal mit Vollgas durchs Bücherregal

Die Leselaunen sind eine Aktion, die mittlerweile die liebe Jill vom Letterheart Bücherblog hostet. Bei dieser Aktion geht es darum, die eigene Leselaune einmal die Woche zu reflektieren. Neben der normalen Leseliste ist dies eine schöne Möglichkeit, Stimmungen festzuhalten und den Fortschritt der eventuell vorhandenen Leseplanung zu beobachten. Und es hilft sicherlich auch beim späteren Schreiben der Rezensionen, denn ich gehöre leider nicht zu denjenigen, die sich während des Lesens Notizen machen. Sollte ich mir vielleicht mal angewöhnen.

Aktuelle Lektüre(n)

„Augen ohne Licht“ von S.K. Tremayne hat mich länger beschäftigt, als man dem dünnen Büchlein zugestehen würde, und bis zum Schluss konnte es mich leider nicht überzeugen. Am Ende war die Geschichte zwar rund und hat auch eine Message zu einem sehr aktuellen Thema vermittelt, aber die Umsetzung des Themas fand ich nicht ganz so gelungen. Über weite Strecken war der Stil ziemlich ermüdend und von einem Spannungsbogen habe ich leider nicht so viel gemerkt.

Sehr viel leichter von der Hand ging mir der spontane Griff zu „Beyond the Sea“ von L. H. Cosway, das sich extrem gut lesen ließ – obwohl es nicht mal eine besonders gute Geschichte ist. Trotz der ernsten Hintergründe hatte ich die meiste Zeit das Gefühl, einen sehr leichten Roman in den Händen zu halten, und obwohl die Story an sich eine echte Sogwirkung hatte, ist am Ende nicht viel hängen geblieben. Tatsächlich wusste ich auch sehr schnell, worauf das Ganze hinauslaufen würde, dank der Triggerwarnung hinten im Buch. Je länger ich nachdenke, desto mehr Schwachpunkte fallen mir im Nachhinein auf, aber sie zu verraten, würde sehr stark spoilern. Ihr könnt mir ja in den Kommentaren mal verraten, ob ich vielleicht in den Insta-Stories darüber berichten soll, natürlich mit einer entsprechenden vorhergehenden Warnung.

Um mich auch ein wenig weiterzubilden, hat mich am Wochenende außerdem ein spannendes Sachbuch begleitet. In „Die Erfindung von Alice im Wunderland – Wie alles begann“ von Peter Hunt erhält man eine ganze Menge Hintergrundinfos über die Entstehung der Alice-Welt und über das Leben des Autors Lewis Caroll, der eigentlich ganz anders heißt. Der Einstieg fiel mir etwas schwer, aber mit der Zeit fiel die Verarbeitung der vielen Informationen leichter, und ich freue mich schon darauf, den Rest des Buches bei Gelegenheit zu lesen und noch mehr zu erfahren.

Und schließlich habe ich auch den Tolino wieder aufgeladen und ein weiteres Rezensionsexemplar angefangen. „Wild Irish – Cillian“ machte es mir gerade während der ersten Kapitel wirklich nicht leicht, weil der männliche Hauptcharakter ein ziemlich arrogantes Arschloch ist und ihn das in meinen Augen absolut unattraktiv macht, auch wenn seine Beschreibung mörderheiß ist. Insgesamt liegt mir der Fokus zu sehr auf der sexuellen Spannung zwischen den beiden Protas, und auch nach mehr als der Hälfte kann ich nicht gerade sagen, dass mich C. M. Seabrook begeistern kann. Ehrlich gesagt freue ich mich schon jetzt darauf, das Buch spätestens morgen zu beenden, und hoffe, dass ich mit dem nächsten Buch dann wieder mehr Glück habe.

Nachdem mich letzte Woche bereits ein Hörbuch begleitet hat, habe ich wieder Gefallen daran gefunden, mir bei der Bildschirmarbeit – und um die Ablenkung durch KollegInnen-Gespräche zu reduzieren – quasi vorlesen zu lassen statt Musik zu hören. Da ich die Leseprobe von „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ recht ansprechend fand und Mai Thi Nguyen-Kim eine sehr angenehme Stimme hat, hatte ich ohnehin vor, das Hörbuch mal anzutesten. Na ja, irgendwie bin ich hängengeblieben, und es war zwar teilweise extrem wissenschaftlich, insgesamt aber wirklich interessant. Ich denke, ich kann daraus ein paar Dinge für künftige Gespräche und Diskussionen zu allen möglichen Themen mitnehmen.

Und weil ich grad so im Selfeducation-Modus war, habe ich direkt im Anschluss „Exit Racism – rassismuskritisch denken lernen“ eingeschaltet. Ich muss gestehen, dass ich das Buch von Tupoka Ogette bereits letztes Jahr nach der großen BLM-Demo hier in Hamburg angefangen, aber nie beendet habe. Aber eine regelmäßige Auffrischung dieses Wissens kann nicht schaden, und ich mag die interaktiven Ansätze die den Leser bzw. Hörer zwingen, das Erfahrene direkt zu verinnerlichen und aufs eigene Leben anzuwenden. Dieses Buch ist auf jeden Fall eines, das ich noch öfter lesen oder hören werde. In jedem Fall wird nach dem Hören auch das Buch noch mal zur Hand genommen und mit ein paar mehr Markierungsklebchen versehen. Gerade der interaktive Teil wird noch einige Aufmerksamkeit fordern.

Momentane Lesestimmung

Lustigerweise habe ich das Gefühl, dass meine Leseflaute mal wieder eine kleine Pause einlegt, und das, obwohl meine letzten Bücher wohl eher zum Durchschnitt gehören und mich gerade in der letzten Woche keines so richtig begeistern konnte. Aber vielleicht habe ich auch genau das gebraucht: ein paar durchschnittliche, aber nicht schlechte Bücher, die keinen besonders nennenswerten Hangover auslösen und mich eher motivieren, sie schnell zu beenden, um zum nächsten Buch greifen zu können und vielleicht mehr Glück bei der kommenden Auswahl zu haben. Und obwohl ich seit zwei Tagen abends wieder Serie schaue, lese ich trotzdem vor dem Schlafengehen immer noch mindestens 50 Seiten. Das läppert sich auch zusammen, und es ist in jedem Fall eine sehr gute Alternative zum ewigen Handygedaddel, das sich in den letzten Wochen leider immer mehr eingeschlichen hat. Da ich aber inzwischen eine meiner vielen Handyapps (aus anderen Gründen) wieder deinstalliert habe, ist damit ein großer Ablenkungsfaktor verschwunden und ich habe wieder mehr Lust und Zeit, zu einem Buch zu greifen.

Zitat der Woche

„Die Wahrheit kann sich hinter vielen Schichten verbergen, was bedeutet, dass du dich durch eine Menge Scheiße graben musst, um ein kleines Körnchen Weisheit zu finden.“
(aus „Beyond the Sea“ von L. H. Cosway)

Und sonst so?

Puh, eigentlich hat sich zu letzter Woche nicht großartig was geändert. Mein Nervenkostüm ist weiterhin sehr dünn, die Kamera liegt immer noch zum Auslüften und Trocknen und es sind wieder zahlreiche neue Bücher eingezogen. Außerdem kam mein erstes Gehalt im neuen Job und obwohl es gerade heute wieder ein psychisch wirklich anstrengender Tag war und ich zwischendurch am liebsten nach Hause gefahren wäre, bin ich mit dem Gefühl in den Feierabend gegangen, noch nicht aufgeben zu wollen. Irgendwas hat meinen Kampfgeist genügend gekitzelt, noch ein bisschen durchzuhalten und zu schauen, wo die Reise in der neuen Firma noch hingeht.

Ansonsten gibt’s eigentlich nicht viel Neues zu berichten, ohne den Gänseblümchen vorzugreifen, für die ich schon zwei Punkte mental notiert habe. Ihr werdet also spätestens Sonntagabend wiederkommen müssen, und vielleicht schaffe ich es bis dahin auch, endlich die drei angefangenen Rezensionen zu beenden und zu veröffentlichen, die seit ein paar Tagen auf meinem Laptop schlummern. Da die Wahlfamilie ab Samstagmorgen für ein paar Tage verreist, werde ich voraussichtlich etwas mehr Zeit auf der Couch verbringen – falls ihr Motivation übrig habt, lasst mir gern ein bisschen hier, damit ich mal den Arsch hochkriege und eventuell am Wochenende einen Schreibtag einlege.

Das waren meine Leselaunen für die aktuelle Woche. Ich hoffe, sie haben euch gefallen und wir sehen uns (spätestens) nächste Woche wieder hier. Würde mich freuen :)

Dieser Beitrag ist Teil 17 von 27 aus der Serie: Leselaunen 2021 | Zeige alle Teile

Teil 1: Leselaunen 2021 #1 – Ein Wiederbelebungsversuch

Teil 2: Leselaunen 2021 #2 – Berufswirrwarr vs. Bingewatching

Teil 3: Leselaunen 2021 #3 – Über richtiges Timing, Wiedereinstieg und Fellnasen

Teil 4: Leselaunen 2021 #4 – Seifenblasenleben auf Zeit?

Teil 5: Leselaunen 2021 #5 – Rückkehr zum multimedialen Lesen

Teil 6: Leselaunen 2021 #6 – Leseflaute und Hörhoch

Teil 7: Leselaunen 2021 #7 – Booknerdproblems hoch zwei

Teil 8: Leselaunen 2021 #8 – Wenn man mehrgleisig fährt

Teil 9: Leselaunen 2021 #9 – wellenförmiges Auf und Ab

Teil 10: Leselaunen 2021 #10 – Leseflaute ahoi!

Teil 11: Leselaunen 2021 #11 – Licht am Leseflautenhorizont

Teil 12: Leselaunen 2021 #12 – Putz- und Schreib- statt Lesemarathon

Teil 13: Leselaunen 2021 #13 – Neuer Monat, neuer Job, neue Lektüre

Teil 14: Leselaunen 2021 #14 – Von Lesewagnissen und Wetterfühligkeiten

Teil 15: Leselaunen 2021 #15 – Müde, müde, müde!

Teil 16: Leselaunen 2021 #16 – Ein leichtes Lesehoch und ein sehr dünnes Nervenkostüm

Teil 17: Leselaunen 2021 #17 – Zum Monatsende noch mal mit Vollgas durchs Bücherregal

Teil 18: Leselaunen 2021 #18 – Schwere Lektüre und schweres Gemüt

Teil 19: Leselaunen 2021 #19 – Zehn Jahre Schattenwege und kein Gewinnspiel

Teil 20: Leselaunen 2021 #20 – Stimmungsachterbahn, aber mit guter Lektüre

Teil 21: Leselaunen 2021 #21 – Manchmal ist Stabilität alles

Teil 22: Leselaunen 2021 #22 – Besuch, Lesezeit, Gesprächsbedarf und ein bisschen Action

Teil 23: Leselaunen 2021 #23 – Hölle, Sex und viel zu realistische Dystopien

Teil 24: Leselaunen 2021 #24 – Instajail, Außendienst und diverse Neuzugänge

Teil 25: Leselaunen 2021 #25 – Produktive Lesezeit und Impfnachwehen

Teil 26: Leselaunen 2021 #26 – Schlagfertige Nerds und schwere Kost

Teil 27: Leselaunen 2021 #27 – Jede Menge Musik und Debüts


|


Leave a Reply